
Monatsbücher September: Vom Dungeon über Australien und Taipeh nach St. Moritz
Im September habe ich mich in ein neues Genre gewagt, bin mit einer Hochstaplerin nach St. Moritz gereist, habe Maddie und Celeste wiedergetroffen und in Paris ein lange gesuchtes Buch ergattert. Zum Schluss ging es nach Taipei. Welche meiner Monatsbücher sich lohnen und bei welchen du getrost weiterblättern kannst, erfährst du hier.
Ein (kurzer) Ausflug in ein neues Genre
Stell dir folgendes Szenario vor: Du hast eine neue TV-Serie entdeckt, die dich zu Beginn komplett in ihren Bann zieht. Ein Genre, das für dich bis jetzt gänzlich unbekannt war. Dementsprechend ist alles neu, aufregend und mitreissend. Klingt gut, oder? Doch dann beginnt es zu bröckeln, Szene für Szene, Episode für Episode, und dein Enthusiasmus schwindet. Was dir zu Beginn gefallen hat, wird repetitiv und überspringbar.
So ging es mir mit «Dungeon Crawler Carl» von Matt Dinniman und dem Genre LitRPG. Normalerweise breche ich ein Buch ab, wenn es mir nicht gefällt. Hier habe ich trotzdem weitergelesen. Erklären kann ich es mir nicht. Ich denke, es hat mit Princess Donut, einer sprechenden Katze, zu tun. Dennoch werde ich die sieben weiteren Bücher der Reihe auslassen.
Übrigens, das Hörbuch sei fantastisch, wurde mir gesagt.
Lesen, wenn:
- du bereits im Gaming-Game bist
- du dich an das Genre LitRPG wagen möchtest
- du ein 8-teiliges Leseprojekt für den Herbst suchst

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Emperor Mollusk Versus the Sinister Brain
Englisch, A Lee Martinez
Mit Samara nach St. Moritz
Caroline Wahl liefert Bücher wie am Fliessband. Seit ihrem Debütroman «22 Bahnen», der 2023 erschien, hat sie jedes Jahr ein Buch veröffentlicht. Ihr Neuestes, «1999 Meter über dem Meer», hat mir wirklich gut gefallen!
Es fühlt sich an, als hätte Caroline Wahl ihre Gedanken einfach in die Tasten gehauen, direkt vom Kopf auf die Seite. Die Protagonistin Samara ist nahbar und gleichzeitig unsympathisch: Sie ist verloren, weiss nicht, ob sie nach dem Studium den richtigen Weg einschlägt, hat viele Fragen und eine innere Dunkelheit, die immer wieder hochkommt. Themen, mit denen sich viele in den Zwanzigern herumschlagen. So weit, so nahbar. Dann landet Samara auf ihrem Selbstfindungstrip in St. Moritz und kommt auf Tuchfühlung mit der High Society. Dort spinnt sie ein immer dichteres Lügengeflecht, und die Geschichte wird zunehmend zum Schelmenroman. Wie Caroline Wahl die Luxus-Bubble auf die Schippe nimmt, funktioniert ausgezeichnet. Der Roman verliert in St. Moritz zwar ein wenig an Realismus und Nahbarkeit, aber keineswegs an Unterhaltungswert.
Lesen, wenn:
- du Lust auf ein bisschen Satire hast
- du eine (Selbstfindungs-)Reise unternehmen willst
- du eine Protagonistin feierst, die zweifelhafte Entscheidungen trifft

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Zurück mit Maddie, Celeste und Co.
Ich habe es bereits in einem vorherigen Artikel geschrieben: Meine Haltung gegenüber Nachfolgeromanen, die zehn (oder mehr) Jahre nach dem ersten Werk erscheinen, ist skeptisch. Deshalb habe ich nicht viel erwartet, als ich «Big Little Truths» von Liane Moriarty aufgeschlagen habe.
Laut der australischen Autorin kann man das Buch auch lesen, ohne das Original «Tausend kleine Lügen» zu kennen. Ich muss ihr hier fast schon vehement widersprechen, denn das Buch greift viele Details, Charaktere und Handlungsstränge aus dem ersten Teil wieder auf. Die Erzählperspektive wechselt von Kapitel zu Kapitel, ein Stilmittel, das ich grundsätzlich mag und das auch hier gut funktioniert. Sonst hat aber nicht alles funktioniert: Liane Moriarty hat sich in diesem Roman zu viel vorgenommen. Verschiedene Themen und Handlungsstränge wurden kurz angedeutet oder angefangen und dann einfach nicht durchgezogen.
Kurz gesagt: Kann man lesen, muss man aber nicht.
Gut zu wissen: Anscheinend ist eine dritte Staffel der TV-Serie «Big Little Lies» in Planung. «Big Little Truths» soll hier als Grundstoff dienen.
Lesen, wenn:
- du die TV-Serie «Big Little Lies» gefeiert hast
- du Bücher mit verschiedenen POVs magst
- du Spannung, aber keinen Mord brauchst
Nur auf Englisch verfügbar. Deutsches Publikationsdatum unbekannt.

