Sonos vs Google: Teilerfolg für Sonos

Sonos vs Google: Teilerfolg für Sonos

Livia Gamper
Zürich, am 18.08.2021
Google hat fünf Patente von Sonos verletzt. Das hat ein Richter vorerst entschieden. Bei einer Verurteilung könnte ein Verkaufsstopp für Google-Geräte drohen.

Ein Richter der Internationalen Handelskommission der USA – der US International Trade Commission (ITC) – hat in einer ersten Instanz entschieden, dass Google die Patente des Lautsprecher-Spezialisten Sonos verletzt hat. Im Streit geht es hauptsächlich um die intelligenten Lautsprecher. Der Entscheid wird nun geprüft.

Am 13. Dezember fällt die ITC ihr definitives Urteil.

Was bisher geschah

Sonos ist seit Januar 2020 in ein juristisches Hin und Her mit Google verwickelt. Dabei geht es um verschiedene Google-Geräte wie die Pixel-Smartphones und die vernetzten Netz-Lautsprecher.

Wie ist es dazu gekommen? Um die Google-Dienste mit den Sonos-Lautsprechern kompatibel zu machen, konnte Google die Baupläne von Sonos schon im Jahr 2013 einsehen. In diesen Bauplänen sind Technologien zur synchronen Audio-Wiedergabe zwischen mehreren Geräten, zur Lautstärkeregelung sowie der WLAN-Anbindung vermerkt. Google habe die Technik von Sonos dank diesen Einblicken kopieren können, so der Vorwurf.

In Deutschland konnte Sonos im Mai dieses Jahres bereits eine Verfügung erreichen, in der der Verkauf von Produkten mit der Google-Cast-Technologie verboten wurde. Davon betroffen sind das Smartphone Pixel 4a, und der Lautsprecher Nest Audio. Google verkaufte die Geräte dennoch weiter online.

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Was würde die Bestätigung des ITC-Urteils bedeuten?

Bei Patentverletzungen kann die ITC die Einfuhr von Waren in die USA verbieten. Da Google viele der Geräte in Asien produziert, drohen deshalb weitreichende Verkaufsstopps. Auch Smartphones und Chromecast-Streamings-Sticks könnten betroffen sein; das grosse Weihnachtsgeschäft wäre für Google in Gefahr.

Seit Bekanntwerden des Entscheides der ITC legte die Sonos-Aktie um 4,6 Prozent zu. Der Audio-Spezialist Sonos fordert eine finanzielle Entschädigung sowie ein Verkaufsverbot von Google-Lautsprechern, -Smartphones und -Laptops in den USA. Es ist nicht das erste Mal, dass Sonos gegenüber Google solche Forderungen stellt.

Google klagt zurück

Der Suchmaschinen-Gigant meldet unterdessen, dass sie mit den Technologien keine Patente aus dem Hause Sonos verletzen und deshalb eine Gegenklage einreichen würden. Ebenfalls mit dem Vorwurf von Patentverletzungen.

Im Juni letzten Jahres reichte Google bereits eine Klage gegen Sonos ein. Darin behauptet Google, dass Sonos die patentierte Technologie des Konzerns für Software, Netzwerke, Suche, Audioverarbeitung, Verwaltung digitaler Medien und Streaming nutze, ohne eine Lizenzgebühr zu zahlen.

Eigene Sonos Voice Control?

Für Sonos kommt die Nachricht, dass sie in erster Instanz gegen Google gewonnen haben, zu einem guten Zeitpunkt. Denn der Audio-Spezialist hat laut mehreren Berichten eine Kundenumfrage durchgeführt, um herauszufinden, ob Kunden einen weiteren Sprachassistenten nutzen würden. Viele Sonos-Geräte haben den Google Assistant sowie Amazons Alexa integriert.

Gerüchten zufolge möchte Sonos einen eigenen Sprachassistenten etablieren. Dieser heisse Sonos Voice Control und würde wohl Ähnliches beherrschen wie die jetzigen Sprachassistenten.

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Der Klagen-Krimi geht weiter

In einer Erklärung an The Verge lässt Sonos verlauten, dass diese ersten Urteile nur ein Beginn in einem grossen Kampf seien. Sonos wolle sich gegen den Big-Tech-Monopolist verteidigen und beabsichtigte, Google in weiteren Fällen der Patentverletzung zu verklagen.

Auch andere Konkurrenten wurden bereits von Sonos verklagt. So reichte das Unternehmen im Jahr 2019 eine Klage gegen Bluesound ein. Dabei ging es um über 100 Patentverletzungen. Auch Denon musste bereits dran glauben, einigte sich mit Sonos im Jahr 2018 aber aussergerichtlich. Dort ging es um die Denon HEOS Multiroom-Systeme. Auch Amazon wurde im letzten Jahr beschuldigt, mit den Echo-Lautsprechern gegen die Sonos-Patente zu verstossen, Sonos wolle das rechtliche Vorgehen aber zunächst auf Google konzentrieren.

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Livia Gamper
Livia Gamper

Junior Editor, Zürich

Experimentieren und Neues entdecken gehört zu meinen Leidenschaften. Manchmal läuft dabei etwas nicht wie es soll und im schlimmsten Fall geht etwas kaputt. Ansonsten bin ich seriensüchtig und kann deshalb nicht mehr auf Netflix verzichten. Im Sommer findet man mich aber draussen an der Sonne – am See oder an einem Musikfestival.

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