Lensball: Ein Blick in die Glaskugel
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Lensball: Ein Blick in die Glaskugel

David Lee
Zürich, am 17.05.2019
In einer Glaskugel sind allerlei wunderliche Dinge zu sehen. Das macht sie nicht nur fürs Wahrsagen interessant, sondern auch zum Fotografieren.

Dieses Ding hat kein OLED-Display. Du kannst damit nicht Musik hören oder im Internet surfen. Es ist nicht handlich und leicht. Es lässt sich kein Speicher nachrüsten, kein USB anschliessen und keine App drauf installieren.

Es ist einfach nur eine Glaskugel. Und die kannst du fotografieren.

Wozu soll das gut sein? Mit der Kugel werden originelle Bildkompositionen möglich, wie du sie sonst nicht einmal mit einer Überdosis Photoshop hinkriegst. Alles, was durch das Glas hindurchscheint, steht auf dem Kopf. Zudem entsteht eine Art Fischaugeneffekt: Es wird sehr viel von der Umgebung eingefangen und stark verzerrt abgebildet. Kurz: Was das Foto zeigt, ist auch in der Kugel sichtbar, aber nicht als blosse Wiederholung, sondern auf eine ganz eigene Art.

Die Kugel zeigt dasselbe, aber anders
Die Kugel zeigt dasselbe, aber anders

Wie bei jedem Glas gilt auch hier: Je nach Situation spiegelt es mehr oder weniger stark. Du siehst also nicht nur hindurch, sondern oft auch dich selbst. Besonders stark spiegelt es, wenn die Seite, wo du stehst, heller ist als die gegenüberliegende. Genau wie bei normalem Fensterglas.

In einer solchen Situation zeigt die Kugel fast nur Spiegelungen
In einer solchen Situation zeigt die Kugel fast nur Spiegelungen

Glas ist heikel. Auf hartem Untergrund bekommt die Kugel schnell Kratzer. Ich hab beim Ausprobieren nicht aufgepasst und tatsächlich hat die Kugel jetzt Gebrauchsspuren. Im Lieferumfang ist eine gepolsterte Tasche und ein Mikrofasertuch zur Reinigung enthalten. Das Tuch ist sehr grosszügig bemessen, die Kugel lässt sich mehrfach darin einwickeln.

Ein paar Tipps zum Einstieg

Der Lensball ist kein Tool, um etwas Langweiliges spannend zu machen. Es gibt nur ein gutes Foto, wenn es auch ohne Lensball zumindest okay wäre. Du musst also einen gewissen Aufwand betreiben: Ein interessantes Motiv finden, warten, bis das Licht günstig ist, und vor allem: sehr genau auf die Bildkomposition achten.

Normalerweise kommt es am besten, wenn du die Kugel von der Seite oder leicht von unten ablichtest. Ansonsten nimmt der Boden zu viel Platz in der Kugel ein.

Das erreichst du am einfachsten, indem du oder jemand anders die Kugel in der Hand hält. Dann zerkratzt sie auch nicht.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Wenn du die Kugel gross auf dem Bild haben willst, ist ein Makro-Objektiv von Vorteil. Mit einem normalen Objektiv kannst du teilweise nicht auf die Motive in der Kugel scharf stellen.

Ich verwende den A-Modus, stelle also die Blende manuell ein. Es ist wichtig, mit der Tiefenschärfe zu experimentieren. Je nach Situation kann eine weit offene Blende richtig sein, oder auch eine eher geschlossene. Mit einer geschlossenen Blende wird der Rand der Glaskugel scharf. Das gilt allerdings auch für unerwünschte Spiegelungen. Was besser ist, kommt auf die Situation an.

Offene Blende
Offene Blende
Halb geschlossene Blende
Halb geschlossene Blende

Eindrücklichere Bilder als die von mir findest du mit dem Instagram-Hashtag #lensball. Hinter vielen dieser Bilder steckt allerdings sehr viel Arbeit mit Photoshop.

Zum Schluss noch eine Sicherheitswarnung. Im Sonnenlicht erzeugt die Glaskugel einen Brennpunkt, und das mit dem Brennen kannst du ruhig wörtlich nehmen. Sei also vorsichtig.

Zu tief ins Glas geschaut – ein Blick in die Zukunft

Was auch noch praktisch ist: Wenn ich die Glaskugel lange genug anstarre (3 bis 4 Tage) und gleichzeitig genug Meskalin zu mir nehme (3 bis 4 Kilogramm), flasht mich das so sehr, dass ich in einen tranceartigen Zustand gerate. Unter Hypnose breitet sich vor mir die Zukunft aus wie ein offenes Buch und ich erkenne die innere Wahrheit allen Seins. Leider habe ich alles wieder vergessen, sobald ich in den normalen Zustand zurückkehre. Am besten vergisst du diesen Absatz auch gleich wieder.

Ein nüchterner Blick in die Zukunft sagt mir, dass ich die Glaskugel später wieder mal zum Fotografieren hervorholen werde.

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David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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