Meindl Breithorn GTX: Wanderschuh überzeugt im Test
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Meindl Breithorn GTX: Wanderschuh überzeugt im Test

Patrick Bardelli
Zürich, am 03.11.2021

Meindl verspricht mit dem Breithorn GTX einen Hochgebirgsschuh, der bei extremen Einsätzen in kritischem Gelände absolut verlässlich ist. Und hält Wort. Nach zwei Tagen im unwegsamen Calancatal bin ich mit dem Schuh restlos zufrieden.

Gutes Schuhwerk ist das A und O auf einer Wanderung. Obwohl es bei Wanderschuhen eigentlich das A und D heissen müsste. Je nach Anwendungsgebiet sind die Schuhe nämlich unterschiedlich konstruiert. Die Meindl Anwendungsgebiete geben hier Aufschluss, welcher Schuh sich für welche Unternehmung am besten eignet. 1976 überlegte sich Alfons Meindl als Erster diese Einteilung, von A bis D, die heute fast Allgemeingültigkeit beim Wanderschuhkauf hat. Speziell im Hochgebirge oder durch wegloses Terrain bist du auf einen top Schuh angewiesen. Kürzlich habe ich diesbezüglich eine unangenehme Erfahrung gemacht.

Ein kurzer Rückblick

Ich erinnere mich noch gut an den kritischen Blick des Jägers auf meine Füsse. Es war im Juni, als ich eine Jagdgesellschaft bei den Vorbereitungen zur diesjährigen Bündner Hochjagd begleitete. Im abgelegenen Calancatal hatte ich einen Wanderschuh von Salewa an den Füssen. Und obwohl ich bisher mit diesem Modell auf meinen Wanderungen zufrieden war, stiess ich hier mit diesem Schuh an meine Grenzen.

Auf dem Weg zu einem abgelegenen Hochplateau, durch unwegsames Gelände, etwa 100 Höhenmeter in Falllinie den Berg hinauf, blieb ich auf halbem Weg stecken. Keine Chance, den Jägern zu folgen. Zu steil der Hang, zu feucht und matschig der Untergrund. «Für dieses Terrain trägst du die falschen Schuhe», meinte einer von ihnen und blickte, wie erwähnt, kritisch auf meine Füsse. Es blieb mir nichts anderes übrig, als mich alleine auf den Rückweg zur Hütte zu machen, während die Jäger weiter den Berg hinauf stapften. Diese Erfahrung sollte mir eine Lehre sein.

Der Breithorn GTX von Meindl noch blitzsauber vor der ersten Wanderung.
Der Breithorn GTX von Meindl noch blitzsauber vor der ersten Wanderung.

Aus Erfahrung schlauer

Gleiche Jagdgesellschaft, gleiches Tal – anderer Schuh: Wieder bin ich im Calancatal, dieses Mal begleite ich die Jäger auf der eigentlichen Jagd, der Bündner Hochjagd.

*Die Welt der Jäger:** Reportage von der Bündner Hochjagd*Die Welt der Jäger:** Reportage von der Bündner Hochjagd
ReportageNachhaltigkeit

Die Welt der Jäger: Reportage von der Bündner Hochjagd

Im Gegensatz zu meinem letzten Besuch hier im Juni habe ich nun, Ende September, aber einen anderen Schuh an den Füssen. Es ist der Breithorn Goretex mit hohem Schaft, den Meindl als ultimativen Hochgebirgsschuh mit D einstuft.

Es geht ins gleiche Gebiet wie damals im Juni. Hinauf zum abgelegenen Hochplateau, durch unwegsames Gelände, etwa 100 Höhenmeter in Falllinie steil den Berg hoch. Und wieder ist es feucht und matschig. Aber im Gegensatz zum Frühsommer kann ich nun im Herbst mit den Jägern bis zum Ende mithalten und muss nicht in der Hälfte des Weges umkehren. Auch kritische Blicke bleiben aus. Das liegt eindeutig am Schuhwerk

Rechts den Berg hinauf: im Juni nay, im September yay.
Rechts den Berg hinauf: im Juni nay, im September yay.

Ultimativer Härtetest am Mot Ciarin

Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg zum Mot Ciarin. Dabei überwinden wir auf einigen wenigen Kilometern über 500 Höhenmeter, durchqueren diverse Bäche und gehen immer wieder schräg am Hang entlang der Höhenlinie. Diese Wanderung auf über 2000 Metern über Meer ist sowohl körperlich als auch technisch eine Herausforderung. Die steigeisenfeste Multigriff-Sohle von Vibram ist mit einem tiefen Profil ausgestattet. Damit habe ich auch in diesem schwierigen Terrain einen guten Grip.

Die absolut steigeisenfeste Sohle des Meindl Breithorn GTX.
Die absolut steigeisenfeste Sohle des Meindl Breithorn GTX.

Das Obermaterial aus Veloursleder und Mesh ist wasser- und schmutzabweisend und dank der Goretex Membrane des Meindl Breithorn GTX bleiben meine Füsse den ganzen Tag über trocken. Ohne, dass dabei im Schuh ein unangenehmes, sprich schwitziges Klima entsteht. Dies liegt am Fussbett aus Vildona: Die Einlage absorbiert und speichert die gesamte Feuchtigkeit und trocknet schnell. Dieses Vlies sorgt ausserdem für eine gute Stabilität.

Das Innenleben des Breithorn GTX.
Das Innenleben des Breithorn GTX.

Fazit: ein klasse Bergstiefel

Nachdem ich im Juni mit meinem bisherigen Wanderschuh an meine Grenzen gestossen bin, hat der Breithorn GTX von Meindl in diesem anspruchsvollen Terrain voll überzeugt. Er ist mit 1050 Gramm pro Schuh rund 400 Gramm schwerer als der Crow von Salewa. Und genau das brauche ich im steilen, unwegsamen Gelände: Zwei Klötze an den Füssen, die ich beim Aufwärtsgehen in den Hang haue und so Halt finde. Beim Abwärtsgehen stelle ich den Schuh jeweils mit der Ferse zuerst ins Gelände und gehe so zügig bergab. Sieht ein wenig seltsam aus, ist aber effizient.

Der Meindl Breithorn GTX spielt in der gleichen Liga wie zum Beispiel der Nepal von La Sportiva, der Omega von Hanwag oder der Vulture Evo von Salewa. Er eignet sich aber nicht nur für Touren im Hochgebirge: Auch für Arbeiten in schwierigem Gelände, etwa im Gartenbau oder in der Landwirtschaft, ist dieser Schuh eine Überlegung wert. Meinen bisherigen Wanderschuh benutze ich auch in Zukunft auf leichten bis mittelschweren Wanderungen. Da bin ich lieber mit weniger Gewicht an den Füssen unterwegs. Wenn es jedoch sehr anspruchsvoll wird, setze ich künftig auf den Breithorn GTX von Meindl.

Gesucht, gefunden: Der Bergstiefel, wenn's mal wieder härter wird.
Gesucht, gefunden: Der Bergstiefel, wenn's mal wieder härter wird.

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Patrick Bardelli
Patrick Bardelli

Senior Editor, Zürich

Es zählt nicht, wie gut du bist, wenn du gut bist. Sondern wie gut du bist, wenn du schlecht bist.

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