Stefanie Lechthaler
Ratgeber

Liebesbrücken lösen meine Bettprobleme

Ich will nicht mehr im Gräbli (der Spalt zwischen zwei Matratzen) schlafen. Darum habe ich drei Liebesbrücken ein halbes Jahr lang getestet. Welche taugt etwas? Welche kannst du getrost liegen lassen?

Was im ersten Moment nach einem Erwachsenenspielzeug klingt, ist ein nützliches Gadget, das aus zwei Matratzen eine macht. Die T-förmige Matratzenbrücke oder eben Liebesbrücke überdeckt das berüchtigte Gräbli und lässt mich im Bett hin und herbewegen, ohne in der Lücke zu versinken.

Der Marianengraben kann dagegen einpacken.
Der Marianengraben kann dagegen einpacken.

Um zu testen, welche Liebesbrücke einem Fägnäscht (Bewegungsschläferin) wie mir standhält, habe ich während eines halben Jahres auf drei Modellen geschlafen und sie miteinander verglichen.

Flipline Liebesbrücke mit Spanngurt (200 x 18 x 14 cm)
Bett Zubehör
CHF42.90

Flipline Liebesbrücke mit Spanngurt

200 x 18 x 14 cm

softsleep Matratzenbrücke (200 x 20 x 10 cm)
Bett Zubehör
CHF29.95

softsleep Matratzenbrücke

200 x 20 x 10 cm

Flipline Liebesbrücke mit Spanngurt (200 x 18 x 14 cm)
CHF42.90

Flipline Liebesbrücke mit Spanngurt

200 x 18 x 14 cm

softsleep Matratzenbrücke (200 x 20 x 10 cm)
CHF29.95

softsleep Matratzenbrücke

200 x 20 x 10 cm

Flipline: Der Keil zum umschnallen

Erster Eindruck: Schick! Die Flipline inklusive Spanngurt wird mir in einer Tasche geschickt. Das verleiht ihr einen hochwertigen Ersteindruck. Dass ich die Flipline jemals wieder in die Tasche stopfe, glaube ich aber nicht.

Die Flipline wird von den drei Produkten als Einzige in einer Tasche geliefert.
Die Flipline wird von den drei Produkten als Einzige in einer Tasche geliefert.

Die Liebesbrücke besteht grösstenteils aus Polyester mit «Memory-Foam»-Effekt. Drücke ich sie zusammen, gibt das Material leicht nach, bevor es wieder in seine ursprüngliche Form zurückspringt. Die 18 Zentimeter breite Auflagefläche ist leicht gepolstert und mit einem Stoffbezug bedeckt. So liegt der Matratzenbezug nicht direkt auf dem Schaumgummi auf. Waschbar ist sie nicht.

Damit die Matratzen besser zusammenhalten, gehört zur Flipline ein Spanngurt, den ich erst durch die Lasche der Liebesbrücke und dann um beide Matratzen ziehe. Die Idee: Der Spanngurt drückt die beiden Matratzen so fest zusammen, dass der Keil dazwischen festsitzt und nicht mehr heraus kann. Die Rillen im Keil sollen diesen Effekt wie Widerhaken verstärken.

Der Spanngurt hält die Matratzen zusammen.
Der Spanngurt hält die Matratzen zusammen.
Der Gurt drückt die Matratzen zusammen und klemmt den Keil der Liebesbrücke ein.
Der Gurt drückt die Matratzen zusammen und klemmt den Keil der Liebesbrücke ein.

Im Alltag: Ich setze all meine Hoffnung in die Flipline. Von den drei Modellen sieht sie am besten verarbeitet aus. Aber es dauert nicht lange, bis ich mich das erste Mal nerve. Wenn ich darauf liege, empfinde ich sie als zu hart und das trotz – oder vielleicht gerade wegen – des Memory-Foams.

Nach ein paar Wochen ändert sich das aber zum Glück, weil das Material weicher wird. Ich schlafe bequemer. Doch bald nerve ich mich wieder. Ich liege zwar immer noch weich, aber die Liebesbrücke rutscht immer öfter ganz in den Spalt hinein und bleibt zusammengedrückt drin. Wahrscheinlich wegen der schmalen Liegefläche. Ich fische sie nun fast täglich zwischen den beiden Matratzen heraus.

