Review

Lego City: auf dem Mond besser als auf der Erde

Martin Jungfer
10.05.2022

Mit einer Mondstation, eine Weltraumstation und einem Rover für die Mondoberfläche hat Lego eine neue City-Serie gestartet. Die Sets machen mir beim Aufbau und Spielen viel Spass – mehr als andere der City-Serie.

Irgendwann vor dem Jahr 2030 will die US-Weltraumorganisation Nasa, zusammen mit anderen internationalen Weltraum-Organisationen, wieder Menschen auf den Mond schicken – viele Jahrzehnte nach dem 1972 mit Eugene Cernan der letzte Mensch auf der staubigen Oberfläche des Erdtrabanten herumlief. Was in den 60er- und 70er-Jahren das Apollo-Programm war, soll in der Neuzeit das Artemis-Programm leisten: Menschen zum Mond bringen.

«Wir verlassen jetzt Taurus-Littrow, wie wir einst gekommen sind und, wenn Gott es will, werden wir zurückkehren in Frieden und Hoffnung für die gesamte Menschheit. Gute Reise der Besatzung von Apollo 17.»
Eugen Cernan, bislang letzter Mensch auf dem Mond

Und diesmal sollen sie dort im Idealfall sogar dauerhaft bleiben können. Dazu ist ein sogenanntes Habitat-Modul geplant, im Prinzip ein Haus, in dem die Menschen auf dem Mond leben und forschen können. Ausserdem will die Nasa herausfinden, wie Menschen längere Zeit ausserhalb der Erdatmosphäre leben können – noch länger als auf der ISS. Das ist eine wichtige Frage, sollte die Menschheit irgendwann die Reise zum Mars wagen wollen. Denn nur schon die Reise hin und zurück zum Mars dauert rund anderthalb Jahre.

Mit der Faszination für das Weltall lässt sich auf der Erde gutes Geld verdienen. Denk nur an die vielen Shirts und Hoodies mit Nasa-Logo. Auch Lego fühlt das Umsatzpotenzial und hat deshalb im Frühjahr die neue City-Serie gestartet, die inspiriert ist vom Artemis-Programm.

LEGO Mond-Forschungsbasis (60350, LEGO City)
84.90

LEGO Mond-Forschungsbasis

60350, LEGO City

14
LEGO Mond-Rover (60348, LEGO City)
31.50

LEGO Mond-Rover

60348, LEGO City

6
LEGO Mond-Raumstation (60349, LEGO City)
51.–

LEGO Mond-Raumstation

60349, LEGO City

3

Ich habe die drei Sets, die mir Lego zur Verfügung gestellt hat, aufgebaut. Es sind für mich die besten City-Modelle seit langer Zeit. Vor allem die Mondstation begeistert mich. Hier haben die Designerinnen und Designer bei Lego ganze Arbeit geleistet. Du baust sie in Einzelteilen auf, die zusammengesetzt ein logisches und gut bespielbares Ganzes ergeben. Mit den Mini-Figuren kannst du dann Mondmissionen ausführen, die du dir selbst ausdenkst.

Oder natürlich das Kind, mit dem du das Mond-Abenteuer unternimmst. Denn eigentlich sind die Sets für Kinder ab sechs und sieben Jahren gemacht. Das soll dich aber nicht daran hindern, selbst zu bauen. Auch ältere Männer – genauso auch Frauen – dürfen und können das, wie ich kürzlich auch mit Guido Schwarz, dem Gründer und Leiter des «Swiss Space Museum» bewiesen habe.

  • Review

    Ein Weltraum-Experte kann alles – ausser Lego bauen und Fragen beantworten gleichzeitig

    von Martin Jungfer

Die Inspiration der Lego-Designs durch das Artemis-Programm ist klar erkennbar. Vor allem beim Mond-Rover, mit dem die Astronauten Terrain erkunden sollen, und bei der Raumstation in der Umlaufbahn des Mondes. Hier sehen die Lego-Sets den Vorbildern schon sehr ähnlich.

Die Visualisierung der Nasa zeigt den Mond-Rover und Astronauten bei der Arbeit in der Gegend um den Südpol des Monds.
Die Visualisierung der Nasa zeigt den Mond-Rover und Astronauten bei der Arbeit in der Gegend um den Südpol des Monds.
Foto: Nasa

Das Lego-Gefährt hat sechs um 360 Grad drehbare Räder. So kannst du es in jede Richtung fahren lassen. Versuch das mal, mit einem irdischen Gefährt aus der Lego-City-Reihe, die in der Regel nicht einmal eine lenkbare Achse haben. Mir haben auch die Werkzeuge gefallen, welche die Astronauten an ihre Rucksäcke montieren können. Der Rover selbst hat, ähnlich einer Krabbe, zwei Arme, die mit einer Art Detektor und einem Bohrer bestückt sind.

