

Open-Ear-Clips im Test: Fünf günstige Modelle im Vergleich
Open-Ear-Clips liegen im Trend: Musik hören, ohne den Gehörgang zu verschliessen. Fünf günstige Einsteigermodelle zeigen im Test, wie viel Klang, Komfort und Akku sie fürs Geld bieten.
Open-Ears sind der neue heisse Shit in der Kopfhörerbranche. Vor allem Clip-Modelle, die du dir wie eine Art Ohrclip über die Lauscher ziehst, sieht man immer mehr. Musik hören, ohne den Gehörgang zu verschliessen. Perfekt für die Durchsagen im ÖV, für den kurzen Austausch im Büro und – nicht zu unterschätzen – auf dem Fahrrad. So bekommst du trotz Musik mit, wenn sich ein Auto oder ein anderer Verkehrsteilnehmer nähert.

Tragekomfort: Baseus tanzt aus der Reihe – und ist damit streitbar
Die Clips verursachen durch ihre Bauform keinen Druck im Gehörgang, keine Isolation. Dafür sitzen sie generell weniger gut als ein klassischer In-Ear. Ob das passt, hängt von Ohrform, Knorpelstruktur und persönlicher Empfindlichkeit ab. Vier der fünf Geräte funktionieren vom Prinzip her gleich: ein Ende kommt hinters Ohr, ein anderes davor. Dazwischen ist ein stabiler, aber weicher Silikonschlauch. Lediglich Soundcore setzt hier auf ganz steifes Hartplastik. Dieser festere Sitz kann je nach Ohr ziemlich drücken. So auch bei mir. Für andere Ohren kann das aber durchaus solider sein.

Mich überzeugen die Soundpeats PearlClip Pro hier besonders. Sie sind leicht, flexibel und passen sich unterschiedlichen Ohrformen sehr gut an. Selbst nach mehreren Stunden bleibt das Tragegefühl unaufdringlich.

Bei längeren Hörsessions im Büro oder unterwegs sorgt diese Kombination dafür, dass du die Clips kaum wahrnimmst. Dazu kommt, dass die Endteile jeweils rund und schmal sind. Anders etwa die Jlab, deren Halter hinter dem Ohr flach, aber sehr dick ist. Dafür ist hinter meinen Ohren kein Platz.

Die Baseus und die 4smarts sitzen ebenfalls sehr angenehm. Das Gewicht verteilt sich gleichmässig, der Clip-Mechanismus wirkt stabil und dennoch flexibel. Auch bei Bewegung bleiben sie sicher am Ohr. Im direkten Vergleich liegen sie minimal hinter den Soundpeats, bewegen sich aber insgesamt auf sehr hohem Niveau.

JLab Flex überraschen positiv durch ihr geringes Gewicht. Sie tragen sich angenehm, wirken jedoch bei schnellen Bewegungen etwas weniger stabil. Störend ist der zwar kleine, aber sehr dicke Teil hinter den Ohren. Dafür ist bei meinen Ohren zu wenig Platz. Die Soundpeats PearlClip Pro sind für mich am bequemsten.

