
Schnelle Kisten, wilde Strecken: «Star Wars: Galactic Racer» im Test
Die Idee ist nicht neu: Ein Rennspiel im «Star Wars»-Universum. Über 20 Jahre nach «Episode 1: Pod Racer» kommt nun «Galactic Racer». Wie gut ist das Rennspiel aus der Zukunft?
Das Imperium ist Geschichte. Pod-Rennen gibt es schon lange nicht mehr. Als Gesichtsloser Rookie Shade versuche ich in der intergalaktischen Rennserie Fuss zu fassen. Mit dabei: meine affenartige Mechanikerin Hibi. Dank schottischem Akzent in hoher Stimme streitet sie sich mit Claptrap aus Borderlands um den Titel «nervigster NPC».

Um überhaupt an den Start gehen zu können, geht Shade einen shady Deal mit Darius Pax ein. Er leitet die Rennserie und ist damit der Gianni Infantino des intergalaktischen Rennsports. Ob das nur gut gehen kann …?
ACHTUNG, SPOILER!!!!!
Kann es nicht. Logisch.
Die Story von «Galactic Racer» ist vorhersehbarer als die Red-Bull-Dominanz in der Formel-1-Saison 2023. Die drei Akte der Story dienen gleichzeitig als in sich geschlossene Rennsaisons. Ich reise von Planet zu Planet, bestreite dort verschiedene Rennen, treffe unbekannte Gesichter oder teste neue Fahrzeuge. Die einzelnen Rennen kann ich nicht neu starten, sollte ich ins Hintertreffen gelangen. Erleide ich zu viele Defekte oder scheide ich beim Eliminator-Rennen aus, bei dem die hinterste Person rausfliegt, muss ich einen meiner ultra raren Token abgeben. Das sind die Eintrittstickets für die Rennserie.

Akt 1: Was zur Hölle?
Der Einstieg ist schwer, so viele Dinge gibt es zu entscheiden:
Drei Gefährte stehen zur Auswahl, über ein Dutzend «Piloten-Stile» für vorinstallierte Fähigkeiten (Waffe, Schild, Turbo), Verbesserungen in Form von Teilen und «Gefallen» von NPCs für Boosts.
Klingt kompliziert? Ist es anfangs auch. «Galactic Racer» erklärt mir nicht viel und lässt mich einfach drauflos rasen. Schlagwörter wie «Lüftung», «Energie» oder «Nachbrenner» überfordern. Zum Glück gibt es immer kurze Erklärungen. Trotzdem: Der Anfang hat mich frustriert. Plötzlich leuchtet der Bildschirm und es kreischen die Alarme. Warum? Keine Ahnung. Nach ein paar Runs pendelt sich das ein. Weitere Schlagwörter wie «Überspannung» oder «gekühlt» ergeben plötzlich Sinn. Und jetzt beginnt der Spass.
Akt 2: Now this isn’t Podracing!
Nach der ersten Eingewöhnungsphase begreife ich die verschiedenen Mechaniken. Etwa das Doppel-Turbo-System, das ich auf Knopfdruck zuschalten kann: Der Nachbrenner gibt mir zusätzlich Schub, ohne ein Risiko einzugehen. Der Ramjet ist mächtiger, aber risikobehaftet. Bleibe ich zu lange auf der Turbotaste, komme ich in den roten Bereich, danach fliegt mir mein Gefährt um die Ohren. Der Clou: Der rote Bereich gibt mir noch einmal extra Schub. Durch Upgrades kann ich die rote Zone verlängern oder noch mehr Schub generieren. Grosses Risiko birgt grossen Ertrag.
Das brauche ich. Nur so lässt sich der Hauptkonkurrent Kestar Bool auf der Rennstrecke besiegen. Und selten will ich einen Gegner so fest fertigmachen wie diesen geschliffenen, arroganten Ausnahmepiloten. Während des Rennens verhöhnt er mich, nach dem Rennen passt er mich im Paddock ab und verteilt mir verbale Kinnhaken. Und zu Beginn fährt er mir um die Ohren. Mein Fahrzeug ist schlicht zu schwach. Gewinne ich das letzte Rennen nicht, muss ich noch einmal von vorne beginnen. Mit neuem Untersatz und mit ein paar wenigen, fix installierten Upgrades.

