Nikon Z6: Getestet auf Community-Fragen

Nikon Z6: Getestet auf Community-Fragen

David Lee
Zürich, am 28.03.2019
Ich habe die Nikon Z6 ausprobiert. Und zwar im Hinblick auf die Punkte, die euch interessieren. Hier erfährst du, wie gut Spiegelreflex-Objektive funktionieren, was der elektronische Sucher taugt oder wie der Autofokus im Dunkeln arbeitet.

Ihr habt gewählt: Die Z6 soll getestet werden, nicht die Z7. Und euch interessiert generell, wie sich die spiegellose Kamera im Vergleich zu diversen Nikon-Spiegelreflexkameras verhält. Für diesen Test stand mir neben der Z6 auch die Spiegelreflexkamera D750 zur Verfügung. Die Z6 gilt als das spiegellose Pendant zur D750, während die Z7 eher das Gegenstück zur D850 ist. Das ganze natürlich mit Objektiven aus beiden Systemen und dem Adapter, der den Anschluss von SLR-Objektiven ans Z-System ermöglicht.

Z 6 Kit + FTZ Objektivadapter (24-70mm, 24.50Mpx, Vollformat / FX)
2399.–
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Autofokus in schwierigen Verhältnissen

“ Wie verhält sich der Autofokus in der Dämmerung und in der Dunkelheit? Ist die Z6 ein valabler D750 Nachfolger? ”
antoniusmaximus

Der Autofokus der Nikon Z6 funktioniert auch, wenn sehr wenig Struktur im Fokus ist, zum Beispiel bei einer weissen Wand. Die D750 versagt in solchen Situationen. Die bessere Strukturerkennung kommt der Z6 auch im Schummerlicht zugute, da dort die Kontraste im Allgemeinen gering sind.

Das Fokussystem einer Spiegelreflexkamera funktioniert grundsätzlich anders als bei einer Mirrorless. Es kann deshalb Situationen geben, in denen die D750 den besseren Job macht. Im grossen Ganzen scheint mir der Autofokus der Z6 aber überlegen. Ein klarer Vorteil ist, dass der Autofokus fast den ganzen Teil des Bilds abdeckt, während bei einer SLR nur eine mehr oder weniger grosse Mittelzone scharfgestellt werden kann.

Fokussierung auf die Kette im Dunkeln: klappt.
Fokussierung auf die Kette im Dunkeln: klappt.

Ein weiterer Vorteil der Spiegellosen ist das Fokus Peaking: Bei manuellem Fokus markiert die Kamera im Sucher die Konturen, die mit der aktuellen Blende und Distanz scharf werden. Unter dem Menü-Eintrag d10 «Konturfilter für Lichter» kannst du sowohl die Empfindlichkeit als auch die Kennzeichnungsfarbe des Fokus Peaking wählen.

Eventfotografie

“ Mich interessiert eindeutig die Z6 mehr: Wie arbeitet sich damit im Studio, mit Blitzlicht, mit dem neuen Sucher? Oder in der Eventfotografie, wenig Licht, eventuell mit Blitz? ”
edith_urs

Zur Studiofotografie kann ich leider nichts sagen. Die bisherigen Blitzgeräte sind jedenfalls mit dem Z-System kompatibel. Allerdings hat die Z6 keinen eingebauten Blitz und kann daher nicht per Licht einen entfesselten Slave-Blitz auslösen.

Eventfotografie kann ja sehr vieles bedeuten. Aber die Z6 hat für verschiedene Aspekte Pluspunkte auf Lager: * Sie kann bei Bedarf lautlos auslösen. * In Kombination mit dem Objektiv 24-70mm F4 ist sie kompakt, leicht und unauffällig. Siehe Bild unten. * Sie ist schnell. * Sie rauscht sehr wenig bei hoher ISO-Empfindlichkeit. Hier eine Grafik, welche die Z6 mit der Nikon Z7, der D850 und der Sony A7 III vergleicht. * Sie hat einen eingebauten Fünf-Achsen-Bildstabilisator. * Sie hat eine starke Videofunktion.

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Links die D750, rechts die Z6 mit je einem passenden 24-70mm-Objektiv. Zugegeben, das Objektiv der D750 ist etwas lichtstärker (F2.8 gegenüber F4.0). Die Lowlight-Performance der Z6 ist jedoch so gut, dass auch F4 meistens ausreicht. Falls nicht, schraubst du einfach eine kleine, lichtstarke Festbrennweite an.

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Was für die Eventfotografie noch praktisch wäre, aber der Z6 fehlt, ist ein Augen-Autofokus. Kartenslot hat die Kamera nur einen. Ob du damit eine Hochzeit wagen willst, musst du selbst wissen. Ich finde: Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, braucht sowieso zwei Kameras, nicht nur zwei Kartenslots.