Vergiss nicht: Der Tragekomfort ist sehr individuell – je nach Ohr sitzt eine andere Form etwas besser.
Sound: Vier auf Augenhöhe, einer fällt ab
Open-Ear-Kopfhörer stehen klanglich vor einer besonderen Herausforderung. Ohne Abdichtung fehlt der physische Tiefbassdruck klassischer In-Ears. Gleichzeitig mischt sich die Umgebung ständig ins Klangbild. Die Kunst besteht darin, Mitten, Höhen und das subjektive Bassfundament so abzustimmen, dass die Musik nicht dünn wirkt und Stimmen klar bleiben.
Die Soundpeats PearlClip Pro liefern im Vergleich das lebendigste Klangbild. Der Mittenbereich ist präsent, Stimmen stehen klar im Vordergrund, Instrumente lassen sich differenziert wahrnehmen. Besonders bei Pop, akustischer Musik oder Podcasts entsteht ein räumlicher, offener Eindruck. Für ein Open-Ear-System bieten sie überraschend viel Bassfülle – kein Subbass im klassischen Sinn, aber ausreichend Fundament für ein rundes Klangbild.
Ein praktisches Beispiel: Bei Songs mit akustischer Gitarre oder Piano – etwa Singer-Songwriter-Tracks oder ruhigem Pop – wirken Stimmen angenehm nah und klar. Gitarrensaiten bleiben differenziert hörbar, ohne dass der Klang zu scharf wird. Auch bei moderner Popmusik bleibt der Rhythmus spürbar präsent, obwohl ein starker Tiefbass bauartbedingt fehlt. Im Podcast-Bereich stehen sie ebenfalls weit vorne. Stimmen bleiben klar verständlich und natürlich. Zusammen mit den musikalischen Stärken zählen sie zu den vielseitigsten Modellen im Vergleich.
Die Soundcore C30i setzt auf eine ausgewogene, neutraler Abstimmung. Der Bass ist etwas zurückhaltender als bei Soundpeats, dafür wirkt das Gesamtbild harmonisch und langzeittauglich. Stimmen klingen sauber und klar, ohne Überbetonung. Gerade bei gemischten Playlists zeigt sich diese Balance als Vorteil. Bei längeren Hörsessions – etwa während eines Arbeitstags im Büro – wirken die Soundcore besonders angenehm, weil sie weder Höhen noch Mitten überzeichnen. Selbst nach mehreren Stunden entsteht kaum Hörermüdung. Auch bei Podcasts spielt diese Abstimmung ihre Stärke aus. Die C30i geben Stimmen besonders neutral und natürlich wieder – ideal für lange Hörsessions mit Gesprächspodcasts, Interviews oder Hörbüchern.
Die Baseus Bowie MC1 bieten einen soliden Allround-Sound. Bass und Mitten sind gut abgestimmt, die Höhen ausreichend präsent. Im direkten Vergleich fehlt jedoch etwas Detailtiefe und Dynamik gegenüber jenen von Soundpeats und Soundcore. In der Praxis fällt das vor allem bei komplexeren Arrangements auf: Bei Songs mit vielen Instrumenten verschmelzen einzelne Elemente stärker miteinander. Für alltägliches Streaming bleibt der Klang jedoch ausreichend. Bei Podcasts liefern die Baseus eine solide Sprachverständlichkeit, bleiben aber etwas hinter den beiden Spitzenreitern zurück. Stimmen sind gut verständlich, wirken jedoch etwas weniger klar und detailliert.
Die JLab Flex liefern eine brauchbare Wiedergabe für Streaming und Hintergrundmusik, mischen aber weniger differenziert ab. Feinheiten in komplexeren Arrangements gehen etwas unter. Auch bei Podcasts bleibt die Sprachverständlichkeit solide, erreicht jedoch nicht die Klarheit der stärkeren Modelle im Vergleich.
Die 4smarts SkyBuds Clip zeigen den schwächsten Bass und die geringste Dynamik im Feld. Stimmen sind verständlich, Musik wirkt jedoch weniger lebendig. Für Podcasts reicht die Sprachwiedergabe grundsätzlich aus, allerdings fehlt etwas Klarheit und Präsenz im Vergleich zu Soundcore und Soundpeats.
Die Soundcore C30i und die Soundpeats PearlClip Pro bewegen sich insgesamt auf Augenhöhe. Durch ihre musikalischen Stärken setzen sich die Soundpeats jedoch leicht ab. Wer jedoch vor allem Podcasts hört und maximale Natürlichkeit bei Stimmen sucht, kann beruhigt zu den Soundcore greifen.
Soundleakage: Feind hört mit?
Offene Bauweise bedeutet immer Schallabstrahlung nach aussen. Da der Lautsprecher nicht im Gehörgang sitzt, sondern vor dem Ohr arbeitet, gelangt ein Teil des Schalls auch in die Umgebung. Bei moderater Lautstärke bleiben alle Modelle relativ diskret. In einem Büro oder Zugabteil hört eine Person neben dir in der Regel nur dann etwas, wenn die Lautstärke deutlich erhöht ist.
Das Ergebnis meiner Tests:
- Bis 50 Prozent Lautstärke sind die Hörer für Personen in einem Abstand von rund einem Meter kaum wahrnehmbar.
- Ab circa 70 Prozent Lautstärke können Sitznachbarn in sehr ruhiger Umgebung leichte Musikanteile oder Stimmen erkennen.

