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Möbel mit Schweizer-Taschenmesser-Ansatz

Pia Seidel
Zürich, am 14.06.2022
Bilder: Pia Seidel

One size ist out: Der Trend geht in Richtung eines individuellen Möbelsystems für alle Innenräume. Das zeigen diese drei beispielhaften Kollektionen, die an der Mailänder Designwoche zu sehen waren.

Kleidung mit einer Einheitsgrösse für alle ist bereits in der Mode umstritten. Jetzt hinterfragen kreative Köpfe, ob das Konzept in der Möbelwelt dann eine gute Lösung sein soll. Loose Parts, Tijana Kostić und Feltrin De La Miranda – alle drei Designstudios lehnen konventionelle Möbel ab und entwerfen solche, die die Eigenschaften eines Schweizer Taschenmessers haben: zeitlos, praktisch und flexibel. Mit ihrer Arbeit laden sie dich auch dazu ein, (deine) Inneneinrichtung neu zu denken.

Original Assembly Kit: Möbel für unbekannte Wohnverhältnisse

In uns allen steckt ein Bob der Baumeister. Davon ist die Designerin Jennifer June überzeugt. Sie hat beobachtet, wie wir ständig an unseren Innenräumen herumschrauben und findet, dass wir das Gleiche auch mit unseren Möbeln tun können sollten. Deshalb hat sie für ihr Label Loose Parts einen veränderbaren Möbel-Baukasten entwickelt. Original Assembly Kit (OAK) besteht aus losen Teilen wie Schienen, Metallbeschlägen und Regalböden, die du zu unterschiedlichen Möbeln zusammensetzen kannst. Ob Garderobe, Regal oder Tagesbett – du baust jedes Teil nach Belieben bei der Montage in verschiedenen Höhen ein. So soll es auch in einer anderen Wohnung passen, wenn du mal umziehst.

Das Set «OAK» bringt dich dazu, Möbel nicht mehr nur als eigenständiges Objekt…
Das Set «OAK» bringt dich dazu, Möbel nicht mehr nur als eigenständiges Objekt…
…, sondern als ganzes System zu sehen.
…, sondern als ganzes System zu sehen.
Loose Parts an der Ausstellung «Alcova», Milan Design Week 2022.
Loose Parts an der Ausstellung «Alcova», Milan Design Week 2022.

Die Idee für OAK kam Jennifer June in der Zeit nach dem ersten Lockdown. Einerseits war sie erschrocken über die vielen aussortierten Möbel auf der Strasse, andererseits haben sie die improvisierten Lösungen inspiriert: «Es war anregend (...) zu sehen, wie viele Unternehmen temporäre Aussenerweiterungen ihrer Ladenfront von einfachen Pop-ups zu vollständig gewachsenen Umgebungen bauten», erklärt sie. Die Designerin hat darin eine zukunftsweisende «Landschaft», wie sie es nennt, gesehen. Eine, die aus ungebundenen Wänden und losen Möbeln besteht und sich je nach Bedarf ausdehnt oder zusammenzieht, aber sicher nicht auf der Mülldeponie landet.

Subversion: Couchtischbücher-Tische

Viele geben ihre Bücher nach dem Lesen weg. Nicht so Tijana Kostić. Sie macht sie zum funktionellen Teil eines Tischs. Ihre Kollektion Subversion ist eine Sammlung wandelbarer Möbelstücke. Der Clou: Alle Teile sind anpassungsfähig. Du wählst nur aus, welches Buch, Material oder welche Tischplattengrösse du möchtest und schon entwirfst du mithilfe von Klemmen dein eigenes Design. Damit will die gelernte Architektin fördern, dass du kaputte oder ungenutzte Dinge wiederverwendest und ihnen ein neues Leben gibst.

Eigentlich dekorieren Coffeetable Books den Tisch.
Eigentlich dekorieren Coffeetable Books den Tisch.
Hier sind die Bücher der Tisch.
Hier sind die Bücher der Tisch.
Die Kollektion von Tijana Kostić am «Salone Satellite», Milan Design Week 2022.
Die Kollektion von Tijana Kostić am «Salone Satellite», Milan Design Week 2022.

Momente, in denen du im Alltag ad hoc reagierst, inspirieren Tijana Kostić. Als Architektin hat sie diese besonders oft auf Baustellen beobachtet. Ihr haben die improvisierten Möbel gefallen, die dort während des Baus provisorisch konstruiert werden. «Funktional, unbefangen, wandelbar und mehrdeutig genug, um Geschichten zu erzählen», findet sie.

No More Less Chair: Ein Stuhl fürs Alter

Vielleicht weisst du nicht viel über Design, aber du weisst sicher, wenn du ein schlechtes besitzt: Das vermeintlich schöne Stück geht entweder schnell kaputt oder passt sich schlicht nicht deinem Lebensstil an. Studio Feltrin De La Miranda will dem entgegenwirken. Den Anfang macht es mit dem No More Less Chair. Der Stuhl ist dekorativ wie funktional, soll aber auch mit dir wachsen und benutzerfreundlich bleiben. Dank seiner vielen Einstellungsmöglichkeiten richtet er sich nach deinem Körper. Und weil er sich in flache Einzelteile zerlegen lässt, transportierst du ihn leicht von A nach B.

Dank der modularen Eigenschaften stellst du den Stuhl passend zum Körper ein.
Dank der modularen Eigenschaften stellst du den Stuhl passend zum Körper ein.
Der No More Less Chair am «Salone Satellite», Milan Design Week 2022.
Der No More Less Chair am «Salone Satellite», Milan Design Week 2022.

«Die Pflege unserer bewährten Habseligkeiten sollte so elegant sein wie der Besitz der neuesten», lautet das Motto von Francesco und Francisco. Deshalb kannst du den Stuhl nicht nur individuell einstellen, sondern auch problemlos selber warten. Das Duo will sich einer vernachlässigten Kategorie in der Möbelindustrie widmen: Design für ältere Menschen. Nachdem sie Menschen in ihren Sechzigern zu ihrer physischen und emotionalen Beziehung zu ihren Möbeln befragt haben, haben die Designer beschlossen, das Projekt «No More Less Caring» ins Leben zu rufen. Der Stuhl soll erst der Anfang sein. «Wir stellen uns eine Welt vor, in der es mehr Fürsorge gibt und wollen dies mit unserem detailorientierten Denken unterstützen.»

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Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres.
– Albert Einstein


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