
Vernachlässigtes Fossil entpuppt sich als Trias-Raubtier
In der Trias lebten bizarre, amphibische Tiere mit aussergewöhnlicher Kopfform. Eine der grössten Arten wurde nun anhand eines Fossils mit bewegter Geschichte beschrieben.
Im Jahr 1948 stiess eine britische Expedition auf der norwegischen Bäreninsel in der Arktis auf ein grosses Fossil – zu gross, um es komplett mitzunehmen. Die Teilnehmer beschränkten sich auf ein paar versteinerte Knochen und Fotos. Den Rest überliessen sie dem harschen Wetter. 36 Jahre später stöberten norwegische Wissenschaftler das Fossil erneut auf, das zwar unter den Bedingungen gelitten hatte, aber noch geborgen werden konnte. Anschliessend lagerte es weitere Jahrzehnte im Archiv des Stuttgarter Naturkundemuseums am Löwentor, bis ein Team um Rainer Schoch vom Museum und der Universität Hohenheim die Versteinerungen endlich untersuchte. Sie entpuppten sich als das bislang grösste bekannte Exemplar eines Plagiosauridae, urtümlicher, amphibischer Tiere mit seltsamer Kopfform.
Ausgehend vom Schädel und mithilfe der historischen Fotos, die noch mehr Teile des Fossils zeigen, schätzen die Paläontologen die Länge des Tiers auf 2,7 Meter. Der Kopf selbst war etwa 70 Zentimeter breit, aber nur 21 Zentimeter lang, was ihm eine relativ seltsame, halbkreisförmige Form verpasste. Sie war jedoch charakteristisch für die Plagiosauridae und findet sich auch bei anderen Arten dieser Familie. Bestückt war der Kiefer mit zahlreichen spitzen Zähnen, weswegen die Tiere sehr wahrscheinlich agile Jäger waren: die bislang grössten, bekannten Raubtiere aus diesem Zeitraum der Trias vor 250 bis 235 Millionen Jahren. Ausgehend von dieser Grösse und weiteren morphologischen Unterschieden zu anderen Plagiosauriern beschreiben Schoch und Co das Tier als neue Art mit dem Namen Arctobatrachus urdensis.
Die Spezies gehörte wohl zu den frühesten Mitgliedern der Plagiosauridae, die noch aktivere Schwimmer mit einem bulligeren Körperbau waren; spätere Vertreter wiesen eher flachere Formen auf. Arctobatrachus urdensis lebte wahrscheinlich am Boden von Gewässern, wo er auf Beute lauerte: Näherte sich ein potenzielles Opfer, riss er das Maul auf und erzeugte dadurch einen Sog, der die Nahrung zum Schlund zog, wo der Jäger zupacken konnte.
Verwandte Arten wurden weltweit gefunden, darunter auch in Deutschland, wie Experten des Museums 2024 verkündeten. Fossilien aus Lagerstätten bei Heilbronn und Nürnberg erwiesen sich beispielsweise als Überreste von Gerrothorax, einem Plagiosaurier mit abgeflachtem Kopf, auf dem nach oben ausgerichtete Augen sassen: Sein Kiefer war mit Dutzenden scharfen Zähnen bestückt, was auch ihn zu einem effizienten Raubtier machte.
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