Einmal reisst ein Stück vom Schaumstoff ab, als ich die Flipline zwischen den Matratzen herausziehe.
Einmal reisst ein Stück vom Schaumstoff ab, als ich die Flipline zwischen den Matratzen herausziehe.

Mit dem Gurt geht es mir ähnlich. Erst empfinde ich ihn als Segen, später als Last. Ich müsste ihn alle paar Wochen nachziehen, damit er die Matratzen richtig zusammenhält und wenn ich das Bettlaken wechsle, kommt er mir ständig in die Quere.

Die Auflagefläche über dem Keil ist mit Stoff bedeckt und sieht im Vergleich zu den anderen zwei Liebesbrücken hochwertig verarbeitet aus.
Die Auflagefläche über dem Keil ist mit Stoff bedeckt und sieht im Vergleich zu den anderen zwei Liebesbrücken hochwertig verarbeitet aus.
Die anfangs harte Auflagefläche fühlt sich nach einer Woche weicher und bequemer an.
Die anfangs harte Auflagefläche fühlt sich nach einer Woche weicher und bequemer an.
Aber nach ein paar weiteren Wochen grüsst der Spalt wieder täglich. Er verschlingt die Liebesbrücke.
Aber nach ein paar weiteren Wochen grüsst der Spalt wieder täglich. Er verschlingt die Liebesbrücke.

Rosenkern: Er ist kurz, dafür breit

Erster Eindruck: Weniger charmant als die Flipline und nur mit einer Plastikfolie überzogen: Das ist der erste Eindruck der Liebesbrücke von Rosenkern. Aber eigentlich braucht es gar nicht mehr. Die Auflagefläche ist 25 Zentimeter breit und mit einem Frotteebezug bedeckt, der aus 75 Prozent Baumwolle und 25 Prozent Polyester besteht. Die Oberfläche fühlt sich leicht kratzig an. Aber ich liege eh nicht direkt darauf. Der kurze Keil besteht aus Polyester (PU-Schaum). Die Rosenkern ist von den drei Modellen als einzige bei 30 Grad waschbar.

Ich halte das Modell im ersten Moment für überteuert. Das Material wirkt billig und wegen des kurzen Keils zweifle ich daran, dass die Rosenkern-Liebesbrücke ihre Aufgabe erfüllt. In der Hand fühlt sich das Material zu hart an und ich befürchte, dass ich unbequem darauf liege.

Der Keil ist zwar kürzer, dafür ist die Auflagefläche breiter.
Der Keil ist zwar kürzer, dafür ist die Auflagefläche breiter.

Im Alltag: Der Test im Alltag überrascht mich aber. Obwohl ich die Ränder leicht spüre, fallen sie mir im Schlaf nicht auf. Vielleicht, weil ich mich seit der Flipline schon an das Gefühl einer Liebesbrücke gewöhnt habe oder weil sie sich wie eine Erweiterung der Matratze anfühlt. Ich schlafe täglich darauf und verschwinde kein einziges Mal im Gräbli. Die breite Auflagefläche verteilt wohl mein Gewicht besser und sackt darum nicht ab. Kein nächtliches Herausziehen aus der Ritze und keine Verspannungen wegen ungemütlicher Schlafposition. Die Rosenkern fängt zwar nach ein paar Wochen an in der Mitte leicht durchzuhängen, aber sie sinkt trotzdem nie in sich hinein. Ich bin begeistert.

Der Frottee-Bezug fühlt sich kratziger an, als er aussieht.
Der Frottee-Bezug fühlt sich kratziger an, als er aussieht.
Der Umriss drückt zwar durch, …
Der Umriss drückt zwar durch, …
 …  aber beim Schlafen spüre ich die Rosenkern-Liebesbrücke kaum.
… aber beim Schlafen spüre ich die Rosenkern-Liebesbrücke kaum.

softsleep: Der billige Underdog

Erster Eindruck: Softsleep hat sich bei der Verpackung gar keine Mühe gegeben. Lose und ohne Schutzfolie liegt sie in der Kartonkiste. Der Preis kommt nicht von ungefähr.

Aber auch das Material ist simpel: Schaumstoff. Keine abgedeckten oder samtigen Oberflächen, nichts. Nur das Nötigste. Die Liebesbrücke lässt sich flexibel in alle Richtungen beugen und die Auflagefläche ist 20 Zentimeter breit. Damit ist sie nur leicht breiter als die Flipline. Ihre Oberfläche fühlt sich klebrig an. Nicht wie Leim, sondern eher wie die Unterseite eines Mauspads, die beim Drüberstreichen einen leichten Widerstand erzeugt. Ganz ehrlich: Das Modell wirkt billig, hat aber den Vorteil gegenüber den anderen, dass es sich mit der Schere auf die Wunschgrösse zuschneiden lässt. Waschbar ist der Schaumstoff nicht.

