Mehr Klemmbausteine, weniger Lego
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Mehr Klemmbausteine, weniger Lego

Carolin Teufelberger
Zürich, am 19.04.2021
Lego ist gross im Lizenzbereich, doch was Innovationen anbelangt, hinkt der Spielzeugriese der Konkurrenz langsam hinterher. Die Firma «Open Brick Source GmbH» setzt auf diese Alternativen und hat gerade eine Crowdfunding-Kampagne für ein günstiges programmierbares Roboterset lanciert.

«Endlich wurden wir erhört!»

So beginnt der Top-Kommentar zu dem Beitrag über Lego-Alternativen von Kollege Ramon. Bemängelt wird unter anderem der Umgang mit der Konkurrenz und und die hohen Preise des dänischen Spielzeugherstellers. Die Kund*innen wollen mehr Klemmbausteine und weniger Lego.

*Lego-Alternativen**, die einen Blick wert sind
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Lego-Alternativen, die einen Blick wert sind

Einer, der das weiss, ist Dr. Stefan Reissner. Der gelernte Betriebsökonom ist mit seiner Firma «Open Brick Source» als Spielwarendistributor tätig, wo er vor allem Klemmbausteine vertreibt – auch das Original. «Lego wird bei uns viel weniger bestellt als die Alternativen», sagt er. Das liegt sicher auch daran, dass es für Lego viele andere Vertreiber gibt, für die anderen Produkte aber bislang kaum welche im deutschsprachigen Raum.

Unterstützung für den Fachhandel

Die Klemmbausteine, die Reissner mit seiner Firma vertreibt, vereint vor allem der Innovationsgedanke. Da gibt’s zum Beispiel die Fabbrix-Klemmbausteine eines französischen Herstellers, die komplett aus Holz gemacht und dennoch mit Lego kompatibel sind. Oder auch Open-Bricks-Platten, ein eigenes Produkt, die von oben und unten bebaubar sind. «Wir liefern vor allem an den Fachhandel, haben aber auch einen Onlineshop, der aber unter 20 Prozent unseres Umsatzes ausmacht», so Reissner. «Open Brick Source» fokussiere sich absichtlich auf den Fachhandel, auch um diesen zu unterstützen.

Dr. Stefan Reissner
Dr. Stefan Reissner

Denn nicht nur für Kund*innen, die Wert auf Nachhaltigkeit oder einen fairen Preis legen, sind die Klemmbausteine von kleineren Herstellern interessant, sondern auch für den Handel. Reissner besitzt seit letztem März in Nordrhein-Westfalen ein eigenes Spielwarengeschäft und kennt daher auch diese Seite des Handels. «Durch die Monopolstellung und die grosse Verfügbarkeit herrscht bei Lego ein gnadenloser Preiskampf. Wer im Online-Vertrieb nicht zu den günstigsten gehört, hat keine Chance», sagt Reissner. Seiten wie brickmerge.de zeigen den Kund*innen ganz genau, welches Set wo wie viel kostet und treibt den Konkurrenzkampf so weiter voran. Auch Galaxus spielt dort meist um die vorderen Ränge mit. «Die Margen werden so weit nach unten getrieben, dass ein normaler Fachhandel kaum davon leben kann. 30 Prozent sind bei Lego schon gut. Gewisse Unternehmen haben ihre Logistik aber so stark optimiert, dass sie mit Margen von zehn bis fünfzehn Prozent funktionieren.»

Günstiger als Lego

Bei den Alternativen sei das anders. Gerade hat «Open Brick Source» eine Crowdfunding-Kampagne für den «Apitor Robot X», ein programmierbares Klemmbaustein-Set, auf startnext.com lanciert. Der Roboter kann auf zwölf verschiedene Arten zusammengebaut werden und Musik und Geräusche abspielen. Auf der dazugehörigen App können per Drag-and-Drop-Funktion Bewegungsabläufe und Reaktionen programmiert werden. «Mit knapp unter 100 Euro kostet es etwa ein Drittel dessen, was ein Lego Technic- oder Creator-Expert-Set kostet. Somit können es sich auch Familien mit wenig Einkommen leisten.» Zusätzlich wird pro 50 Euro, die über die Crowdfunding-Kampagne gespendet werden, ein Set an die Kinderstiftung «Arche» übergeben.

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Trotz dieses vergleichsweise tiefen Preises soll eine 100-Prozent-Marge für den Handel drin liegen, damit auch dieser wieder Geld mit Klemmbausteinen verdienen kann. Wenn alles gut geht, sollen im Spätsommer die ersten «Apitor Robot X»-Sets ausgeliefert werden. Hauptsitz und Produktion dieser Marke ist in Taiwan. «Ich habe den Co-Founder Kenny Wang an einer Spielwarenmesse kennengelernt und fand seine Idee super.» So wurde «Open Brick Source» zum Partner und hat sich die Vertriebsrechte im deutschsprachigen Raum gesichert.

