Review

«Ratchet & Clank Rift Apart» im Test: ein spielerisches und visuelles Meisterwerk

Philipp Rüegg
08.06.2021

Das neueste Space-Abenteuer von Ratchet und Clank ist das erste Must-Have-Spiel für die PS5. Dabei bin ich nicht mal Fan dieses Genres.

Wow, einfach nur wow. Nach rund 11 Stunden rollt der Abspann und ich möchte applaudieren. «Ratchet & Clank Rift Apart» ist eines der erfüllendsten Spiele, das ich in den letzten Jahren gespielt habe. Nie hätte ich gedacht, dass mich die Serie derart begeistern würde.

Das letzte «Ratchet & Clank», an das ich mich erinnere, ist wohl «A Crack in Time» für die PS3. Bei den unzähligen Teilen behält kein Mensch den Überblick. Ich fand die Serie um den Lombax Ratchet und seinen kleinen Roboter-Freund Clank immer ganz nett, konnte ihr aber nie besonders viel abgewinnen. Meist verlor ich nach ein paar Stunden das Interesse. Entsprechend unaufgeregt startete ich den neusten Teil «Rift Apart». Alter Schwede, was habe ich mich getäuscht.

Von Anfang bis Schluss eine Wucht

Ratchet und Clank müssen mal wieder das Universum retten.
Ratchet und Clank müssen mal wieder das Universum retten.

«Ratchet & Clank Rift Apart» lässt nichts anbrennen. Von der ersten Minute an gibt das Spiel Vollgas und wird immer rasanter. Einmal mehr legst du dich mit deinem altbekannten Nemesis, Doktor Nefarious, an. Der hat dir ein magisches Artefakt namens Dimensionator abgeluchst und reisst damit Löcher in andere Dimensionen, mit dem Ziel, alles Leben auszulöschen. Das gilt es natürlich zu verhindern. Dabei erhält das dynamische Duo Schützenhilfe eines weiteren Lombaxes, namens Rivet, und eines scheinbar kleinen Roboters, namens Kit. Im Spiel wechselst du – je nach Mission – zwischen den beiden Space-Nagern hin und her.

Dr. Nefarius hat nichts Gutes im Sinn.
Dr. Nefarius hat nichts Gutes im Sinn.

Die Story an sich gewinnt keinen Oscar, aber die Handlung, die dich von Planet zu Planet führt, ist das Maggi in der Weltraumsuppe. Du startest auf einem dicht besiedelten Planeten, der sich wie die kinderfreundliche Version von «Blade Runner» anfühlt. Der Ort strotzt nur so voller Leben. Unterschiedlichste Wesen und Kreaturen wuseln herum, während im Hintergrund grosse und kleine Raumschiffe herumschwirren. Von dort geht es weiter auf einen wüsten-ähnlichen Planeten. Sein Markenzeichen ist ein gigantischer Bohrer in der Mitte. Das weitläufige Gebiet erkundest du bequem mit deinen flinken Hover-Schlittschuhen.

Eine weitere Mission schickt dich auf einen Bergbau-Planeten, auf dem du wie Tony «Space» Hawk über Rails gleitest. Später lieferst du dir Duelle auf hoher See mit einem riesigen Tintenfisch und Weltraumpiraten. An Abwechslung mangelt es nicht. Grafisch zeigt das Spiel, was in der PS5 steckt. Die Gegner wirken so plastisch, dass du sie anfassen möchtest und die detailverliebte Welt schreit geradezu nach einem vierwöchigen All-Inclusive-Urlaub.

Die verschiedenen Planeten strotzen nur so von Details.
Die verschiedenen Planeten strotzen nur so von Details.

Die Levels sind überraschend grossflächig und laden zum Entdecken ein. Meist gibt es abseits des Weges kurze Challenge-Levels, Kristalle und sonstige Ressourcen zu finden. Das Spiel punktet dabei mit Persönlichkeit. Egal, ob Freund oder Feind: Jede Begegnung ist etwas Besonderes. Eine solche Vielfalt habe ich noch selten erlebt. Entwickler Insomniac beweist mit «Ratchet & Clank Rift Apart» mehr Fantasie als selbst so mancher Pixar-Film. In Sachen Design steht das Spiel einer teuren Hollywood-Produktion in keinster Weise nach.

Es macht Wums

Die Hälfte des Spiels steuerst du Rivet. Deine Ausrüstung bleibt die gleiche.
Die Hälfte des Spiels steuerst du Rivet. Deine Ausrüstung bleibt die gleiche.

