Open Move von Aftershokz: Mein neuer Laufbegleiter

Open Move von Aftershokz: Mein neuer Laufbegleiter

Martin Jungfer
Zürich, am 17.02.2021
Wenn ich jogge, will ich die Natur geniessen – und hören. Deshalb hatte ich bisher nie Kopfhörer dabei. Ich bin überzeugt, man sollte sich nicht abkapseln. Die Open-Move-Kopfhörer von Aftershokz haben mein Dogma ins Wanken gebracht.

Meine Joggingrunde verläuft entlang des Greifensees. Der Blick aufs Wasser, die Aussicht in die Berge, das Zwitschern der Vögel sind dabei meine visuelle und akustische Begleitung. Ein paar Mal habe ich versucht, mit Kopfhörern zu laufen. Gleichzeitig etwas für die Gesundheit und für den Geist zu tun, das war die Idee. Podcasts, die mich interessieren, gibt es inzwischen genug. Besonders gern höre ich zum Beispiel «Servus. Grüezi. Hallo.» der ZEIT.

Kopfhörer-Modelle mit Ohrpolstern scheiden allerdings direkt aus. Ich schwitze schon beim Gedanken daran. Also probierte ich es mit den Airpods Pro. Die haben einen guten Sitz im Ohr, ich hatte keine Sorge, sie unterwegs zu verlieren. Der Transparenz-Modus sollte mir Hörgenuss bieten, ohne dass ich auf den Sound der Natur verzichten muss. Soweit die Idee. In der Praxis passte das irgendwie doch nicht für mich. Die von der Software hergestellte Transparenz reichte mir nicht, und die Airpods in meinem Gehörgang empfand ich schlicht als unangenehm beim Joggen. Beim Pendel-Alltag, der ja meist ohne körperliche Anstrengung abläuft, dagegen sind die Airpods genial.

Klang auf die Knochen

Da kommt mir ein Angebot der PR-Agentur von Aftershokz gerade recht. Ob wir in der Redaktion nicht einmal die Open Move testen wollen, lautet die Frage. Ja, ich will. Die Besonderheit: Knochenschalltechnologie. Das Versprechen: Hörgenuss, der das Ohr komplett frei lässt, sodass ich gleichzeitig die Geräusche in der Umgebung mitbekomme. Wie die Technologie im Detail funktioniert, hat Dominik 2017 in einem Beitrag bereits erklärt.

Die *Aftershokz Trekz Titanium** im Test, oder: Wie klingt ein menschlicher Schädel?
ReviewAudio + Heimkino

Die Aftershokz Trekz Titanium im Test, oder: Wie klingt ein menschlicher Schädel?

Wenn dir das zu lang und zu ausführlich ist, hier in aller Kürze noch das Wichtigste:

  • Die Knubbel am Bügel gehören nicht ins Ohr, sondern davor.
  • Die Open Move schicken den Schall nicht ins Ohr, sondern schicken Vibrationen über den Wangenknochen an Innenohr und Trommelfell.
  • Das funktioniert tatsächlich, auch wenn es ungewöhnlich klingt.

Zum Testen habe ich die neueste Generation der Open-Move-Kopfhörer bekommen.

Die Spezifikationen findest du in der Produktbeschreibung. Aus der Praxis kann ich dir berichten, dass die Akkulaufzeit von sechs Stunden tatsächlich erreicht wird. Die Kopplung per Bluetooth zu meinem iPhone klappte problemlos.

Ergänzend zur Produktbeschreibung gibt’s hier noch meine subjektiven Erfahrungen beim Joggen in der Natur. Hier zeigt sich die wahre Stärke des futuristischen Teils. Ich bekomme genau das, was ich will: Ich kann Podcasts hören und bin dennoch Teil meiner Umwelt. Egal, ob ein freundliches Rentnerpaar grüsst oder mich ein angefressener Velofahrer aus dem Weg klingeln will – ich höre es und kann zurückgrüssen oder mit einem Fluch antworten.

Beim ersten Lauf mit dem Open Move habe ich mir vorher eine Podcast-Playlist erstellt, die zur erwarteten Dauer meines Trainings passte. Als gewohnheitsmässiger Verweigerer von Anleitungen war mir nicht klar, dass Aftershokz clevere Bedienelemente verbaut hatte. So fand ich erst danach heraus, dass ich durch zweimaliges Drücken des Multifunktionsknopfs zum nächsten Titel und per dreimaligem Drücken auch wieder zurück zum vorherigen Titel hätte springen können.

Hier zu sehen: die kleine Mikrofonöffnung, die Knöpfe zur Laustärkeregelung und der mit einer Kunstoffklappe geschütze Anschluss fürs Ladekabel.
Hier zu sehen: die kleine Mikrofonöffnung, die Knöpfe zur Laustärkeregelung und der mit einer Kunstoffklappe geschütze Anschluss fürs Ladekabel.

Beim zweiten Mal also sprang ich wild durch meine Playlists und testete die Soundqualität nicht nur in verschiedenen Podcasts, sondern auch bei Musik. Hier zeigt der Open Move Schwächen. Mit klaren Höhen und satten Tiefen hochwertiger In-Ear- oder On- und Over-Ear-Kopfhörern in ähnlicher Preisklasse kann der Open Move nicht mithalten. Zwar kann ich über gleichzeitiges Drücken der beiden Lautstärke-Tasten am Bügel aus drei Equalizer-Modi wählen. Das Ergebnis ändert sich aber nur in Nuancen. Der Gesang bleibt irgendwie dünn und die Instrumente wenig kraftvoll. Da fehlt Volumen. Die Open Move spielen ihre Stärke eindeutig bei der Sprachwiedergabe aus.

Gerüstet für dringende Telefonate

Sogar telefonieren kannst Du mit den Open Move; vorausgesetzt du hast dein Smartphone dabei. Das Mikrofon steckt im rechten Knubbel und bietet eine akzeptable Sprachqualität, falls du während deiner Laufrunde einen dringenden Anruf annehmen musst. Annehmen kannst du den Anruf, wenn du den Multifunktionsknopf einmal drückst. Ablehnen geht auch; dann einfach zweimal drücken.

Wenn dich niemand anruft, könntest du glatt vergessen, dass du den Open Move auf, pardon, vor den Ohren hast. Die Titan-Kunststoff-Konstruktion bringt nur 29 Gramm auf die Waage. Zum Vergleich: Ein Paar Airpods Pro wiegt etwa 11 Gramm, die Bose Sound Sport kommen auf 23 Gramm. Der Bügel im Nacken lässt dir ausreichend Freiheit. Selbst bei einem Zwischensprint sitzt der Open Move so fest, dass er nicht verrutscht oder im Takt deiner Schritte wackelt. Während ich auf die Funktionalität achte, bemängelt meine Frau den Cyborg-Look, den man mit dem Bügel hätte. Da sehe ich mal drüber hinweg, weil ich ja auf der Laufstrecke bin, nicht auf dem Laufsteg.

Fazit: passende Lösung für mein Bedürfnis

Die Open-Move-Kopfhörer haben mich überzeugt, weil sie genau für mein Bedürfnis eine Lösung bieten: Ich kann beim Joggen Podcasts oder Musik hören – mit eingeschränkter Qualität – und habe dennoch die Ohren frei, um dem Klang der Natur als Hintergrundgeräusch zu haben. Weil sie dazu angenehm zu tragen sind, werden sie ab jetzt ein regelmässiger Laufbegleiter sein.

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Martin Jungfer
Martin Jungfer
Head of Content, Zürich
Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.

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