
Wenn du «Lázár» mochtest, gefallen dir auch diese 5 Bücher
Ich habe mich dem Hype doch noch ergeben und «Lázár» von Nelio Biedermann gelesen. Meine Gefühle dazu sind ambivalent, aber das sind meine 5 Buchtipps, falls dich das «Lázár»-Fieber noch nicht losgelassen hat.
«Lázár» von Nelio Biedermann erschien vor einem Jahr, wurde direkt für den Schweizer Buchpreis 2025 nominiert und in zwanzig Sprachen übersetzt. Es ist bereits das zweite Buch, das der 23-Jährige Schweizer veröffentlicht hat. Ich hatte hohe Erwartungen, obwohl ich von meinem Umfeld widersprüchliche Meinungen zum Buch gehört habe. Sowohl in meinem Freundeskreis als auch bei Literaturkritikern bildeten sich zwei Lager: Die einen feiern Nelio Biedermann dafür, in so zartem Alter einen so wuchtigen Roman geschrieben zu haben, die anderen nehmen es ihm nicht ganz ab. Ich selbst befinde mich irgendwo dazwischen. Falls du dich zu den Ersteren zählst, werden dir die folgenden 5 Bücher bestimmt auch gefallen. Sie erinnern mich thematisch, stilistisch oder atmosphärisch (oder alles gleichzeitig) an «Lázár».
1. «Buddenbrooks» - Thomas Mann
«Buddenbrooks» von Thomas Mann ist etwas für dich, wenn du fast dieselbe Geschichte nochmal lesen willst. Die Geschichte spielt zur gleichen Zeit und befasst sich mit demselben Thema, jedoch in Deutschland statt in Ungarn. Eine weitere Gemeinsamkeit: Thomas Mann war auch erst Mitte Zwanzig bei der Veröffentlichung von «Buddenbrooks». Das Buch handelt, wie bei «Lázár», von der Familiengeschichte des Autors. In nur drei Generationen vom Adel zum finanziellen Ruin. Anders als Nelio Biedermann lebte Thomas Mann in der Zeit, in der sich die Geschichte abspielt. Das Buch feierte dieses Jahr seinen 125. Geburtstag.
2. «Vielleicht Esther» - Katja Petrowskaja
Während die Protagonisten in «Lázár» mit dem schlechten Gewissen kämpfen, auf der Täterseite des Zweiten Weltkriegs zu stehen, geht es bei «Vielleicht Esther» um die Aufarbeitung dieser Gräueltaten. Die Autorin reist in die Vergangenheit ihrer eigenen Familie. In der Ich-Perspektive arbeitet Katja Petrowskaja dabei Anekdoten und Familienerinnerungen auf und besucht verschiedene historisch relevante Plätze und Gedenkstätten, die sie in die Geschichte einfliessen lässt. Im Zentrum der Geschichte steht dabei ihre jüdische Urgrossmutter, die während des Zweiten Weltkriegs verschleppt und beim Massaker von Babyn Jar ermordet wurde. Sie hiess, wie der Titel andeutet, vielleicht Esther.
3. «Während wir feiern» - Ulrike Ulrich
«Während wir feiern» von Ulrike Ulrich gehört auf deine Liste, wenn du vor allem das Erzähltempo von «Lázár» mochtest. Diese langen Sätze mit unendlich vielen Kommas, die mich als Leserin fast schon künstlich unter Spannung stehen lassen, und ich nicht aufhören kann zu lesen, bis dann endlich mal wieder ein Punkt kommt, und ich mich von der Länge des Satzes, in Kombination mit der Spannung des Inhalts, erholen kann. Thematisch könnte die Geschichte auf den ersten Blick nicht ferner von «Lázár» sein. Das ganze Buch spielt sich an einem einzigen Tag ab, an einem 1. August in Zürich. Es erzählt das Leben von drei Protagonisten, deren Leben ineinander verwoben ist, obwohl sie nicht unterschiedlicher sein könnten. Aber auch wenn die Geschichte in unserer Zeit spielt, geht es um ähnliche Themen wie bei «Lázár». Der Kontrast von arm und reich, wer das Land verlassen muss und wer bleiben darf, und wie sich grosse politische Entscheidungen auf das eigene Leben auswirken.
4. «Was vom Tage übrig blieb» - Kazuo Ishiguro
«Was vom Tage übrig blieb» von Kazuo Ishiguro wirst du lieben, wenn du die trockene Schreibweise von Nelio Biedermann mochtest. Beide Bücher haben mich an mehreren Stellen überrascht, mit dem Kontrast zwischen der emotionslosen Art, wie etwas beschrieben wurde, und den Gefühlen, die das Gesagte in mir ausgelöst hat. «Was vom Tage übrig blieb» erzählt die Geschichte des Butlers eines englischen Lords. Sein ganzer Lebenssinn besteht darin, seine Aufgaben perfekt zu erfüllen. Dabei gibt es keinen Platz für eigene Meinungen und Gefühle, und auch die Handlungen und Entscheidungen seines Dienstherrn werden nicht hinterfragt. Und dies obwohl im Laufe des Buchs immer klarer wird, dass dieser sich auf die Seite der Feinde geschlagen hat.
5. «Ende eines Familienromans» - Péter Nàdas
Wie bei «Lázár» geht es bei «Ende eines Familienromans» von Péter Nàdas um Ungarn in der Stalin-Ära. Erzählt wird es jedoch aus der Sicht eines kleinen, namenlosen Jungen. Die Welt eines Kindes, geprägt durch den Terror der Welt, in den sein Vater verstrickt ist. Und die Geschichte des Judentums, erzählt vom Großvater und durch Kinderaugen interpretiert. Ich habe während des Lesens erlebt, wie ein Kind versucht, eine schreckliche Welt zu erklären.
Hast du eines davon schon gelesen? Ich bin neugierig auf deine Meinung.
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