Spielzeugfiguren inszenieren: Ist das schwierig? Ich habe es ausprobiert

Spielzeugfiguren inszenieren: Ist das schwierig? Ich habe es ausprobiert

David Lee
Zürich, am 12.04.2019
Dramatische Szenen im Gewitter, im Inferno oder mit Wunderkerzenschwert: Bei der Inszenierung von Spielzeugfiguren braucht es vor allem gute Ideen. Und Zeit. Als Neuling auf dem Gebiet probiere ich einfach mal drauflos.

Unser Spielwaren-Redaktor Ramon Schneider schickt mir ein Video. Lustige Idee: Da betreibt einer einen Riesenaufwand, um Spielzeugfiguren dramatisch zu inszenieren.

Ich frage mich: Ist das schwierig? Kann ich das auch? Würde ich es sogar besser hinbekommen? Nicht alle Bilder im Video überzeugen mich restlos.

Probieren geht über studieren. Sprengstoff, Pyro, Überflutungen – was kann da schon schiefgehen?

Erster Versuch: Die Krabbe in der Badewanne

Zuerst mal was ganz Einfaches. Eine Inszenierung in der eigenen Wohnung, ohne brennbare Materialien. Im Ernst jetzt: Was kann da schon schiefgehen?

Damit die Szenerie etwas hergibt, verwende ich Wasser. Die Kampfkrabbe soll in einem Unwetter stehen, mit waagrechten Regenströmen oder peitschender Gischt. Kein Problem in der Badewanne.

Mit der einen Hand halte ich die Duschbrause. Gleichzeitig sollte das Wasser beleuchtet werden, damit es überhaupt sichtbar ist. Den Blitz habe ich leider im Büro vergessen. Ich halte mit der zweiten Hand einen Scheinwerfer. Und mit der dritten Hand halte ich die Kamera, denn ein Stativ lässt sich hier nicht richtig positionieren.

Moment mal: Mit welcher dritten Hand? Ich versuche, den Scheinwerfer irgendwo hinzustellen, wo er nicht runterfällt. Gar nicht so einfach. Zudem erinnert mich dieses Setup an den Klassiker tödlicher Haushaltsunfälle: Den Föhn in der Badewanne. Ich steige auf eine harmlose Taschenlampe um. Ich möchte nicht, dass später auf meinem Grabstein steht: «Sorry, bin gestorben, weil ich eine Spielzeugkrabbe in der Badewanne mit einem 400-Watt-Halogenstrahler beleuchten wollte.»

Die Taschenlampe hellt das Wasser aber nicht genug auf. Ich bekomme dennoch zwei, drei brauchbare Fotos hin. Mit der Nachbearbeitung kann ich das Ergebnis noch deutlich verbessern. Fürs Erste gar nicht schlecht, aber das müsste noch besser gehen.

Zweiter Versuch: Krabbe in der Badewanne am Abend

Gegen neun Uhr, es ist schon dunkel, nehme ich einen zweiten Anlauf. Das Taschenlampenlicht ist in der Dunkelheit besser sichtbar und schafft eine dramatische Stimmung.

Dieses Mal mache ich keine halben Sachen: Ich hänge die Duschbrause in die Halterung und lasse einen Strahl in Richtung Krabbe regnen. Damit der bis zur Krabbe reicht, muss er richtig stark sein.

Das Bild ist doch vielversprechend! Nun das Wasser noch mehr aufdrehen und besser beleuchten. «Das kommt gut», denke ich aufgeregt – und werde im selben Moment kalt geduscht. Durch den starken Wasserstrahl hat sich die Brause zur Seite gedreht und zeigt jetzt genau auf mich. Ich bin klatschnass, wie auch der Wäschekorb, die Kamera und überhaupt das ganze Bad.

Das macht Lust auf mehr.

Dritter Versuch: Das Spiel mit dem Feuer

Im Video ist Jared Middleton ständig mit Feuerwerk, Rauchbomben oder Schwarzpulver am Herumzeuseln. Das verspricht Spektakel, scheint mir aber schwierig nachzuahmen: Die Action dauert immer nur einen kurzen Moment, und die Anzahl der Versuche ist stark eingeschränkt. Ich müsste also von Beginn weg genau wissen, was ich tue. Um erste Erfahrungen mit Feuer und Rauch zu sammeln, erscheint es mir viel besser, ein Feuer am Waldrand zu machen.

Einfach eine Figur vors Feuer stellen, bringt schon recht gute Bilder. Der Lava Golem ist in seinem Element.

Das Stativ habe ich dabei, brauche es aber nicht. Ich kann mit 100 ISO aus der freien Hand knipsen. Dabei verwende ich eine voll offene Blende, um den Hintergrund unscharf zu gestalten. Wie ich später am Computer feststelle, habe ich allerdings unterschätzt, wie genau der Fokuspunkt stimmen muss. Bei zahlreichen Bildern sind nicht die Augen der Figur scharf, sondern irgendein anderer Körperteil. Das passiert im Nahbereich bei offener Blende sehr leicht.