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Lange gesucht, hat sich gelohnt
Dieses Buch habe ich lange gesucht und nicht gefunden, bis ich es in einem kleinen Buchladen in Paris ergattert habe. Momentan ist «Fruit Fly» zwar noch recht nischig, aber ich bin überzeugt, dass der Hype um Josh Silvers Roman rasant zunehmen wird.
Das Buch folgt der Schriftstellerin Mallory, die sich nach ihrem Erstlingserfolg vor sieben Jahren in einer Schreibblockade befindet. Sie googelt, wie man einen Bestseller schreibt, und stösst auf Reddit auf den Tipp: «Go gay. Go sad. Go dark.» Bald daraufhin trifft Mallory auf Leo, einen schwulen, drogensüchtigen Mann, dessen Geschichte sie zu neuem Erfolg führen soll. Der Inhalt hat mich zu Beginn an «Yellowface» von Rebecca F. Kuang erinnert, er wird aber um einiges düsterer. Autor Josh Silver hat als Pflegefachmann mit Schwerpunkt Psychiatrie gearbeitet. Diese Erfahrungen fliessen in seinen Roman ein, ebenso wie seine Erfahrung als schwuler Schauspieler. In einem Interview sagte er, Leos Geschichte sei ähnlich wie seine. Übrigens: Wir haben «Fruit Fly» zwar im Sortiment, aber es gibt zwei traurige Nachrichten. Die englische Version ist aktuell im Nachdruck, und die deutsche Version «Fruchtfliege» erscheint erst Ende April 2027 (!).
Falls du also jetzt «Fruchtfliege» in die Suchleiste eingibst, wirst du kein Buch mit diesem Titel finden, sondern halt einfach Fruchfliegen-Fallen.

Lesen, wenn:
- du gut mit unsympathischen Charakteren klarkommst
- dich düstere Geschichten mitreissen
- du das gleiche Buch wie Anne Hathaway lesen willst
Bis die deutsche Version erscheint (und die englische geliefert wird), wirst du vielleicht bei den unten stehenden Tipps fündig:
Eine detaillierte Taipeh Story
Mit Rebecca F. Kuang und mir ist das so eine Sache. Das hatte ich in einem früheren Artikel bereits festgestellt. «Yellowface» fand ich packend, «Katabasis» hingegen hat mich gar nicht abgeholt.
Ihr neuestes Werk «Taipei Story» habe ich zwar gelesen, aber bin noch unentschlossen, ob es mir gefallen hat. Es scheint der Monat der unsympathischen Protagonistinnen zu sein, denn auch die Studentin Lily Chen ist nicht gerade eine liebenswerte Figur. Der Name des Romans ist Programm: Es ist eine Geschichte, die in Taipeh spielt. Es geht im Grunde um ein Sommerprogramm für chinesisch-amerikanische Studenten. Der Entwicklungsroman folgt Lily, wie sie einen bisher wenig erforschten Teil ihrer Identität entdeckt. Nur leider kommt das nicht so gelungen daher. Es geht immer wieder um die kulinarischen Eigenheiten in Taiwan und um die tropische Hitze. Dafür, dass auf dem Buchrücken der Verlust von Lilys Grossvater grossgeschrieben wird, wurde er meiner Meinung nach nicht tiefgründig genug behandelt. Ist viel geschehen? Nein. Habe ich einiges über Taipeh gelernt? Ja, irgendwie schon. Der Roman liest sich wie etwas zwischen Dissertation und Reiseführer – ob das gut ist, darüber kann diskutiert werden.
Lesen, wenn:
- du den Schreibstil von Rebecca F. Kuang magst
- du mehr über die Kultur Taiwans lesen möchtest
- du Geschichten magst, die in einer Diaspora spielen
Bisher nur auf Englisch verfügbar. Die deutsche Version erscheint im März 2027.

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