Debora Pape
Produkttest

«MPK Mini Play MK3» im Test: kleines Keyboard mit großen Ambitionen

Das Musizieren am Computer mit Software-Synthesizern und Sequencern geht mit einem externen MIDI-Keyboard leichter von der Hand. Ich habe das «MPK Mini Play MK3» von Akai einige Wochen bespielt und mir angeschaut, wo es überzeugt.

Den Namenszusatz «Mini» trägt das Keyboard von Akai zu Recht. Gerade einmal 32 Zentimeter lang und 17,5 Zentimeter breit ist der Controller. Obwohl das Gehäuse komplett aus Kunststoff besteht, wirkt das Gerät nicht billig. Auch bei stärkerem Druck mit den Händen gibt hier nichts nach oder knarzt. Außerdem passt das Gerät problemlos in meinen Rucksack und wiegt gerade einmal ein Kilogramm.

Auf der Rückseite befinden sich drei Anschlüsse. Die USB-Typ-B-Buchse übernimmt Kommunikation und externe Stromversorgung. Zudem kann ich an der 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse einen Kopfhörer anschließen. Optional ist die Verbindung mit einem Sustain-Pedal. Auf einen MIDI-Anschluss hat Akai verzichtet.

Mein erster Eindruck

Auf der Oberseite sind 25 anschlagdynamische Tasten sowie acht Drumpads verbaut. Im Hinblick auf die Größe und das Preisschild überzeugt die Klaviatur. Leicht oder kräftig angeschlagene Noten unterscheiden sich sauber. Am ersten Tag verspiele ich mich aber noch häufig: Der Umstieg von Fullsize-Tasten auf eine Mini-Ausgabe fällt mir zunächst schwer. Die Tasten sind eben schmaler und kürzer. Für Basslinien und einfache Melodien reichen die zwei Oktaven aus. Für ausladende Läufe muss ich die Oktav-Taster nutzen.

Zwei Oktaven Umfang, die typischen Drumpads und eine übersichtliche Anordnung der Bedienelemente: So präsentiert sich das «MPK Mini Play».
Zwei Oktaven Umfang, die typischen Drumpads und eine übersichtliche Anordnung der Bedienelemente: So präsentiert sich das «MPK Mini Play».

Die Pads reagieren präzise auf Druckunterschiede. Mit etwas Übung eignen sie sich tatsächlich gut fürs Finger-Drumming. Die Gummierung ist indes ein regelrechter Staubmagnet.

Der X-Y-Joystick an der linken Oberseite gefällt mir weniger. Er übernimmt die Doppelaufgabe für Pitch und Modulation. Er sieht nicht nur etwas billig und wacklig aus, sondern fühlt sich auch so an. Das trifft auch auf die verschiedenen Funktionstasten zu. Sie tun, was sie sollen, fühlen sich mechanisch aber nicht besonders wertig an. Immerhin sind sie aus meiner Sicht logisch angeordnet.

Sounds an Bord: Spielen ohne Rechner

Die Besonderheit des «Mini Play» ist, dass ich zum Spielen keinen Rechner brauche. Dazu lege ich auf der Rückseite den Schalter von «USB» auf «Batt» um. Vier Akkus oder Batterien vom Typ AA (LR6) versorgen das Gerät dann unterwegs oder auch auf der Couch mit Strom. Akkus muss ich aber extern aufladen. Das Keyboard ist auf Batterien ausgelegt und besitzt keine eigene Ladefunktion.

Den Batteriemodus schalte ich an der Rückseite ein. Dort befinden sich auch der Kopfhörer- und Sustainanschluss.
Den Batteriemodus schalte ich an der Rückseite ein. Dort befinden sich auch der Kopfhörer- und Sustainanschluss.

Klanglich bekomme ich 128 MIDI-Sounds und zehn Drumkits. Die Instrumente wähle ich über den Drehregler neben dem Display, das gern etwas größer hätte ausfallen dürfen. Der integrierte Lautsprecher ist erstaunlich kräftig. Bei hohen Lautstärken klingt er allerdings leicht blechern und neigt zu Verzerrungen. Hi-Fi-Qualität hatte ich aber auch nicht ernsthaft erwartet. Zum Üben oder zur Ideenfindung auf der Couch reicht der Speaker allemal. Auch Kinder lassen sich mit dem Controller gut beschäftigen. Je nach Alter und Talent des Kindes empfehle ich den Anschluss von Kopfhörern.

Die Soundauswahl finde ich solide. Sie ist aber generisch und unterscheidet sich teilweise nur in Nuancen. Als Drummer gefallen mir bei den Pads die Sets «E-Drum» und «TR-808» gut. Beide bieten ein schönes akustisches «Wiederhören» mit den Simmons-Drums aus den 80ern und dem legendären Drumcomputer TR-808 von Roland.

Für Spiel und Klangtüftelei bietet der Controller für seine Größe doch einiges. So kann ich die Werte für Attack und Release genauso wie den Chorus über die Drehregler verändern. Ein Arpeggiator ist ebenfalls mit an Bord. Die Drumpads besitzen noch eine weitere Funktion: Gefällt mir ein manipulierter Sound gut, speichere ich ihn intern als Favorit auf einem Pad ab.