Die Soundcore C30i zeigt bei hoher Lautstärke die geringste Leakage-Tendenz im Vergleich. Selbst bei etwas höherer Lautstärke bleibt die Abstrahlung relativ kontrolliert. Das macht ihn besonders geeignet für ruhige Arbeitsumgebungen oder Bibliotheken. Die anderen folgen nur knapp dahinter und bewegen sich ebenfalls im typischen Bereich offener Kopfhörer. Darum vergebe ich hier keine Siegertrophäe.
Auf dem Fahrrad wird's laut
Auf dem Fahrrad spielen Clips ihre Vorteile aus, weil du den Verkehr weiterhin hören kannst. Allerdings entsteht ein neues akustisches Problem: Der Fahrtwind. Sobald du mit etwa 15-25 km/h unterwegs bist, erzeugt der Luftstrom rund um das Ohr ein deutliches Rauschen. Dieses Windgeräusch überlagert teilweise die Wiedergabe – vor allem im Hochtonbereich. Das gleiche gilt, wenn du telefonierst. Dies betrifft dann natürlich nicht nur deine Hörqualität, sondern auch jene deines Gegenübers, da das Mikrofon bei Gegenwind weniger gut klingt.
Beim Musikhören sind die Unterschiede der einzelnen Modelle gering: Die Abstimmung der Soundcore 30i sorgt dafür, dass Stimmen relativ stabil im Klangbild bleiben. Selbst bei Wind sind Podcasts noch gut verständlich, gleiches gilt für die Soundpeats, die Baseus und die JLab. Einzig die 4smarts fallen hier etwas ab: Ich muss bei höherem Tempo meist stärker aufdrehen, damit Stimmen klar bleiben.
Weniger einheitlich ist die Leistung beim Telefonieren. Hier sind es die Baseus Bowie MC1, die die überzeugendste Gesprächsqualität liefern. Mehrere Mikrofone erfassen die Stimme gezielt und reduzieren Umgebungsgeräusche, sodass Gespräche auch draussen klar verständlich bleiben. Stimmen klingen natürlicher und konstanter als bei den anderen Modellen, auch bei Fahrtwind. Ähnliches gilt für die Soundpeats, wobei hier der Qualitätsabfall bei Fahrtwind grösser ist. Die Soundcore C30i funktionieren für Telefonate zuverlässig, wirken aber etwas distanzierter. Dies, weil das Mikrofon weiter vom Mund entfernt sitzt und die Stimme dadurch weniger präsent wirkt. Gespräche bleiben verständlich, erreichen aber nicht die gleiche Klarheit wie bei den besten Modellen.
Die JLab Flex eignen sich grundsätzlich für Telefonate im Alltag, überzeugen jedoch weniger, sobald Umgebungslärm ins Spiel kommt. Stimmen bleiben zwar verständlich, doch Hintergrundgeräusche werden weniger effektiv reduziert als bei den stärkeren Konkurrenten. Das gleiche gilt bei den 4smarts.
Ladecase: Von Scharnier bis LED
Die Baseus Bowie MC1 hat das stabilste Zuhause. Die Verarbeitung des Case wirkt sauber und durchdacht. Die Übergänge sind präzise und robust, mit zuverlässigem Magnetverschluss und solider Scharniermechanik. Zwar ist es minimal grösser als die meisten anderen, dafür wirkt es besonders stabil und alltagstauglich. Insgesamt kombiniert Baseus Materialqualität, Haptik und Verarbeitung am stimmigsten.

