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Rind in der Höhle der Denisovaner?

Die Höhle der Denisovaner birgt Tausende Knochen. Ein Teil davon gehörte einer bislang unbekannten Rinderart, deren Verwandte heute im Himalaya leben.

In der inzwischen berühmten Denisova-Höhle im sibirischen Altai-Gebirge haben Wissenschaftler mehr als 250 000 Knochenstücke unterschiedlicher Grösse gesammelt: ein gigantisches Puzzlespiel für Paläontologen, das jedoch immer wieder neue Überraschungen neben den Überresten der Denisova-Menschen offenbart. Ein Team um Jonas Oppenheimer von der Universität Stockholm etwa konnte nachweisen, dass zur gleichen Zeit wie unsere Homininen-Verwandtschaft auch eine bislang unbekannte Rinderart in der Region gelebt hat: Sie war nahe mit den Yaks (Bos mutus) verwandt, die heute noch im zentralasiatischen Hochland vorkommen.

Eigentlich hatte die Arbeitsgruppe nach Spuren von Wisenten und Auerochsen gesucht, um mehr über die Evolution dieser Wildrinder zu erfahren. Doch die DNA-Analyse aller untersuchten Knochenfragmente aus der Höhle sowie ähnliche Fundstücke aus der Umgebung der Höhle sowie dem Ural passte auf keine heute noch lebende oder bekannte ausgestorbene Rinderart. Insgesamt konnten Oppenheimer und Co das Genom von 20 Tieren rekonstruieren. Dabei fanden sie die grössten Übereinstimmungen beim Erbgut der heutigen Yaks. Die Yak X genannte Art begann sich demnach vor rund 400 000 Jahren unabhängig von ihren heute lebenden Verwandten zu entwickeln und war vor etwa 250 000 Jahren schliesslich vollständig genetisch isoliert. Vor wahrscheinlich 27 000 Jahren starb sie wieder aus.

Damit unterschieden sich diese Yak-Arten wahrscheinlich ähnlich stark wie die europäischen Wisente von den nordamerikanischen Bisons, die ebenfalls aus einem gemeinsamen Vorfahren hervorgingen. Ob und wie sich die Yaks optisch oder anatomisch unterschieden, können die Wissenschaftler jedoch anhand des vorhandenen Materials nicht sagen. Dazu könnte eine neue Auswertung grösserer Knochenfunde beitragen, anhand derer russische Forscher bereits eine Unterart der Yaks aus dem Himalaja beschrieben hatten.

Alle bisherigen Funde von Yak-X-Knochen stammen aus deutlich tiefer gelegenen Regionen als dem heutigen Verbreitungsgebiet der Yaks. Wahrscheinlich besassen die Tiere daher keine derart ausgeprägte Anpassung an grosse Höhen wie ihre heute lebenden Verwandten. Die ausgestorbene Art ist ein weiteres Beispiel für die eiszeitliche Megafauna, die damals in Europa, Asien oder Nordamerika vorkam und von der viele Vertreter bis zum Ende des Pleistozäns ausstarben. Ob die Denisovaner ihren Teil dazu beitrugen, liegt jedoch noch im Dunkel der Vergangenheit.

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