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Moderne Bademode mit Retro-Flair

Nathalie Schweizer hat geschafft, wovon viele Designer träumen: Sie hat sich mit ihrer Bademode einen Namen gemacht. Jetzt entwirft sie Stücke für ein Museum. Eine Zeitreise mitten in Zürich.

Ich stehe vor dem Atelier der Designerin Nathalie Schweizer und bin überrascht: Die Hausnummer 182 führt mich nicht in eine vermeintliche Kreativschmiede, sondern in ein modernes Ladenlokal an der Weststrasse in Zürich. Hier befindet sich zur Hälfte ihr Shop sowie Atelier und zur anderen Hälfte der Möbelsystem-Showroom ihres Mannes.

Die Zürcherin ist Beweis dafür, dass der Traum vom eigenen Fashionlabel auch ohne Diplom einer Fachhochschule für Modedesign möglich ist. Über Umwege kam die gelernte Kindergärtnerin zu ihrer Marke. Nach einem vierjährigen Zwischenstopp als Flugbegleiterin bei der Swissair absolvierte die damals 27-Jährige eine Schneiderausbildung. Und begann mit dem Entwerfen von Damenbekleidung. «Irgendwann bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich keine Lust mehr hatte, weil die Modebranche kein leichtes Pflaster ist», so Nathalie. Nach einem halben Jahr Zwangspause begann sie wieder mit dem Schneidern, weil sie eine Nische entdeckt hat: Da sie gerne schwimmt, wollte sie sich auf Bademode spezialisieren. Das war vor zehn Jahren.

Im Oktober 2018 hat Nathalie (links) das Ladenlokal an der Weststrasse bezogen.

Seitdem hat sich in der Branche einiges verändert. Während Kundinnen früher auf Nummer sicher gingen und Bikini & Co. lieber direkt im Laden anprobiert haben, steigt die Zahl der Online-Bestellungen. Dies hat zum einen mit der Hemmschwelle zu tun: Einige Frauen probieren ihre Kleider am liebsten in gewohnter Umgebung an. Bei einem Bikini ist dieser Wunsch aus falscher Scham noch grösser. Zum anderen ist der Versand ein bequemer Service, der es ermöglicht, ausserhalb von Öffnungszeiten zu shoppen. «Die meisten Online-Bestellungen erhalte ich aber von Kundinnen, die meine Stücke bereits tragen und ihre Grösse kennen.» Ein Umtausch ist bei ungetragenen Modellen immer möglich. An Bestellungen aus dem Ausland hapert es noch, da ihr der Schweizer Zoll mit zusätzlichen Kosten einen Strich durch die Rechnung macht.

Das Ladenlokal dient gleichzeitig als Lager. Von hier aus verschickt Schweizer ihre Bademode. Das funktioniert, weil sie einen Hauch von nichts entwirft.

One-Woman-Show

Pro Jahr entwirft Schweizer eine neue Kollektion. Ältere bleiben. Im Winter fliegen in ihrem Atelier Skizzenpapiere und Schnitte herum. Die Nähmaschine rattert im Minutentakt, wenn sie Prototypen näht. Mit den Mustern fährt sie anschliessend in die Produktionsstätte nach Norditalien, wo sie mit der Hausschneiderin zusammensitzt und ihre Ideen und Wünsche bespricht. «Meine Prototypen fertige ich in einer Grösse an. Diese werden dann von der Produktion auf die verschiedenen Masse adaptiert», so die Modemacherin.

In den Sommermonaten ist Büroarbeit an der Tagesordnung. «Ich mache alles selbst: Von der Buchhaltung über den Verkauf bis hin zum Bereitstellen der Pakete.» Im Atelier an der Weststrasse entdecke ich beige Baumwollsäckchen, darin werden die Modelle verschickt. Und eine Bikinihose mit einem Schnitt im Schritt. «Eine Kundin kam eben verzweifelt zu mir, weil ihr Kind mit einer Schere in die Badehose geschnitten hat.»

Schweizer kann mittlerweile von ihrer Bademode leben, ihre zeitlosen Modelle sind sportlich-elegant.

Nathalies Designs sind schlicht und modern. Ihr Sortiment ist klein aber fein und lässt sich nach Lust und Laune kombinieren. Sprich: Bei einem Bikini kaufst du das Ober- und Unterteil separat. So kannst du deinen Look variieren. Ein weiterer Grund ist die Passform: Viele Frauen haben am Ober- und Unterkörper nicht dieselbe Grössen. Zu den Bestsellern zählt das Modell «Cross», das gekreuzte Träger am Rücken hat. Durch Lockern respektive Festigen der Träger können der Halt der Brust sowie die Weite individuell angepasst werden. Die Frage, ob sie sich von Trends inspirieren lässt, bejaht Nathalie. «Prinzipiell nähe ich, was mir gefällt, aber auch Trends sind wichtig. Sie beeinflussen mich nonstop.» Egal, ob in Filmen oder Fashionzeitschriften: Sobald sie einen Trend erkennt, münzt sie diesen auf ihre Bademode um. Dabei kann es sich auch nur um Details handeln.