Elektronischer Sucher

“ Ich habe irgendwo gehört, dass das Bild im Sucher mit einer gewissen Verzögerung angezeigt wird. Das würde mich eindeutig vom Kauf abhalten. So löse ich ja automatisch zu spät aus... Ich bin es gewohnt durch einen optischen Sucher zu schauen, der die Szene in real time darstellt. ”
a.hotz

Im Foto-Modus gibt es keine sichtbare Verzögerung. Der Sucher ist hervorragend und ein wichtiger Grund, weshalb mir das Ausprobieren der Kamera viel Spass gemacht hat.

Im Video-Modus allerdings ist die Bildfrequenz nie höher als die Aufnahmefrequenz. Das heisst, wenn du nur mit 25p aufnimmst, siehst du auch im Sucher nur 25p, und das kann bei schnellen Handbewegungen zu einem ruckligen Bild und einer Verzögerung führen. Bei Full HD gehe ich einfach auf 60p, dann verschwindet das Problem. Bei 4K ist hingegen bei 30p Schluss.

Auf dem grossen LCD hast du die Ruckler übrigens mit jeder Einstellung. Aber es stört mich dort weniger. Warum, kann ich nicht sagen.

User UrsusMB schreibt, dass ihn der Sucher und besonders die Farbe des Himmels irritiert und wollte wissen, wie ich damit klar komme. Ich kann das Problem gar nicht nachvollziehen. Grundsätzlich sieht das Bild im Sucher ja so aus wie nachher auf dem Foto – ganz im Gegensatz zum Bild einer Spiegelreflexkamera. Das halte ich für einen grossen Vorteil.

Der elektronische Sucher liefert mir auch im Schummerlicht ein sehr klares, praktisch rauschfreies Bild, auf dem ich alle Details erkenne. Das Sucherbild einer Spiegelreflexkamera zwingt mich dagegen im Dunkeln zum Blindflug.

Bei meinen ersten Versuchen blieb der Sucher nach einer Aufnahme immer etwa eine halbe Sekunde schwarz. Bei Tier- und Actionaufnahmen kann das recht störend sein. Das Problem verschwindet aber, wenn ich die Bildkontrolle auf «Nur Monitor» einstelle.

Kompatibilität zu den Spiegelreflex-Objektiven

Verschiedene User fragen nach der Kompatibilität zu den Spiegelreflex-Objektiven, und ob es wirklich keinen Nachteil gibt.

Von der Optik her ist der Adapter einfach ein Loch, das die korrekte Distanz zwischen Sensor und Linse herstellt. Das hat keinerlei Auswirkungen auf die Bildqualität. Der Adapter überträgt sämtliche Informationen, die zwischen Objektiv und Kamera ausgetauscht werden müssen. Die Geschwindigkeit des Autofokus habe ich mit meinem 70-300mm-Objektiv ausprobiert und keine Verschlechterung zu meiner Nikon D7500 festgestellt. Im Gegenteil. Action, Sport und Tierfotografie sind mit dem Tele und dem Adapter problemlos zu machen.

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Mein Objektiv ist vom Typ AF-S. Diese Objektive funktionieren über den Adapter ohne Einschränkung. Das gilt natürlich auch für die neueren Objektive vom Typ AF-P.

AF-S 70-300mm, f/4.5-5.6G VR
Nikon AF-S 70-300mm, f/4.5-5.6G VR
AF-P NIKKOR 70-300mm f/4.5-5.6E ED VR
591.–
Nikon AF-P NIKKOR 70-300mm f/4.5-5.6E ED VR

Neben AF-P und AF-S gibt es ein noch älteres System: AF. Objektive dieses Typs sind nach wie vor in Gebrauch und sogar im Verkauf, ich selbst nutze das 50 mm.

Objektiv 50mm, f/1.8D AF Nikkor
141.–
Nikon Objektiv 50mm, f/1.8D AF Nikkor

Bei diesen Objektiven gibt es eine Einschränkung. Der Autofokus funktioniert nicht. Denn diese Objektive haben keinen eigenen Autofokus-Motor. Das muss die Kamera übernehmen. Das klappt aber bei der Nikon Z und dem Adapter nicht.

Was aber bei diesen Linsen dennoch funktioniert, ist das Fokus Peaking. Beim Fokus Peaking stellst du zwar die Fokusdistanz manuell ein, aber die Kamera zeigt dir an, welche Bildteile mit der momentanen Einstellung scharf abgebildet werden. Bei der Nikon Z6 musst du dafür die Einstellung auf «manueller Fokus» setzen, obwohl die Kamera beim AF-Objektiv gezwungenermassen eh schon im manuellen Fokus operiert. Das finde ich etwas verwirrend.

Auch DX-Objektive lassen sich mit dem Adapter an der Z6 verwenden. DX-Objektive sind solche, die nicht für Vollformatsensoren geeignet sind, sondern nur für Kameras mit kleinerem APS-C-Sensor. Die Kamera beschneidet den Bildausschnitt entsprechend und die Auflösung verringert sich auf 10 Megapixel (3936×2624 Pixel). Diese Beschneidung lässt sich nicht deaktivieren, obwohl einige DX-Objektive deutlich über das DX-Feld hinaus belichten.

