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Saisonale Spezialität: Wie mir der Pullunder Hunger auf den Herbst macht

Laura Scholz
20.09.2022

Das Konzept Pullunder war mir lange nicht klar. Inzwischen habe ich es durchschaut und freue mich auf seine Hochsaison. Denn die ist: jetzt!

Es ist eigentlich ganz logisch: Genau wie bei seinem grossen Bruder, dem Pullover, dessen Name sich aus den englischen Begriffen «pull» und «over» zusammensetzt, verdankt der Pullunder seinen Namen der Kombi aus «pull» und «under».* Wie gesagt, naheliegend. Trotzdem war ich erstens viel zu alt und zweitens mind-blown, als ich diesen Fakt zum ersten Mal realisierte.

*Beide Begriffe sind natürlich eingedeutscht. Im Englischen suchst du nach Pullover und Pullunder vergebens. Fündig wirst du bei «Sweater» und «Sweater Vest».

Man(n) zog ihn also drunter, den Pull-Under. Und zwar unters Jackett. Da nahm er, dank der nicht vorhandenen Ärmel, weniger Raum in Anspruch als ein Pullover und liess so mehr Bewegungsfreiheit und weniger stauchend drängelnden Stoff zu. Eine klassische Win-win-Situation. Trotzdem war mir der Pullunder lange suspekt. Halb Pulli, halb Weste, jedoch ohne das jeweils entscheidende Feature – Ärmel und Knopfleiste. Auch das Rätsel der meteorologischen Voraussetzungen wollte sich mir partout nicht erschliessen: Wann ist mir so kalt, dass ich über mein T-Shirt einen Pullover streifen möchte, aber noch so warm, dass die Arme bitte an der Luft bleiben sollen? Egal, denn das Strickteil hatte ohnehin etwas spiessiges, nerdiges an sich, das in meinem Hirn mit Grossvätern, Golfspielern und Geschäftsmännern verknüpft war. Daran konnte nicht mal Alicia Silverstone aka Cher Horowitz in «Clueless» etwas ändern, die mir Ende der Neunziger den Pullunder erstmals als etwas modisches feminines servierte.

Meine erste modische Pullunder-Berührung: Alicia Silverstone in «Clueless».
Meine erste modische Pullunder-Berührung: Alicia Silverstone in «Clueless».
Bild: Instagram @cher.horowitz.clueless

Nein, es brauchte noch ein paar Jahrzehnte, Menschen und Brands, um mich von den Vorzügen des ärmellosen Pullovers – oder sollte ich sagen, der knopflosen Weste? – zu überzeugen. Tyler, The Creator, Harry Styles, Emma Chamberlain, Ganni und Acne Studios haben es aber geschafft: Ich bin auf Opa-Chic gepolt und daher ehrlicherweise nicht nur traurig, dass sich der Sommer langsam dem Ende neigt. Denn, und auch das habe ich in der Zwischenzeit gelernt, was jetzt kommt, ist meteorologisch das ideale Zeitfenster für den Pullunder. Irgendwo zwischen Spätsommer und Frühherbst, wenn Sonne und Wolken sich noch nicht ganz einig sind, wer jetzt die meiste Sendezeit bekommt, die Temperaturen unsicher zwischen schon-noch-warm und doch-ein-bisschen-kühl pendeln und der Mensch so gerne zu seiner ominösen Übergangsjacke greift.

Tyler, The Creator ist cool. Genau wie sein Pullunder.
Tyler, The Creator ist cool. Genau wie sein Pullunder.
Bild: Instagram @feliciathegoat
Auch Influencerin Emma Chamberlain trägt Opa-Strick.
Auch Influencerin Emma Chamberlain trägt Opa-Strick.
Bild: Instagram @emmachamberlain

Ein bisschen nerdy ist er geblieben, statt mit Golfschlägern oder Aktenkoffern paart sich der Pullunder von heute allerdings mit stets gezückten Smartphones, bunten It-Bags und farblich abgestimmten Sonnenbrillen. Das mache ich brav so mit und fühle mich endlich rein gar nicht mehr «Clueless». Und wenn es dann trotzdem mal zieht an den freigelegten Armen, dann hab ich ja trotzdem noch meine Übergangsjacke dabei. Mit ganz viel Bewegungsfreiheit in den Ärmeln. Wie gesagt, eine klassische Win-win-Situation – ich hab's ja eingesehen.

Auftaktbild: Imaxtree

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