Das Gehäuse der Soundpeats PearlClip Pro bewegt sich qualitativ ebenfalls auf hohem Niveau. Es ist präzise verarbeitet, hat gleichmässigeOberflächen und schliesst sauber. Die Clips rasten magnetisch satt ein. Ein auf Knopfdruck einschaltbares LED zeigt dir den Ladestand des Cases.

Das Case der 4smarts SkyBuds Clip und Jlab Flex sind solide, aber funktional. Das Scharnier ist nicht so stabil wie bei anderen.


Am wenigsten überzeugt mich hier das Soundcore-Case. Zwar bringt der Hersteller als einziger zusätzliche Aufsätze, beziehungsweise Stabilisierungselemente für individuell besseren Halt. Diese können je nach Ohrform hilfreich sein, insbesondere bei Bewegung. Der Deckel ist aber aus dünnem Plastik gefertigt und weniger vertrauenserweckend.

In der Gesamtbetrachtung aus Materialqualität, Haptik und Mechanik setzen sich damit die Baseus und die Soundpeats zusammen an die Spitze.
Akkuleistung & Ladecase-Kapazität
Da die Clips aus nachvollziehbaren Gründen kein Noise Cancelling anbieten, arbeitet der Akku auch sehr effizient – bei allen Modellen, zumindest gemäss Hersteller. So erreichen sie teilweise erstaunliche Laufzeiten – nur ein Modell fällt hinten raus. Insgesamt haben die Baseus Bowie MC1 die Nase vorn.
| Kopfhörer | Laufzeit Buds | Laufzeit mit Case |
|---|---|---|
| Soundcore C30i | zehn Stunden | 30 Stunden |
| Baseus Bowie MC1 | neun Stunden | 40 Stunden |
| Soundpeats PearlClip Pro | sechs Stunden | 18 Stunden |
| JLab Flex | sieben Stunden | 21 Stunden |
| 4smarts SkyBuds Clip | sechs Stunden | 28 Stunden |
Gesamtfazit: Die Perlen sind mein Favorit
Es ist klar: Musikalisch und auch von Tragekomfort heissen die Siger-Clips Soundpeats PearlClip Pro. Sie gewinnen die Gesamtwertung. Und dies, obwohl sie beim Akku die schwächste Leistung bringen. Der flexible, silikonummantelte Bügel fühlt sich hochwertig an, schmiegt sich angenehm an meine Ohren und hält sich stabil. Die Verarbeitung ist ebenfalls robust.
Die Baseus Bowie MC1 bewegen sich qualitativ ebenfalls auf hohem Niveau. Das Gehäuse ist präzise verarbeitet, die Oberflächen sind gleichmässig und frei von störenden Gaps. Das Case schliesst sauber. Zudem ist dieses Modell der Champion in Sachen Telefonie und Akku. Auch der Sound ist in Ordnung. Weniger überzeugend sind der Sitz und der Tragekomfort, wobei das individuell ist.
Die Soundcore C30i stehen in Sachen Verarbeitungsqualität kaum nach und bieten als einzige im Vergleich zusätzliche Aufsätze beziehungsweise Stabilisierungselemente für individuell besseren Halt. Diese können je nach Ohrform tatsächlich hilfreich sein, insbesondere bei Bewegung. Allerdings wirken die Zusatzteile eher funktional als integraler Bestandteil des Designs. Die JLab Flex sehen stylisch aus, passen aber gar nicht auf meine Ohren. Derweil sind die 4smarts SkyBuds Clip die Budget-Lösung unter den Budget-Lösungen – und haben mich nicht besonders überzeugt.
Seit ich herausgefunden habe, wie man bei der ISDN-Card beide Telefonkanäle für eine grössere Bandbreite aktivieren kann, bastle ich an digitalen Netzwerken herum. Seit ich sprechen kann, an analogen. Wahl-Winterthurer mit rotblauem Herzen.
Praktische Lösungen für alltägliche Fragen zu Technik, Haushaltstricks und vieles mehr.
Alle anzeigen