Die Softsleep ist flexibel und lässt sich auf die Wunschlänge zuschneiden.
Die Softsleep ist flexibel und lässt sich auf die Wunschlänge zuschneiden.

Im Alltag: Ich bin erstaunt: Liege ich im Bett auf der Liebesbrücke, merke ich schlichtweg nichts. Als wären die beiden Matratzen zusammengewachsen. Das bleibt auch in den weiteren Testwochen so. Wenn ich mal aus Versehen auf den Schaumstoff knie, rutscht er in den Spalt und ich muss ihn wieder herausziehen. Dabei brauche ich mehr Feingefühl als bei den anderen, wegen der «klebenden» Oberfläche. Einmal bleibe ich daran hängen und es entsteht ein Riss in der Liebesbrücke.

Weil das Material überall festhängt, reisst die Oberfläche schnell.
Weil das Material überall festhängt, reisst die Oberfläche schnell.
Ich muss die Matratzen auseinanderziehen, damit ich die Softsleep in den Spalt bekomme.
Ich muss die Matratzen auseinanderziehen, damit ich die Softsleep in den Spalt bekomme.

Die «klebende» Oberfläche hat ihre Vor- und Nachteile. Einerseits verhindert sie, dass die Liebesbrücke im Spalt versinkt, andererseits bleibt sie am Bettlaken hängen, wenn ich das Bett neu beziehe. Staub zieht die Oberfläche magisch an. Während ich die anderen Modelle teste, verliert die Liebesbrücke die Farbe. Statt strahlend weiss wird sie mit den Wochen gelblich. Nicht besonders schön, aber unter dem Bettlaken auch nicht weiter schlimm. Ich vermute, dass das Material mit der Zeit spröde oder beschädigt werden könnte. Und trotzdem: Das Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis stimmt.

Während ich die anderen Liebesbrücken teste, vergilbt die Oberfläche der Softsleep. Das sieht mit der Zeit unschön aus.
Während ich die anderen Liebesbrücken teste, vergilbt die Oberfläche der Softsleep. Das sieht mit der Zeit unschön aus.
Steckt die Softsleep erstmals richtig im Spalt, …
Steckt die Softsleep erstmals richtig im Spalt, …
 … verschwindet sie komplett unter dem Matratzenbezug.
… verschwindet sie komplett unter dem Matratzenbezug.

Fazit: Welche soll es denn sein?

Wenn du einen breiten Spalt zwischen den Matratzen hast, kannst du die Flipline direkt ausschliessen. Obwohl sie von den getesteten Modellen am hochwertigsten verarbeitet und eigentlich durchdacht ist, rutscht sie wegen der schmalen Auflagefläche immer wieder ins Gräbli. Den Gurt musst du regelmässig nachziehen. Für mich kommt daher die Flipline längerfristig nicht in Frage.

Was die anderen beiden Modelle betrifft, entscheidet am ehesten der Preis. Die Rosenkern kostet fast das Dreifache der Softsleep, aber wirkt auf mich langlebiger und erfüllt ihren Zweck problemlos. Die Softsleep wiederum verschwindet unter dem Bettlaken komplett, ist sehr bequem und lässt sich zuschneiden. Wie flexibel und widerstandsfähig das Material aber über längere Zeit bleibt, zeigt sich wohl erst nach einer noch längeren Zeit.

Mein Fazit: Eine breite Auflagefläche ist vorteilhaft. Sie verteilt das Gewicht der liegenden Person besser als eine schmale und sinkt dadurch weniger in den Spalt. Wie sich die beiden Modelle in den nächsten Jahren schlagen, werde ich herausfinden. Bis dahin bin ich froh, dass die Spalte gefüllt ist und ich mich ungestört über die gesamte Breite des Bettes wälzen kann.

Titelbild: Stefanie Lechthaler

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Die Wände kurz vor der Wohnungsübergabe streichen? Kimchi selber machen? Einen kaputten Raclette-Ofen löten? Geht nicht – gibts nicht. Also manchmal schon. Aber ich probiere es auf jeden Fall aus.


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