Auch in seinem eigenen Geschäft in Olpe wird das Set dann zu finden sein. Letzten März, genau mit dem Beginn der Corona-Pandemie, hat er den Laden eröffnet. «Wir waren schon so weit, dass wir es trotz allem durchgezogen haben. Im Nachhinein wäre es aber auch kein Fehler gewesen, noch ein Jahr zu warten.» Denn in Deutschland ist der Fachhandel seit Monaten geschlossen. Immerhin könnten Kund*innen unterdessen mit Termin einkaufen, was auch regelmässig in Anspruch genommen wird. Vor allem samstags steht Reissner hinter der Theke und berät Kundschaft. «Viele kommen wegen Lego, weil sie gar keinen anderen Hersteller kennen, gehen dann aber mit dem Set eines anderen Klemmbausteineherstellers nach Hause, weil ihnen Material oder Idee mehr zusagen.»

Durch den enormen Bekanntheitsgrad von Lego kommt die Kundschaft vor allem wegen des Originals ins Geschäft von Stefan Reissner. Nicht selten verlassen sie den Laden dann aber mit einem anderen Set. Bild: spielexperte.de
Durch den enormen Bekanntheitsgrad von Lego kommt die Kundschaft vor allem wegen des Originals ins Geschäft von Stefan Reissner. Nicht selten verlassen sie den Laden dann aber mit einem anderen Set. Bild: spielexperte.de

Die Innovationen kommen unterdessen von den Kleinen

«Lego muss aufpassen, dass sie nicht die ganzen gesellschaftlichen Entwicklungen verschlafen», so Reissner. Viele Familien, vor allem junge Eltern, legen heute grossen Wert auf Nachhaltigkeit, die bei Lego zumindest nicht mehr oder noch nicht in gewünschtem Umfang gegeben ist. Wurde das Unternehmen ursprünglich von einem Tischlermeister für Holzspielzeug gegründet, hat es sich seit dem Kauf der ersten Plastikspritzgussmaschine 1947 dem Kunststoff verschrieben. Seit 1963 werden die Lego-Steine aus Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymer und damit teilweise aus Erdöl hergestellt. Der Spielzeughersteller hat den Spielwarenmarkt mit seinen Ideen revolutioniert, scheint unterdessen in Sachen Kreativität etwas ins Stocken geraten zu sein.

«Was Lego dagegen super macht, ist das mit den Lizenzen. Sie haben ein sehr gutes Gespür dafür, was bei Kindern, aber auch Erwachsenen funktionieren wird. Aber die Innovationen kommen meist nicht von Lego, sondern von der kleinen Konkurrenz», sagt Reissner. Wie zum Beispiel die LED-Klemmbausteine von Light Stax oder auch die Marke Biobuddi, die ihre mit Duplo zu vergleichenden Klötzchen aus Zuckerrohr fertigt. Auch der Bio-Plastik ist gerade in Sachen Abbaubarkeit noch nicht perfekt, doch er wird immerhin aus nachwachsenden Rohstoffen anstatt aus Erdöl gefertigt. Bei Lego soll der Wechsel 2030 vollzogen werden. Biobuddi gibt’s schon jetzt auf Galaxus zu kaufen. Für Light Stax, Fabbrix und auch Apitor laufen zumindest schon die Gespräche.

Reissner selbst ist seit seiner Kindheit Lego-Fan. «Wir waren sechs Jungs zu Hause. Ständig gab’s Streit, wer nun mit Lego spielen darf. Zu der Zeit konnte man mit den Klemmbausteinen noch alles bauen, was die eigene Fantasie hergab. Ich finde es viel cooler, eigene Sachen zu erfinden, als alles stier nach Anleitung zu bauen.» Genau, weil er selbst so viel Enthusiasmus für Klemmbausteine hat, will er den Leuten keine gute Idee vorenthalten. Egal, von wem sie am Ende kommt.

Ihr wurdet übrigens auch erhört, was den eigenen Produkttypen angeht. Unter Klemmbausteine findet ihr endlich alle Lego-Alternativen auf einen Blick.

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Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger
Editor, Zürich
Meinen Horizont erweitern: So einfach lässt sich mein Leben zusammenfassen. Ich liebe es, neue Menschen, Gedanken und Lebenswelten kennenzulernen,. Journalistische Abenteuer lauern überall; ob beim Reisen, Lesen, Kochen, Filme schauen oder Heimwerken.

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