Bei mir wecken die Werkzeug-Arme des Mond-Rovers irgendwie Erinnerungen an den Zahnarztbesuch.
Bei mir wecken die Werkzeug-Arme des Mond-Rovers irgendwie Erinnerungen an den Zahnarztbesuch.

Für die echte Mondbasis gibt es bisher noch wenige konkrete Entwürfe. Bis Ende des Jahrzehnts sollen erst einmal grundlegende Konzepte erstellt werden.

Diese Visualisierung zeigt mögliche Formen der Mondbasis.
Diese Visualisierung zeigt mögliche Formen der Mondbasis.
Foto: ESA / P. Carril

Lego ist hier gedanklich schon weiter und hat die Mondbasis mit einer Art Mini-Gewächshaus ausgestattet, damit die künftigen Mondbewohner vielleicht später auch einmal ein Blättchen frisches Basilikum zur Space-Food-Bolognese verzehren können.

Im Labor herrscht entspannte Arbeitsatmosphäre. Womöglich gibt es zum Abendessen ja die erste Space-Karotte.
Im Labor herrscht entspannte Arbeitsatmosphäre. Womöglich gibt es zum Abendessen ja die erste Space-Karotte.

Ein anderes Modul enthält ein Labor, und es gibt auch eines, in welchem sich die Astronauten vor einem Spaziergang draussen in den Weltraumanzug werfen können. Oder für eine Ausfahrt bereit machen. Denn im Lego-Set ist auch eine Art Mini-Schneeräumer enthalten, wobei ich eher Zweifel habe, dass es auf dem Mond schneit. Vermutlich muss hier irgendetwas planiert werden. Zusätzlich gibt es noch andere kleine Elemente, die zum Spielen einladen. Konkret eine Drohne, ein Mini-Rover und ein Felsbrocken, in dessen Inneren irgendwelche Kristalle stecken.

Komplett macht die Mondstation der Lunar-Lander. Mit diesem können die Astronauten von der Mondoberfläche zurück zur Weltraumstation fliegen, die permanent um den Mond kreisen soll. Zwei Astronauten-Figuren passen dort hinein. Und damit eine mehr als in jedes Zimmer des bis zur Unbespielbarkeit zusammengeschrumpften «modernen Familienhauses».

Fazit: endlich wieder einmal eine City-Serie zum Spielen

Nach einigen Enttäuschungen mit City-Sets inklusive den Anschlussproblemen bei der Umstellung auf das neue Strassensystem sind die Artemis-inspirierten Weltraum-Sets wieder einmal ein Lichtblick für mich. Klar, es gibt auch Kritikwürdiges – wie so oft bei Lego. Die Sets sind nicht gerade ein Schnäppchen, aber die unverbindlichen Preisempfehlungen für den Handel sind bei Lego ja auch nur das: eine Empfehlung. Du könntest dir die Sets bei uns im Shop auf die Merkliste setzen und auf einen guten Preis warten, falls sie dir aktuell noch zu teuer sind.

Und ja, die Aufkleber sind echt nervig. Aber ich habe mich durch den Schmerz des vorsichtigen Ablösens und möglichst exakten Aufbringens gekämpft und ihn auch schnell wieder vergessen, weil das Ergebnis überzeugt. Zu meinem persönlichen Artemis-Programm fehlt jetzt eigentlich nur noch das passende Raumfahrtzentrum auf der Erde. Ich fürchte, der Versuchung kann ich nicht mehr lange widerstehen.

LEGO Raumfahrtzentrum (60351, LEGO City, LEGO Seltene Sets)
Neu
169.–

LEGO Raumfahrtzentrum

60351, LEGO City, LEGO Seltene Sets

60351, LEGO City, LEGO Seltene Sets

2

P.S.: Das Titelbild für den Artikel ist natürlich leider nicht im All oder gar auf dem Mond entstanden. Dafür reicht das Redaktionsbudget nicht. Ich habe das berühmte Foto «Earthrise» des Apollo-8-Astronauten William Anders einfach auf meinen Monitor gezogen und als Hintergrund benutzt.

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Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln. 


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