Software: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Zum Lieferumfang des Controllers gehört auch ein Software-Paket: die Sequencer-Beatmaking-DAW (Digital Audio Workstation) MPC-Beats sowie mehrere Plug-in-Instrumente, darunter der Analog-Synthesizer Hybrid 3. Das klingt erst einmal vielversprechend. Der Weg dahin ist aber beschwerlich. Der im Karton liegende Flyer sieht aus wie ein einfacher Gutschein. Leider funktionieren Download und Installation aber nicht direkt via Akai.

Stattdessen muss ich auf dem Software-Portal von Inmusic (Mutter von Akai) ein Benutzerkonto eröffnen. Dort lade ich das Software-Center von Inmusic herunter, das meine Lizenzen verwaltet und in dem ich meinen Controller auch registrieren kann.

Mit der Software Inmusic verwalte ich die Software-Lizenzen. Das ist aber alles erstaunlich kompliziert.
Mit der Software Inmusic verwalte ich die Software-Lizenzen. Das ist aber alles erstaunlich kompliziert.

Erst nach Abschluss der Registrierung lade ich über die Software dann ein Programm wie MPC-Beats herunter, das noch installiert werden muss. Oder ich lasse mir einen Lizenz- oder Gutscheincode anzeigen. Komplett unübersichtlich wird es, wenn ich etwa ein Plug-in eines Dritten kaufen will. Denn hinter «Gutschein einlösen» wartet nicht der direkte Download. Stattdessen leitet mich Inmusic auf die Anbieterseite. Dort muss ich ein weiteres Benutzerkonto anlegen, um im Checkout den Gutscheincode einzutragen. Vermutlich dürfte da nicht nur ich zwischenzeitlich den Überblick verlieren.

Anbindung an Rechner und DAW: Unter «Exoten» muss ich basteln

Nachdem ich das Labyrinth der verschiedenen Software-Angebote erfolgreich durchquert habe, geht es leicht weiter. Der Mini Play ist «class-compliant», lässt sich also ohne Treiberinstallation anschließen und wird sofort als MIDI-Gerät registriert. GarageBand und Logic Pro erkennen das Keyboard automatisch. Pads und Tastatur steuern sofort die Instrumente an. Welche Aufgabe die Regler übernehmen sollen, kann ich über die MIDI-Lernfunktion neu mappen.

Auch an meinem iPad mit Lightning-Anschluss kann ich den MPK Mini Play nutzen. Allerdings liefert Lightning zu wenig Strom, um das Keyboard zu versorgen. Der Weg zum Ziel ist nicht elegant, funktioniert aber: Über den «Lightning auf USB 3.0 Camera Adapter» von Apple verbinde ich das USB-Kabel des MPK mit dem iPad, das via Lightning-Kabel und externem Netzteil parallel aufgeladen wird. Einmal verbunden, erkennen meine Programme den Controller dann aber ebenfalls sofort.

Und wie steht es mit Linux? Nach meinen bisherigen Erfahrungen funktioniert da «Out-of-the-Box» selten etwas. So auch diesmal. Unter Linux meldet sich das Gerät etwa in Ardour zwar sauber als Class-Compliant-Gerät an. Nur schickt es jeglichen Input über einen einzigen Kanal. Es ist also erst einmal Channel-Mapping nötig, damit Klaviatur, Pads und Filter-Regler auch die gewünschten Funktionen der DAW ansprechen. Kleiner Tipp für alle, die unter Linux musizieren: Erst einmal via Suchmaschine schauen, ob nicht eine andere Person bereits eine Mapping-Datei ins Netz gestellt hat.

Die gute Nachricht lautet allerdings: Das Gerät läuft auch unter Linux!

Mit dem «MPK Mini IV» hat Akai im vergangenen Jahr einen Nachfolger herausgebracht, der auf den ersten Blick ein paar meiner Kritikpunkte bereits behoben hat. Allerdings muss er ohne die Play-Funktion auskommen. Der steht aber ganz oben auf meiner Testliste.

Fazit

Gute Ergänzung für eine Digital Audio Workstation

Der Produktname verspricht nicht zu viel. Das MPK Mini Play ist kompakt und dank Batteriebetrieb auch ein Begleiter fürs Komponieren unterwegs. Die Hardware überzeugt mich für diese Preisklasse, mit Ausnahme des etwas schwammigen Joysticks. Die größte Schwäche ist die nervenaufreibende Softwareinstallation.

Für alle, die bereits eine DAW im Einsatz haben und auf der Suche nach einem MIDI-Controller sind, ist dieses Gesamtpaket ein potenzieller Kandidat. Für den Einsatz On-Stage ist das Keyboard aber nichts. Hier wiegen der fehlende externe MIDI-Anschluss und die Beschränkung auf zwei Oktaven zu schwer.

Pro

  • Größe und Verarbeitung
  • direkte Erkennung in kommerziellen Workstations
  • viele Sound-Optionen auch im Batteriebetrieb
  • Preis

Contra

  • Software-Installation umständlich
  • Klangqualität des integrierten Lautsprechers
  • Joystick zu schwammig
Titelbild: Debora Pape

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Hamburger, Leseratte, Eishockey-Fan. Papa und Grosspapa. Bastelt ständig an seinem Smarthome herum. Interessiert an DIY, Outdoor, Mode und Kosmetik.


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