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Endlich ein Standard für Smart-Lock-Systeme: Aliro erlaubt freihändiges Türöffnen
von Debora Pape

Lego hat an der CES eine neue interaktive Plattform vorgestellt, die das klassische Bauen um Licht, Sound und Reaktionen erweitern soll. Das Herzstück ist ein «Smart Brick» im 2×4-Format. Die Ankündigung ist ambitioniert, wirft aber mehr Fragen auf, als Lego aktuell beantwortet.
In der Pressemitteilung wählt Lego grosse Worte. «Smart Play» sei eine der bedeutendsten Weiterentwicklungen im System seit der Einführung der Minifigur 1978. Das neue System soll physisches Spiel «zum Leben erwecken», ohne Screens, ohne permanente App-Nutzung und ohne den offenen Charakter von Lego einzuschränken. Im Zentrum steht ein Smart Brick, der mit Sensoren, Lautsprecher, Licht und einem eigenen Chip ausgestattet ist und auf Spielhandlungen reagieren kann.
Technisch ist das beeindruckend. Der Smart Brick erkennt Bewegungen, Positionen und bestimmte Kombinationen mit sogenannten Smart Tags und Smart Minifiguren. Mehrere dieser Steine können miteinander kommunizieren und so komplexere Reaktionen auslösen. In den gezeigten Demos bedeutet das etwa Musik, Soundeffekte oder Licht, wenn Figuren korrekt platziert oder Szenen nachgespielt werden. Lego betont dabei immer wieder, dass das Spiel im Vordergrund stehe und nicht die Technik.
Genau hier beginnt jedoch die kritische Betrachtung. Denn das System reagiert nicht auf freies Bauen im klassischen Sinn, sondern auf klar definierte Auslöser. Tags, Figuren und Steine müssen in einer bestimmten Logik zusammenspielen, damit etwas passiert. Das ist weniger ein intelligenter Baukasten als ein regelbasiertes Reaktionssystem. Kreativität entsteht damit nicht automatisch, sie wird technisch gelenkt.
Dass Lego den Start ausschliesslich mit Star Wars vollzieht, ist kein Zufall. Lizenzen bieten klare Rollen, bekannte Sounds und eindeutige Spielsituationen. Ein Lichtschwert klingt immer gleich, ein X-Wing muss nicht erklärt werden. Für ein neues interaktives System ist das ein sicherer Einstieg. Gleichzeitig sagt diese Entscheidung viel über die Ausrichtung von Smart Play aus.

Bislang ist nichts davon zu sehen, dass das System kurzfristig für freie Themenwelten oder klassisches City- oder Creator-Spielen gedacht ist. Lego spricht zwar von Erweiterungen und Wachstum, vermeidet aber konkrete Aussagen zu einer themenunabhängigen Nutzung. Damit bleibt offen, ob Smart Play langfristig ein universeller Bestandteil des Lego-Systems wird oder ein exklusives Feature für hochpreisige Lizenzsets.

Auch preislich bewegt sich Lego hier klar im Premiumbereich. Die drei Startsets liegen deutlich über dem, was vergleichbare Modelle ohne Elektronik kosten. Das verstärkt den Eindruck, dass Smart Play vorerst weniger als breite Spielinnovation gedacht ist, sondern als technisches Erlebnisprodukt für eine zahlungsbereite Zielgruppe.
Ein zentrales Verkaufsargument von Smart Play ist der Verzicht auf Bildschirme. Lego positioniert das System bewusst als Gegenentwurf zu app-lastigem Spielzeug. Das ist nachvollziehbar und kommt einem verbreiteten Wunsch von Eltern entgegen. Gleichzeitig ist die Realität weniger eindeutig.
Zwar funktioniert das Spielen selbst ohne Smartphone oder Tablet, dennoch soll der Smart Brick per App aktualisiert werden können. Firmware, Bugfixes und mögliche Erweiterungen bleiben damit an Software gebunden. Technisch ist das logisch, kommunikativ wird dieser Punkt jedoch stark heruntergespielt. «Ohne Screens» bedeutet hier eher «ohne Screens im Spielmoment», nicht «ohne digitale Abhängigkeiten».
Gerade aus Lego-Sicht ist das heikel. Sobald Akku, Firmware und Updates Teil des Systems sind, stellt sich unweigerlich die Frage nach der Lebensdauer. Lego äussert sich bislang nicht konkret dazu, wie lange Smart Bricks unterstützt werden sollen oder was passiert, wenn Softwarepflege endet. Für ein Spielsystem, das traditionell für Jahrzehnte steht, ist das keine Nebensache.
Smart Play ist ein technologisch ambitionierter Schritt und zeigt, dass Lego weiterhin nach Wegen sucht, physisches Spiel zeitgemäss zu erweitern. Gleichzeitig erinnert die Ankündigung an frühere Versuche, bei denen die Vision grösser war als der nachhaltige Erfolg. Der Unterschied ist diesmal die stärkere Integration ins klassische System und der Verzicht auf offensichtliche Bildschirmspielerei.
Smart Play könnte ein wichtiger Schritt sein. Es könnte aber auch ein weiteres Beispiel dafür werden, dass nicht jede technologische Möglichkeit automatisch eine spielerische Notwendigkeit ist. Entscheidend wird sein, ob Lego den Mut hat, das System aus der Lizenz-Ecke zu holen und wirklich offen zu denken. Bis dahin bleibt Smart Play vor allem eines: ein grosses Versprechen mit bewusst vielen offenen Enden.
Ist Lego Smart Play für dich eine sinnvolle Weiterentwicklung? Diskutiere mit und teile deine Einschätzung unten in den Kommentaren.
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