Hintergrund

So mistest du deine USB-Kabel aus

David Lee
16.3.2026
Bilder: David Lee

Hast du wie ich zu viele USB-C-Kabel? Dann wäre es sinnvoll, nur wenige zu verwenden und den Rest auszusortieren. Die besten Kabel ausfindig zu machen, ist aber nicht immer einfach.

Mit jedem neuen Gerät kommt ein neues USB-Kabel. So sammeln sie sich im Lauf der Zeit an. Praktischerweise sind es heute immer USB-C-Kabel, das heisst, jeder Stecker passt in jede Buchse. So gesehen wäre es möglich, für alles die gleichen zwei oder drei Kabel zu verwenden.

Leider gibt es völlig verschiedene Arten von USB-C-Kabeln, die unterschiedlich schnell laden und Daten übertragen. Von gar keiner Datenübertragung bis zu Highspeed ist alles möglich, und auch bei den Ladegeschwindigkeiten gibt es krasse Unterschiede. Vielfach sieht man einem Kabel nicht an, was es kann.

Damit eine bestimmte Geschwindigkeit beim Laden oder Übertragen von Daten zustande kommt, müssen sowohl die Anschlüsse an beiden Enden als auch das Kabel den entsprechenden Standard unterstützen. Ansonsten fällt die Leistung auf die nächsttiefere Stufe, die von allen Teilen unterstützt wird. Das Kabel sollte somit niemals das schwächste Glied in der Kette sein.

Man könnte annehmen, dass ein mitgeliefertes Kabel für das jeweilige Gerät ausreichend ist. Leider stimmt das nicht immer. Beispiel Apple: Dem iPhone Pro liegt ein Kabel mit USB-2-Geschwindigkeit (480 Mbit/s) bei, obwohl dieses Smartphone viel höhere Datenraten (10 Gbit/s) übertragen kann.

Du hast bei dir zu Hause mehrere, vielleicht sogar Dutzende von USB-Kabeln herumliegen. Wie findest du nun heraus, welches Kabel wofür taugt?

USB-C auf USB-A: weg damit!

Zum Lieferumfang von Geräten gehört oft ein Kabel, das am einen Ende USB-C und am anderen USB-A hat. Diese Kabel leisten wahrscheinlich für das betreffende Gerät genug, doch sie stossen relativ schnell an Grenzen und sind als «Kabel für alles» ungeeignet. Verwende wenn immer möglich Kabel, die an beiden Enden USB-C haben.

Der Grund dafür ist, dass USB-A grundsätzlich limitiert ist. Typ-A-Stecker mit weissem oder schwarzem Balken unterstützen nur USB 2.0. Solche mit blauem Balken immerhin USB 3 – und damit 5 oder 10 Gbit/s.

Auch beim Laden kannst du nicht viel erwarten. Abgesehen von speziellen Power-Delivery-Modellen schafft ein USB-A-Kabel nur 5 Volt und 3 Ampere, also 15 Watt. Ein hundsgewöhnliches USB-C-Kabel schafft dagegen bereits 60 Watt.

Zwei USB-A-Stecker: Blau unterstützt mindestens USB 3, weiss nur USB 2.
Zwei USB-A-Stecker: Blau unterstützt mindestens USB 3, weiss nur USB 2.

USB-Bezeichnungen aus der Hölle

Für die reinen USB-C-Kabel müssen wir uns leider etwas genauer mit USB-Versionen befassen. Die sind ein echtes Ärgernis. Bezeichnungen wie «USB 3.2 Gen 2×2» wären an sich schon verwirrend genug, aber der Organisation USB-IF reichte das offenbar nicht. Sie fing an, USB-Versionen im Nachhinein zu ändern, so dass USB 3.0 zu USB 3.1 Gen 1 und später zu USB 3.2 Gen 1×1 wurde. Das hat zur Folge, dass man nicht immer weiss, was gemeint ist, wenn man irgendwo «USB 3.1» liest. Für «USB 3.2» gilt das sogar immer, denn das müsste genauer spezifiziert werden, damit du weisst, was ein Kabel wirklich kann.

Bei den angegebenen Geschwindigkeiten handelt es sich um theoretische Höchstwerte, die in der Praxis nie erreicht werden. Sie sind vor allem nützlich, um die Versionen untereinander zu vergleichen.

Für die Ladegeschwindigkeiten gibt es einen separaten Standard namens USB Power Delivery (PD). Dessen Versionsnummern sind unabhängig vom USB-Standard. Die Version USB PD 3.0 hat also nichts mit USB 3.0 zu tun.

Das bedeutet auch: Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen der USB-Version und der Ladeleistung. Das Apple-Kabel mit USB 2.0 und lausiger Datenrate lädt zum Beispiel mit bis zu 240 Watt, was ein Spitzenwert ist.

