PAW Patrol: Eine Gelddruckmaschine
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PAW Patrol: Eine Gelddruckmaschine

Ramon Schneider
Zürich, am 17.03.2021
Wenn ein Spielzeughersteller eine TV-Serie für Kinder produziert, ist eines klar: Hier gehts ums Geld und nicht um Bildung.

Vor ein paar Tagen war ich zu Besuch bei meiner 4-jährigen Nichte. In ihrem Leben dreht sich aktuell alles um die kanadische TV-Serie «PAW Patrol». Sie zitiert ständig irgendwelche Szenen und redet andauernd über Skye, Chase und Marshall. Ich verstehe nur Bahnhof, kann ihr nicht mal ansatzweise folgen. Sie lebt in einer komplett anderen Realität als ich. Von meinem Unwissen irritiert, streckt sie mir eine kleine Plastikfigur vors Gesicht. «Schau! Das ist Skye. Sie kann fliegen.» Ich konnte gerade mal erkennen, dass sie pink ist, als mir meine Nichte schon die nächste Figur hinhält. «Und das ist Chase. Er kann seine Beine bewegen.» Das gesamte Wohnzimmer ist voll davon: Figuren, Spielhäuser, Fahrzeuge, Kartenspiele. Wo ich auch hinschaue: alles PAW Patrol.

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Wer ist die PAW Patrol?

Chef der PAW Patrol ist der 10-jährige Ryder. Er lebt zusammen mit seinen sechs Hundewelpen in Adventure Bay. Jeder dieser Hunde hat eine Funktion. Der eine ist Polizist, ein anderer ist Feuerwehrmann und ein Bauarbeiter ist ebenfalls am Start. Die Handlung ist ziemlich simpel und wiederholt sich in jeder Folge: Es gibt ein Problem in der Stadt. Ryder rüstet seine Hunde mit irgendwelchen Gadgets aus und schickt sie los. Die Hunde lösen das Problem.

Das war’s auch schon zum Inhalt der Serie. Ausser wiederkehrenden Sätzen und Catchphrases suchst du spannende Dialoge in PAW Patrol vergebens. Inhaltlich lernen die Kinder also nichts. Der Tagesanzeiger geht sogar noch weiter und findet, die Botschaft der Serie vermittelt ein falsches Bild und gehöre verboten. In ihrem Beitrag über PAW Patrol heisst es: «Natürlich könnte man sagen, der Wert der Sendung liege darin, dass es irgendwie um Hilfsbereitschaft geht, aber wenn man sieht, wie roboterhaft sich die Welpen bewegen und wie selbstverständlich der Polizeihund etwa Überwachungstechnologie einsetzt, muss man eher an ‘1984’ denken als an Altruismus.»

Vielleicht liegt es daran, dass man den Kindern noch keine komplexen Themen wie Polizeigewalt oder Gender Equality (Skye ist die einzige weibliche Hauptdarstellerin) in einer Trickfilmserie näherbringen kann. Auch inhaltlich muss nicht jede Kindersendung gleich informativ sein wie die Sendung mit der Maus. Doch der wahre Grund, weshalb PAW Patrol so plump ist, liegt woanders begraben: Den Machern der Serie ist der Inhalt schlicht und einfach egal. Ihnen geht es ums Geld.

Wieso gibt es so viele Spielsachen davon?

Mit dieser Frage kommen wir zum wahren Existenzgrund von PAW Patrol. Die Macher hinter der Serie sind nämlich kein öffentlich rechtlicher TV-Sender, der einen Bildungsauftrag wahrnehmen soll, sondern ein Umsatz getriebenes Unternehmen: der kanadische Spielzeughersteller Spin Master. Die ersten Toys erschienen auf dem Markt, noch bevor die erste Staffel zu Ende war. PAW Patrol wird also nur aus einem einzigen Grund produziert: Spielzeuge verkaufen.

Und das können die Produzenten gut. Sehr gut sogar. Um mehr davon verkaufen zu können, passen sie die Serie kontinuierlich an. So wurde aus Chase in der zweiten Staffel ein Spion und ihr Hauptquartier wurde auf einen fahrenden LKW umgesiedelt. Gleichzeitig standen in den Kaufhausregalen neue Actionfiguren und Fahrzeuge. In der dritten Staffel wurde daraus ein Flugzeug, in der vierten ein U-Boot. Und jedes Mal verkauften sich die Sets wie verrückt. Denn wie bei meiner Nichte dreht sich auch in vielen anderen Kinderzimmern dieser Welt alles um die Welpen aus Adventure Bay. Für Spin Master zahlt sich das aus. Neben PAW Patrol machen sie dasselbe auch mit anderen Kinderserien wie Abby Hatcher, Bakugan, Mighty Express und Zo Zo Zombie, was ihnen 2020 ein Jahresumsatz von 1.5 Milliarden US-Dollar bescherte.

Du denkst jetzt: Das hat es früher in meiner Kindheit so nicht gegeben. Jein! Zwar waren die Produzenten der Serien selbst keine Spielzeughersteller, doch mit Produktplatzierungen wurden auch wir als Kinder manipuliert.

Die Schuld für meine Liebe zu Pizza gebe eindeutig den Ninja Turtles. Das war praktisch eine Pizza-Dauerwerbesendung.

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Ramon Schneider
Ramon Schneider
Junior Editor, Zürich
Auf dem Motorrad geniesse ich meine Freiheit, beim Angeln wecke ich meinen Jagdinstinkt und hinter der Kamera lasse ich meiner Kreativität freien Lauf. Bezahlt werde ich dafür, von früh bis spät mit Spielwaren Humbug zu betreiben.

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