Teilen trotz Barrieren: Die Geschirrkollektion «The New Normal»
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Teilen trotz Barrieren: Die Geschirrkollektion «The New Normal»

Pia Seidel
Zürich, am 20.10.2020
Ein Dessert teilen, ohne eine Corona-Infektion zu riskieren. Das soll die neue konzeptionelle Geschirrkollektion vom Designstudio «Boir» ermöglichen. Wie? Indem sie dich und dein Gegenüber beim Essen auf Abstand hält.

Eine kreisförmige Platte, die von einem Felsen in zwei geteilt wird, und ein T-förmiges Serviergestell, um Schinken zu präsentieren. Objekte wie diese könnten zukünftig die Tische in Restaurants zieren. Sie stammen von den Boir-Gründern Vlatka Leskovar Zidar und Ivan Zidar. Das Design-Duo und Ehepaar glaubt daran, dass geteilte Mahlzeiten Menschen wie kaum ein anderes Ritual zusammenbringen. Deswegen haben sie Lösungen gesucht, die ein Gleichgewicht zwischen Intimität und Sicherheitsabstand während der Corona-Pandemie herstellen sollen.

«Das Teilen von Lebensmitteln beinhaltet eine Taktilität, die aufgrund sozialer Distanzierung und Angst vor körperlichem Kontakt allmählich verloren geht», sagt Vlatka. «Das Ritual, Brot, Aufschnitt, Bissen und Dessert zu teilen, ist ein wesentlicher Bestandteil der Esskultur, und wir wollen es auch unter diesen schwierigen Umständen bewahren.»

Alle für sich

Die Geschirrkollektion besteht aus fünf Objekten. Darunter ist ein Korb für Brot sowie eine Servierplatte für Sushi oder Amuse-bouche. Sie wurde von Hand aus Stahl und Stein hergestellt. Das Design ist zurückhaltend, damit die Lebensmittel im Vordergrund stehen. Es wird von geometrischen Formen geprägt. Felsen bringen mit ihren Rundungen auch organische Formen ins Spiel. Sie sollen an einen Berg, «eine natürliche Barriere», erinnern und beschützend wirken.

The New Normal: eine Kollektion für das kulinarische Erlebnis auswärts und zu Hause. Bild: Nikola Zelmanović.
The New Normal: eine Kollektion für das kulinarische Erlebnis auswärts und zu Hause. Bild: Nikola Zelmanović.
Der Brotkorb (Bread basket) aus Stahl wird durch eine einfache Barriere getrennt. Bild: Nikola Zelmanović.
Der Brotkorb (Bread basket) aus Stahl wird durch eine einfache Barriere getrennt. Bild: Nikola Zelmanović.

Studio Boir hat schon einmal ein Design entwickelt, das die traditionellen Essensrituale wiederbeleben soll. Es ist durch den Salzbehälter bekannt geworden, der das traditionelle Ernten von Meersalz im Mittelmeer erlebbar macht: Salt ahmt den manuellen, mediterranen Ernteprozess von Meersalz nach und ruft zum Selbermachen auf. Seine Formensprache gleicht der des T-förmigen Gestells «Prosicutto-Rack», das eine neue Art darstellt, Schinken zu servieren.

Ein T-förmiges Gestell (Prosciutto rack) und zarte Metallzangen dienen zum Präsentieren und Konsumieren von Delikatessen. Bild: Nikola Zelmanović.
Ein T-förmiges Gestell (Prosciutto rack) und zarte Metallzangen dienen zum Präsentieren und Konsumieren von Delikatessen. Bild: Nikola Zelmanović.
Extra lange Löffel (Dessert for two) schaffen einen Sicherheutsabstand beim gegenseitigen Füttern. Bild: Nikola Zelmanović.
Extra lange Löffel (Dessert for two) schaffen einen Sicherheutsabstand beim gegenseitigen Füttern. Bild: Nikola Zelmanović.

Das Designerpaar arbeitet daran, die konzeptionelle Kollektion mit weiteren Objekten zu ergänzen. Jedoch wird sie Galaxus so schnell nicht ins Sortiment nehmen können. Als limitierte Auflage wird die Reihe The New Normal zuerst in gehobenen Restaurants zu finden sein, wo das «Essen als Theater für die Sinne» behandelt wird. Ein kulinarisches Erlebnis ist aber auch zu Hause möglich. Hier heisst es: geduldig abwarten.

Das handgemachte Geschirr soll das Servieren von Speisen sowohl für Köche als auch für Feinschmecker während und nach der Pandemie kreativer gestalten. Es erhebt nur in der Theorie den Anspruch, vor einer Ansteckung zu bewahren: «Die Barrieren trennen Gerichte diskret und definieren die Abteile für ein Abendessen zu zweit», erklärt Vlatka. «Ihr Zweck ist in erster Linie psychologischer Natur – sie helfen den Benutzern und Benutzerinnen, ihre durch die Pandemie verursachte Angst vorübergehend zu vergessen und sich dem Speiseerlebnis hinzugeben.»

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Pia Seidel
Pia Seidel
Senior Editor, Zürich

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres. – Albert Einstein


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