Schwimmanzüge von anno dazumal

Der Grund für meinen Besuch bei Schweizer ist die Sonderausstellung «Badenixen und Strandburschen. Hanro-Bademode der 1930er-Jahre» im «Museum.BL» in Liestal. Dort dreht sich zurzeit alles rund um Bademode aus vergangener Zeit. Anlässlich dieser Ausstellung wurde die Designerin vom Museum angefragt, ob sie eine Neuinterpretation der Hanro-Schwimmanzüge entwerfen möchte. Schweizer war sofort Feuer und Flamme. Im Dezember 2017 erhielt sie das definitive Go.

Bei der Ausstellung «Badenixen und Strandburschen. Hanro-Bademode der 1930er-Jahre» dreht sich alles rund um Design, Werbung und den Zeitgeist der Hanro-Bademode. Bild: Museum.BL

Für die vierteilige «Madeleine»-Linie, bestehend aus einem Badeanzug mit tiefem Rücken und einem Bikinioberteil, das mit einer Panty oder einer High-Waist-Hose kombiniert wird, hat sich die Zürcher Designerin von den Hanro-Archiven inspirieren lassen. Der Kollektionsname ist eine Hommage an Madeleine Kriesemer-Handschin, die Tochter des Direktors der Textilfabrik. Im Alter von 17 Jahren übernahm Kriesemer-Handschin den Posten ihres verstorbenen Vaters. Unter ihrer Leitung ist die Hanro-Bademode entstanden. Damals wurden Schwimmanzüge noch aus Wolle gefertigt. Madeleine liess dehnbare Fäden aus Pirelli-Gummis entwickeln, die in den Stoff integriert wurden – ein Novum.

«Meine Kollektion soll zwar Retro-Flair versprühen, aber trotzdem tragbar und modern sein. Beim Durchstöbern der Firmenarchive fielen mir gestreifte Strickmuster und einfache Schnittlösungen auf», erzählt Nathalie Schweizer weiter. Um bei ihren Stücken den Wollcharakter aufzugreifen, machte sie sich auf die Suche nach einem Hersteller von Jacquard-Strick für Bademode, den sie schliesslich in Frankreich fand.

Im In­nen­fut­ter des Madeleine-Badeanzugs ist un­ter­halb der Brust ein Elast ein­ge­näht, das zu­sätz­li­chen Halt bie­tet. Die unifarbenen Träger waren für die Marke Hanro typisch.

Mir fällt auf, dass in die Brustteile ihrer Bikinis und Badeanzüge keine Schalen oder Stäbchen eingearbeitet sind. Darauf angesprochen, erklärt Schweizer, dass ihr diese schlichtweg nicht gefallen. Das ist auch der Grund, weshalb sie kaum ein Modell in der Grösse XL führt. «Ab einer gewissen Körbchengrösse bevorzugen Frauen Schalen oder Pölsterchen, die Halt geben.» Sie ist sich aber bewusst, dass die Nachfrage besteht, und arbeitet bereits an einer Lösung. «Am liebsten eine körbchenfreie», verrät sie schmunzelnd.

Die grosse Glastür an der Weststrasse 182 fällt hinter mir ins Schloss. Ich stehe zwar im modernen Zürich, fühle mich nach dem Besuch bei Nathalie Schweizer aber 90 Jahre zurückversetzt. Bademode von damals für die Frau von heute. Ein schönes Konzept, das meiner Meinung nach aufgeht.

Neben der Sonderausstellung «Badenixen und Strandburschen. Hanro-Bademode der 1930er-Jahre» bietet das Archiv auf dem Hanro-Areal Einblicke in über 100 Jahre Textilgeschichte. Die Sonderausstellung läuft noch bis zum 13. Oktober 2019 im Museum.BL in Liestal.

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Vanessa Kim, Zürich

  • Editor
Wenn ich mal nicht als Open-Water-Diver unter Wasser bin, dann tauche ich in die Welt der Fashion ein. Auf den Strassen von Paris, Mailand und New York halte ich nach den neuesten Trends Ausschau und zeige dir, wie du sie fernab vom Modezirkus alltagstauglich umsetzt.

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