Und dann wäre da noch Thunderbolt. Das ist ein eigenes Übertragungsprotokoll und hatte ursprünglich nichts mit USB zu tun. Seit Version 3 verwendet Thunderbolt jedoch USB-C als Stecker. USB4 baut zwar auf Thunderbolt auf, doch bei der Rückwärtskompatibilität gibt es versteckte Fallen. Dazu komme ich noch.

Beschriftungen auf den Kabeln

Manche Kabel sind zum Glück beschriftet. Thunderbolt-fähige USB-Kabel haben normalerweise ein Blitz-Symbol und eine Zahl wie «4» oder «5» drauf, welche die Thunderbolt-Version angibt. Der Thunderbolt-Standard hat relativ strenge Mindestanforderungen und benötigt zwingend eine Zertifizierung, so dass diese Beschriftung tatsächlich etwas wert ist.

Thunderbolt-4-Kabel sind in der Regel eindeutig angeschrieben.
Thunderbolt-4-Kabel sind in der Regel eindeutig angeschrieben.

Ältere Kabel tragen manchmal die Bezeichnung «SS». Das steht für Superspeed und besagt, dass das Kabel mindestens die Geschwindigkeit von 3.2 Gen 1×1 (früher USB 3.0) erreicht. Das wären 5 Gbit/s. Es können aber auch mehr sein. Manchmal ist dies mit einem Plus gekennzeichnet, manchmal gar nicht. Das Plus steht für 3.2 Gen 2×1 (früher USB 3.1) und somit 10 Gbit/s.

Beide Geschwindigkeiten sind aus heutiger Sicht nicht mehr so super, aber immerhin deutlich schneller als USB 2.0. Auch beim Superspeed-Logo wurde im Lauf der Zeit das Schema geändert. So gibt es auch SS-Beschriftungen mit einer Zahl wie 5, 10 oder 20 – diese gibt die Datenrate in Gbit/s an.

SS steht Superspeed, doch es ist nicht immer eindeutig, was das heisst.
SS steht Superspeed, doch es ist nicht immer eindeutig, was das heisst.

Seit 2024 werden USB-Kabel zunehmend auf eine Art und Weise beschriftet, die auch ohne Spezialkenntnisse verständlich ist. Hier stehen nämlich Datenrate und Ladegeschwindigkeit direkt auf dem Kabel. Nach wie vor haben jedoch viele Exemplare im Handel keine solche Beschriftung. Darunter (hüstel) auch unsere eigenen digitec-Kabel.

Wozinsky USB C — USB C (2 m, USB 4.0, 240 W)
USB Kabel
CHF13.90

Wozinsky USB C — USB C

2 m, USB 4.0, 240 W

Recherche im Netz

Bei manchen Kabeln steht das Logo oder der Herstellername drauf oder du weisst aufgrund des Aussehens, zu welchem Gerät es gehört. Bei meiner Kamera steht zum Beispiel die Marke auf dem Kabel und der Hersteller gibt auch an, welches Kabelmodell es ist. Daher kann ich die Spezifikationen im Web nachsehen. Falls du nicht mehr sicher bist, um welches Gerät oder Kabel es sich genau handelt, hilft die Suchfunktion im Bestellarchiv von digitec oder Galaxus weiter.

Die Kabel in meinem Haushalt, die ich so eindeutig bestimmen kann, lassen sich aber an einer Hand abzählen. Bei den übrigen ist nicht klar, woher sie stammen – oder es ist zwar klar, hilft mir aber nicht weiter. In diesen Fällen sind andere Methoden nötig.

Verbindungen am Computer anzeigen

Am Computer lassen sich Infos zu bestehenden USB-Verbindungen anzeigen. Am Mac zeigt die mitgelieferte App «Systeminformationen», welche Anschlüsse welche USB-Versionsnummer und -Geschwindigkeit aufweisen. Mehr Informationen, etwa auch über die Ladegeschwindigkeiten, gibt die App «USB Connection Information», die 4 Franken respektive 5 Euro kostet. Sie zeigt USB-Version, Geschwindigkeit, Ladestandard und weiteres in einem Menü an. Die Anzeige ist frei konfigurierbar.

USB Connection Information präsentiert nützliche Informationen auf übersichtliche Art.
USB Connection Information präsentiert nützliche Informationen auf übersichtliche Art.

Für Windows gibt es zum Beispiel die Freeware «USB Device Tree Viewer». Sie zeigt eine grosse Fülle an Informationen an, darunter USB-Version, höchstes Tempo oder Strommenge.

USB Device Tree Viewer ist aus einem Microsoft-Tool abgeleitet, bei dem Microsoft den Source Code freigegeben hat.
USB Device Tree Viewer ist aus einem Microsoft-Tool abgeleitet, bei dem Microsoft den Source Code freigegeben hat.