Last but not least: FX- und DX-Objektive ohne Bildstabilisierung werden aufgewertet, da die Kamera einen eingebauten Bildstabilisator hat. Dieser funktioniert auch mit dem Adapter.

Sensorverschmutzung

“ avec un usage intensif en extérieur, je suis très partagé avec la question de la mise à nu du capteur lors d'un chagement d'optique. Pour moi cela reste un frein à l'acquisition d'une caméra de ce type. Il semblerait que Canon a trouvé une solution sur l'un de ses mirrorless (RP) avec la mise en place d'un obturateur devant le capteur. ”
depot333

Wenn ich den französischen Beitrag richtig verstehe, geht es hier darum, dass bei spiegellosen Kameras der Sensor sehr anfällig ist für Verschmutzungen. Das stimmt natürlich. Als ich die Z6 zum Testen erhielt, war der Sensor komplett verdreckt. Ich weiss nicht, was die Person vor mir mit der Kamera angestellt hat, aber die Gefahr der Verschmutzung ist real. Die Canon EOS R (nicht aber die RP) hat einen Schutz dagegen eingebaut. Schwacher Trost: Es gibt jetzt ein Reinigungs-Set, das deutlich günstiger ist als das von Visible Dust.

Bei mir ging auch das Reinigen sehr einfach. Mit einem einzigen Wisch war der Sensor wieder sauber – ganz im Gegensatz zu meinem früheren Versuch bei einer anderen Kamera. Aber eben, das ist Glückssache und hat nichts mit der Kamera zu tun.

*Flecken auf dem Kamera-Sensor** – was nun?Video
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HDR und Dynamik

“ Und wie ist die Dynamik der Kamera bezüglich Licht und Schatten? Gibt es bzw. braucht es einen automatischen HDR Modus? Nutze eine D7100. ”
matze45

Ja, es gibt einen automatischen HDR-Modus. Dieser schiesst zwei Bilder hintereinander, wobei die Belichtungsdifferenz automatisch oder manuell eingestellt werden kann. Der HDR-Modus lässt sich nur für JPEG aktivieren, weil das Endergebnis immer ein JPEG ist. Er speichert aber auf Wunsch die Einzelbilder auch in RAW, sodass du dir am Computer selbst ein HDR zusammenstellen kannst.

Ob es dieses Feature braucht, ist Ansichtssache. Die Dynamik des Sensors ist laut DxoMark nicht die allerbeste, aber viel besser als bei der D7100. Was auch nicht erstaunt, denn die D7100 ist nicht nur in die Jahre gekommen, sondern hat auch einen kleineren Sensor.

Hier einige Werte von DxOMark:

Nikon Z614.3
Nikon Z714.6
Nikon D85014.8
Sony A7 III14.7
Nikon D75014.5
Nikon D710013.7

Diese Tabelle bezieht sich auf die Leistung bei 100 ISO. Mit diesem Tool kannst du die Dynamik verschiedener Kameras über das ganze ISO-Spektrum hinweg anschauen. Mit den obigen Kameras sieht das so aus.

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Akkulaufzeit und Aufladen

Danach hat zwar niemand gefragt, aber diesen Punkt bringe ich trotzdem. Es ist kein Geheimnis, dass spiegellose Systemkameras eine schlechtere Akkulaufzeit haben als Spiegelreflexkameras. Auch wenn der Unterschied im Alltag meist nicht so gross ist, wie es die CIPA-Messwerte suggerieren.

Darum würde ich auch für die Nikon Z6 mindestens zwei Akkus empfehlen, auch wenn du nicht für jedes Shooting einen Reserve-Akku brauchst. Das Coole daran: Wer von einer neueren Nikon-Spiegelreflexkamera wie der D7500, D750, D810 oder D850 umsteigt, kann die bisherigen Akkus auch an der Z6 verwenden. Denn beide Modelle verwenden den Akku vom Typ EN-EL15.

Allerdings gibt es von diesem Typen verschiedene Unterarten, und nur mit dem Typ B kannst du die USB-Charging-Funktion der Z6 nutzen.

Im Test konnte ich wesentlich mehr Fotos mit einer Akkuladung schiessen als der CIPA-Wert von 310. Mindestens doppelt so viele. Der CIPA-Standard verlangt, dass zwischen jedem Foto 30 Sekunden lang der Bildschirm oder der Sucher eingeschaltet sein muss. Das ist im normalen Alltag kaum der Fall.

Fazit

Auch wenn ich nur spezifische Punkte herausgepickt habe, dennoch ein kurzes Fazit. Ich habe einen sehr positiven Eindruck von der Z6 und halte sie für mindestens gleichwertig wie die Sony A7 III. Beim Fokus für Actionaufnahmen mag die Sony leicht im Vorteil sein, dafür hat die Nikon einen griffigeren Body und eine Bedienung, die mir persönlich besser zusagt. Für Besitzer einer Nikon D750 ist die Z6 ein sinnvolles Upgrade. Ohne Zweifel gibt es im Feld der spiegellosen Vollformatkameras eine neue Konkurrenz, wovon wir als Fotografen nur profitieren können.

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David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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