Statt durch sterile Menüs zu klicken, kann ich zwischen den Rennen im Paddock herumlaufen, mit NPCs sprechen, Sponsorenverträge annehmen und meinen Racer mit Upgrades versehen. Das ist stimmungsvoll und überträgt sich direkt auf die Rennstrecke. Vor dem Rennen heulen die Motoren, in einem Minispiel aktiviere ich durch das Drücken der richtigen Tastenreihenfolge meine Module. Und für den perfekten Start muss ich das Gaspedal dosieren. Dann folgt Science-Fiction-Rennaction, wie ich sie seit «Wipeout XL» auf der Playstation nicht mehr erlebt habe.
Die wunderschön gestaltete Landschaft rast nur so vorbei, lange Geraden und weite Ebenen wechseln sich ab mit mäandernden Tunnelsektionen. Die Rennstrecken auf sechs verschiedenen Planeten fühlen sich komplett unterschiedlich an: Hier gefriert Eis meinen Motor, da überhitzt Lava das Gefährt. Die Sonne blendet mich in der Wüste, Salzstaub wirbelt auf Crait herum und versperrt mir die Sicht.

Diese Eigenarten der Planeten haben auch Einfluss auf meine Entscheidungen: Optimiere ich meinen Racer falsch, überhitzt er möglicherweise in der Wüstenlandschaft von Jakku zu schnell oder nimmt zu viel Schaden durch Säuretümpel auf dem Industrie-Planeten Sentinel I. Das perfekte Gefährt gibt es nicht, ich muss immer Kompromisse eingehen. Das beginnt schon bei der Auswahl: Landspeeder sind bullige Gefährte, die sich hervorragend zum Wegrammen eignen, aber in den Kurven langsam sind. Speeder Bikes sind schnell und wendig, aber höchst fragil.

Skimspeeder sind ein Zwischending. Alle drei Gefährte können enge Kurven auf Knopfdruck bewältigen. Mal durch Driften bei Landspeedern, mal durch eine besondere Bremse bei Speeder Bikes, die dann mit extra Power aus der Kurve beschleunigen. Meine Lieblingswaffe für enge Kurven ist der Skimspeeder, der sich querstellen und wie auf Messers Schneide durch die Kurven steuern lässt, wobei Korrekturen dann nicht möglich sind. Auch hier: Risiko und Ertrag. Und dann gibt es doch auch Podracer … Was es mit denen auf sich hat, musst du selbst erfahren in der Sidestory mit diesem sympathischen Gesellen:

Akt 3: Ich will mehr!
So flitze ich durch die drei Akte und mache gehörig Krach. Das Sounddesign von «Galactic Racer» ist etwas vom Besten und Stimmungsvollsten, das ich je in einem Rennspiel gehört habe. Hier knattern die Motoren, heulen die Jets und rumpeln die Fehlzündungen. Einziger Kritikpunkt: die Musik. Das ikonische John-Williams-Orchester-Gedudel passt nicht richtig zur Action. Das ist der prägende Einfluss des «Wipeout»-Soundtracks, der mich Ende der 90er vom Hip Hop weg in die elektronische Musik gezogen hat, keine Frage.
Bei aller Liebe zu «Galactic Racer» verfliegt die Begeisterung leider nach einer gewissen Zeit. Was zu Beginn überwältigt, ist bald repetitiv. Ich wünschte mir mehr Planeten und mehr gewichtige Upgrades. Klar, es gibt mehrere Waffen, Boosts, den viel zu mächtigen Autopiloten und damit etwas Abwechslung. Doch irgendwie lande ich immer bei ähnlichen Kombinationen, die sich zu wenig unterscheiden. Auch die schön designten Strecken sind mit der Zeit zu eintönig. Mehr Strecken wären wünschenswert.

Ob der Multiplayer-Modus die Motivation hochhalten kann, muss sich zeigen. Splitscreen für Action am gleichen Bildschirm gibt es schonmal nicht. Schade.
So erfreue ich mich nach drei Akten daran, dass es mal wieder einen richtig guten Science-Fiction-Racer gibt mit einem frischen Konzept, der mit mehr Strecken und gewichtigeren Upgrades Perfektion erreichen könnte.
«Star Wars: Galactic Race» gibt es für PC, XBox und Playstation 5. Meine Testversion wurde mir von EA zur Verfügung gestellt.
Fazit
Danke! Endlich sind Sci Fi-Racer sind zurück!
Pro
- rasantes Tempo
- motivierender Karrieremodus
- grossartige Soundeffekte
- viele Upgrades
Contra
- zu wenige Strecken
- Upgrades wirken oft identisch
- kein Splitscreen
- unpassender Soundtrack
Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell.
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