Eine bunte, lebendige Welt ist das eine, was du daraus machst, das andere. Auf deiner Verfolgungsjagd durch verschiedene Dimensionen kannst du auf ein wachsendes Waffenarsenal zurückgreifen. Das wiederum kaufst du mit Münzen, die du in Kisten findest oder von Gegnern sammelst. Am Ende schleppst du fast 20 verrückte Gadgets und Schiesseisen mit dir herum, die du obendrein noch upgraden kannst. Beim Hin- und Herwechseln pausiert das Spiel, sodass du je nach Situation das passende Werkzeug einsetzen kannst. War ich anfangs leicht genervt von den vielen Gegnern, rief ich spätestens bei der dritten Superwumme: Bring it on! Die Feuergefechte sind eine wahre Freude. Du kannst Pflanzensprinkler platzieren, die Gegner in formschöne Gartenskulpturen verwandeln. Kleine Doom-Roboter spawnen, die für dich kämpfen. Oder du stürzt dich selber ins Gefecht, mit Schraubenschlüssel, Sägeblattwerfer und Elektroschleuder. Die Waffen lassen es ordentlich krachen und fühlen sich bemerkbar unterschiedlich an.

Es gibt ein riesiges Sortiment an Waffen freizuschalten.
Es gibt ein riesiges Sortiment an Waffen freizuschalten.

Im Kampf gilt es, in Bewegung zu bleiben, damit du von den Gegnerhorden und ihren Angriffen nicht überrollt wirst. Dabei helfen dir die Ausweichtaste, deine Hover-Schuhe und besonders die Laser-Peitsche, mit der du dich in Sekunden zu einem Dimensionsriss teleportieren kannst. Das alles ist perfekt aufeinander abgestimmt. Und wenn Ratchet nach einem erfolgreichen Kampf die verstreuten Münzen in sich aufsaugt, fühlst du dich wie Dagobert Duck, wenn er in seinem Geldspeicher taucht. Einziger Wermutstropfen sind die 30 fps, auf die du im Grafikmodus beschränkt bist. Dadurch fühlt sich die Steuerung etwas zäh an. Der Performance-Modus mit 60 fps wird noch gepatcht zum Launch, weshalb ich diesen nicht testen konnte.

Für zusätzliche Abwechslung sorgen kurze Rätselpassagen, in denen Clank die Zügel in die Hand nimmt. In diesen Levels gilt es, die Lemming-Klone von Clank durch verschiedene Mechanismen ans Ende des Levels zu navigieren, damit sie dort ein Portal öffnen. Dann gibt es noch Hacking-Minispiele. Dort steuerst du eine arachnoide Minidrohne namens Glitch und musst alle Viren im System beseitigen. In diesen Levels sind nebst einem flinken Abzugsfinger gute Orientierungsfähigkeiten gefragt, weil du an Wänden und Decken entlang laufen kannst. Falls dir diese beiden Rätseleinlagen missfallen, kannst du sie überspringen.

Wofür sonst hast du eine PS5?

Die Charakter muss man einfach gerne haben.
Die Charakter muss man einfach gerne haben.

«Ratchet & Clank Rift Apart» ist zwischen 10 und 20 Stunden lang. Je nachdem, ob du primär die Hauptstory verfolgst oder alle Nebenmissionen machst sowie alle Ausrüstung sammeln und verbessern willst. Die Zeit vergeht wie im Flug. Das liegt daran, dass sich «Rift Apart» unglaublich kompakt anfühlt. Nichts wirkt gestreckt. Es gibt keine Längen, keinen Ballast und keine nervigen Sammel-Quests. Kein Level gleicht dem anderen. Da ist immer ordentlich Feuer im Antrieb. Die Handlung treibt dich auf natürliche Weise voran. Nie hatte ich das Gefühl, dass mich das Spiel künstlich von meinem Ziel abbringt, um die Spielzeit zu strecken. Das Gleiche gilt für den Bosskampf am Ende, der dem Spiel ein würdiges und episches Ende beschert. «Ratchet & Clank Rift Apart» überzeugt auf ganzer Linie und dabei bin ich gar nicht der Typ für solche Spiele. Wenn du zu den Glücklichen gehörst, die eine PS5 besitzen, dann hol dir das Spiel. Wenn nicht dafür, wofür sonst hast du sie dir gekauft?

«Ratchet & Clank Rift Apart» ist verfügbar für die PS5 und wurde mir von Sony zur Verfügung gestellt.

Sony Ratchet & Clank: Rift Apart
Game (Box)
59.90

Sony Ratchet & Clank: Rift Apart

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Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem privaten Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur. 


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