Hier stimmt der Fokus fast, aber nicht ganz. Blende 1.8 ist zu gross.
Hier stimmt der Fokus fast, aber nicht ganz. Blende 1.8 ist zu gross.

Etwas längere Belichtungszeiten würde es locker vertragen. Wenn nur einzelne Flammen züngeln, bleiben sie bei einer Verschlusszeit kürzer als 1/250 Sekunde oft unsichtbar. Bei einem Riesenfeuer wäre das anders, aber dann gibt’s ein kleines Problem mit der Hitzeentwicklung. Ich hatte schon so Angst, dass ich Luca Fontanas geliebten Stormtrooper aus Versehen abfackle. Er hat das Inferno aber überlebt.

Bei meinen nächsten Fotos stelle ich die Figur nicht mehr vor das Feuer, sondern halte sie mit Daumen und Zeigefinger ins Bild. Ich muss zwar einhändig fotografieren, doch so habe ich mehr Freiheiten bei der Bildgestaltung. Da ich erst nach längerer Zeit auf diese Idee komme, bin ich froh, dass ich mit dem Feuer viel mehr Zeit habe, als ich es mit Feuerwerk gehabt hätte.

Wo Feuer ist, ist auch Rauch

An der Feuerstelle versuche ich natürlich auch, möglichst dramatische Szenen mit Rauch zu kreieren. Es ist jedoch nicht einfach, den Rauch gut sichtbar zu machen. Meine Versuche mit dem Blitzgerät nachzuhelfen, scheitern kläglich. Ein paar Bilder – ohne Blitz – sind aber brauchbar. Auch hier hole ich mit der Nachbearbeitung noch einiges heraus. In Lightroom ist in diesem Fall der Regler «Klarheit» sehr wirksam.

Letzter Versuch: Feuerwerk light

In Supermärkten kannst du Feuerwerk nur vor dem 1. August und Silvester kaufen. Zu jedem anderen Zeitpunkt musst du in einen speziellen Feuerwerk-Shop. Die Zusendung per Post läuft bei den meisten Produkten unter Gefahrengut, der Versand ist daher sehr teuer.

Weil ich nicht weiss, welche Feuerwerkskörper wie genau zu guten Fotos führen würden, schiebe ich die Bestellung hinaus. Stattdessen kaufe ich im Supermarkt ein paar Wunderkerzen. Da ist es egal, wenn nichts draus wird.

Die Wunderkerzen an sich sehen auf den Fotos ganz hübsch aus. Aber ich finde es schwierig, eine passende Inszenierung dafür zu finden. Das kann es ja wohl nicht sein:

Der Hintergrund sollte bei diesen Aufnahmen möglichst dunkel sein. Ich dunkle ihn in Lightroom durch den «Schwarz»-Regler noch weiter ab. Die Wunderkerze als Laserschwert für Luke Skywalker passt schon besser. Allerdings müsste er das «Schwert» mit beiden Händen halten. Mit diesem Gummitöggel geht das leider nicht.

Fazit: Macht Spass und lässt sich ausbauen

Ich hätte noch viel mehr machen können, aber irgendwann musste der Beitrag fertig werden. Richtiges Feuerwerk, spezielle Rauchbomben für Foto-Sessions, Nebelmaschinen, Szenen mit mehreren Figuren – die Möglichkeiten sind endlos. Die Fehler, die du dabei machen kannst, auch. Aber wenn ein Plan funktioniert , wirst du für deine Mühen belohnt.

Mir hat es grossen Spass gemacht. Ein solches Projekt fordert mich auf allen Ebenen, von der Gestaltung der Szene bis zu den richtigen Kameraeinstellungen. Erfahrungen sammeln, aus Fehlern lernen, und am Schluss ein sichtbares Resultat – das ist total motivierend.

Es gibt nicht das eine Rezept für den Erfolg. Was du brauchst, ist Zeit, Geduld, Beharrlichkeit und Experimentierfreude. Jared Middleton treibt seine Passion immer weiter und hat mittlerweile einige Bilder gemacht, die ich viel besser finde, als die im Video. Zu bewundern auf seinem Instagram-Account sirdork730.

Jared Middleton, instagram.com/sirdork730
Jared Middleton, instagram.com/sirdork730
Jared Middleton, instagram.com/sirdork730
Jared Middleton, instagram.com/sirdork730

Egal, welche Skills und welches Equipment du mitbringst: Tolle Fotos mit Spielzeugfiguren kannst auch du machen, wenn du bereit bist, die nötige Zeit zu investieren und viel auszuprobieren.

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David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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