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Erdmagnetfeld soll Dunkle Materie nachweisen
von Spektrum der Wissenschaft

Eine Sonnenfinsternis bringt die Natur zumindest kurzzeitig etwas durcheinander. Können Pflanzen sie bereits im Vorfeld erahnen und reagieren? Oder ist das Pseudowissenschaft?
Am 25. Oktober 2022 fand eine partielle Sonnenfinsternis über Norditalien statt, in deren zeitlicher Nähe Wissenschaftler um Alesandro Chiolerio vom Technischen Institut Genua ein interessantes Phänomen bei Kiefern in den Dolomiten beobachteten: Bereits 14 Stunden vor dem Ereignis begannen die Bäume ihre bioelektrische Aktivität zu synchronisieren, was die Wissenschaftler als Antizipation des nahenden Hell-dunkel-hell-Zyklus interpretierten, zumal die Aktivität auch während der Sonnenfinsternis anhielt. Dieser Annahme widersprechen nun jedoch Ariel Novoplansky und Hezi Yizhaq von der israelischen Negev-Universität entschieden – und legen eine viel einfachere Erklärung vor: Ein Gewitter habe die Aktivität ausgelöst.
Die beiden Forscher betrachteten dazu die Daten von Chiolerios Team und suchten gleichzeitig nach weiteren Erklärungsmustern wie lokalen Wetterereignissen. Tatsächlich entwickelte sich im Vorfeld der teilweisen Verfinsterung auch ein starkes Gewitter in der Region, bei dem die Temperaturen deutlich fielen, es kräftig regnete und mehrere Blitze im Umfeld der Kiefern einschlugen. In den Augen von Novoplansky und Yizhaq liefert dieses meteorologische Phänomen einen viel besseren Erklärungsansatz als das astronomische. Das Gewitter mit den nahen Blitzeinschlägen hat nach ihrer Ansicht die bioelektrische Synchronisation ausgelöst und nicht die vor Ort relativ schwache Verdunkelung.
«Für mich stellt diese Arbeit das Vordringen der Pseudowissenschaft in den Kern der biologischen Forschung dar», urteilt Ariel Novoplansky. Es sei gut dokumentiert, dass Pflanzen Signale empfangen und darauf reagieren, wenn sich Umweltbedingungen verändern. Diese Art von Reaktion trete jedoch nur auf, wenn das erwartete Ereignis eine erhebliche Herausforderung für die Gewächse darstellt und eng mit vorhersagbaren Hinweisen verbunden ist, etwa zunehmende Konkurrenz durch benachbarte Bäume. Im Falle der Sonnenfinsternis war das Ereignis laut den Forschern jedoch nicht bedeutend genug, als dass die Pflanzen diese vorwegnehmen und darauf reagieren konnten und sollten. Ihre relativ kurze Dauer und schwache Ausprägung verringerte die Lichtintensität weniger als beispielsweise vorüberziehende, grössere Wolken.
Die Daten der beiden israelischen Wissenschaftler zeigten, dass sich die Lichtintensität über die zwei Stunden der partiellen Sonnenfinsternis hinweg nur um 10,5 Prozent reduzierte. Damit war immer noch mehr als genug Sonneneinstrahlung vorhanden, als die Bäume für ihre Fotosynthese nutzen konnten.
Selbst eine grössere Verfinsterung hätte nicht dafür gesorgt, dass die Bäume diese hätten vorhersagen können. Die Sonnenfinsternis war die 53. im Saros-Zyklus 124, einer Abfolge von Finsternissen mit einer Dauer von 18 Jahren, 11 Tagen und 8 Stunden. Chiolerios Team legte dar, dass die bioelektrische Aktivität älterer, grösserer Bäume verglichen zu jüngeren Exemplaren stärker anstiegen. Daraus folgerten sie, dass die älteren Bäume aufgrund ihrer früheren Erfahrungen mit Sonnenfinsternissen mit den jüngeren Bäumen kommunizierten. Auch dem widersprechen Novoplansky und Yizhaq entschieden: Jede Sonnenfinsternis sei bezogen auf Verlauf, Stärke und Dauer einzigartig. Selbst wenn sich ältere Bäume also an frühere Sonnenfinsternisse «erinnern» könnten, wären sie nicht in der Lage, Schlüsse für zukünftige Sonnenfinsternisse daraus zu ziehen.
Angesichts der harschen Kritik am Erklärungsmuster fällt es kaum mehr ins Gewicht, dass die ursprüngliche Studie auf den Daten von nur drei Bäumen und fünf Baumstümpfen basierte. Oder wie Novoplansky es ausdrückt: «Wälder sind bereits so wundersam genug, ohne dass man irrationale, aber oberflächliche, fantastische Behauptungen über vorausschauende Reaktionen oder Kommunikation erfindet, die nur auf einer einfachen Korrelation basieren.»
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