Um ein Kabel zu testen, muss dieses zwei Geräte verbinden, die allerhöchste Standards erfüllen. Nur dann zeigen dir die Tools überhaupt einen Unterschied an, wenn du ein besseres Kabel angeschlossen hast. Schliesse die Geräte für den Test immer direkt an den Computer an, nie über einen USB-Hub.

Selbst dann kann die Methode in die Irre führen. Vor allem bei Macs. Die Anschlüsse an den neueren Geräten unterstützen zwar Thunderbolt 4 und USB 4, nicht aber USB 3.2 Gen 2x2. Daher kommt die Geschwindigkeit nicht über USB 3.1 (= 3.2 Gen 2×1) hinaus, wenn nicht Thunderbolt 4 oder USB 4 von allen Teilen unterstützt werden.

Reale Geschwindigkeit messen mit Benchmark-Tool

Dasselbe gilt für Benchmark-Tools. Ein Tool wie CrystalDiskMark liest und schreibt Testdaten auf ein angeschlossenes Speichergerät und zeigt dir die reale Datenrate an. So siehst du den effektiv erreichten und nicht bloss den theoretischen Wert. Auch hier erkennst du aber nur unterschiedliche Datenraten pro Kabel, wenn SSD und Computer sämtliche schnellen Standards unterstützen. Die Einschränkungen für Macs gelten deshalb genau gleich. Zudem darf die SSD nicht überhitzt oder fast voll sein.

AmourphousDiskMark ist ein Benchmark-Tool für den Mac.
AmourphousDiskMark ist ein Benchmark-Tool für den Mac.

Real gemessene Werte sind immer wesentlich tiefer als das, was laut Spezifikationen theoretisch möglich ist.

USB-Kabeltester: leider keine Abkürzung

Bevor ich diesen Beitrag schrieb, dachte ich, ein spezielles Testgerät für USB-Kabel sei die Lösung. Einfach ein USB-Kabel ans Messgerät anschliessen, und schon zeigt es dir Datenrate, USB-Version und Ladegeschwindigkeit an.

So einfach ist es leider nicht. Dieses Gerät misst den Strom, nicht aber die Datenrate. Es kommt zwischen das Ladegerät und das Kabel, an dem du das zu ladende Gerät anhängst. Daraufhin zeigt dir das Messgerät Volt, Ampere und Watt an. Wobei nur die Volt-Angabe fix ist – Ampere und Watt hängen vom Ladestand des Akkus ab.

Wie gesagt ist das Kabel bei der Stromversorgung nur in Ausnahmefällen die Schwachstelle. Ein normales USB-C-Kabel schafft bereits 60 Watt respektive 20 Volt – nur wenn mehr benötigt wird, braucht es speziell leistungsfähige Kabel. Ich besitze gar kein Gerät, das beim Aufladen mehr als 60 Watt ziehen kann.

Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen der USB-Version und der Ladeleistung.

Die Testplatine von Treedix untersucht, welche Pins des Steckers aktiv sind. Daraus lassen sich Rückschlüsse ziehen, was für eine USB- oder Thunderbolt-Version das Kabel nutzt – und auch, ob es noch korrekt funktioniert. Eine Ermittlung der effektiven Datenraten ist damit aber nicht möglich. Das gilt auch für den zweiten im Video vorgestellten Tester. Er unterscheidet sich hauptsächlich durch den höheren Preis und dadurch, dass er die Ergebnisse schöner und verständlicher darstellt.

Fazit: Die schlechtesten Kabel sind leicht gefunden

Die USB-Verbindung, egal ob für Strom oder Daten, ist immer nur so gut wie ihr schwächstes Glied. Kabel, die am einen Ende noch USB-A haben, solltest du nur noch aus Kompatibilitätsgründen behalten. Vor allem, wenn sie keinen blauen Balken haben – dann unterstützen sie nur USB 2.

Durch Inspektions- und Benchmarktools lassen sich die «faulen Eier», nämlich USB-2-Kabel oder solche ganz ohne Datenübertragung, einfach aussortieren. Schwieriger wird es bei der Unterscheidung zwischen guten und sehr guten Kabeln. Du brauchst dann an beiden Enden Geräte, die alle leistungsfähigeren Standards unterstützen. Macs sind für solche Tests ungeeignet. Dort läuft die schnelle Übertragung über Thunderbolt, und Thunderbolt-Kabel sind aussagekräftig beschriftet.

Im Moment ist die Situation mit den verschiedenen USB- und Thunderbolt-Versionen extrem verwirrend. Doch es besteht Hoffnung, dass es in Zukunft besser wird. Die Kompatibilitätsprobleme zwischen Thunderbolt und USB werden geringer, und zugleich scheinen sich sinnvolle Beschriftungen direkt auf dem Kabel langsam durchzusetzen.

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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