Lego bringt neue Strassen – und die Fans sind nicht erfreut
News & TrendsToys

Lego bringt neue Strassen – und die Fans sind nicht erfreut

Martin Jungfer
Zürich, am 11.01.2021
Es ist das Ende einer Ära: Lego beendet das System der bisherigen Strassenplatten und setzt neu auf modulare Bausteine. Lego-Fans ärgern sich, dass die neuen Strassen höher sind als die bisherigen und damit viele alte Gebäude nicht kompatibel sind.

Es war im Jahr 1978 als Lego die Strassenplatte zum ersten Mal verkaufte. 32 x 32 Knöpfe gross, grau, es gab die Kreuzung, die T-Kreuzung, die Gerade, die Kurve. Fertig. Über die Jahre änderte sich das Design einige Male, aber im Grunde blieb eine Strassenplatte eine Strassenplatte.

Grau und flach – so kennen wir die alten Lego-Strassenplatten.
Grau und flach – so kennen wir die alten Lego-Strassenplatten.

Ich bin genauso alt wie diese Strassenplatte. Als Kind habe ich Zufahrtsstrassen zum Flughafen aus den grauen Platten gelegt, die Feuerwehr und die Polizeistation damit verbunden. Vielleicht hat mich das Thema auch deshalb jetzt bewegt. Warum gibt Lego ein fast 42-jähriges Erfolgskonzept auf?

Optisch machen die neuen Strassen von Lego natürlich mehr her. Im Set enthalten sind jetzt nicht mehr nur die Strassenplatten, sondern auch Bäumchen und Blümchen, Schilder und Ampeln, sogar Bremsschwellen und Strassenlampen, die im Dunkeln leuchten. Das hat mit den bisherigen, in Folie eingeschweissten zwei grauen Platten nicht mehr viel zu tun. Die neuen Lego-Strassen sind schon fast ein eigener Bausatz.

Strassenkreuzung mit Ampeln (60304)
Mengenrabatt
21.10
LEGO Strassenkreuzung mit Ampeln (60304)

Für die hart gesottenen Lego-Fans sind die neuen Strassen dennoch ein harter Schlag. Für sie ist der dänische Klötzchenproduzent damit definitiv falsch abgebogen, hat den rechten Weg verlassen, sich in eine Sackgasse manövriert. (Und damit habe ich auch alle Strassen- und Wege-Metaphern, die mir eingefallen sind, verbraucht.) Für Thomas Panke, der mit seinem Videoblog als «Held der Steine» hunderttausende Lego-Fans im deutschsprachigen Raum erreicht, sind die neuen Strassen ein weiterer Beweis dafür, dass Lego die Kunden verrät. Er geht sogar soweit und sagt: «Wer als Stammkunde jetzt noch Lego kauft, dem kann ich auch nicht mehr helfen.»

In seinem Video echauffiert sich Panke lange darüber, dass es keine Kurven mehr gibt und dass die neuen Strassen schmaler sind. So schmal sogar, dass mit zwei grossen Fahrzeuge kein berührungsloser Gegenverkehr mehr möglich ist. Aber vor allem stört, dass die neuen Strassen nicht mit den beliebten Modular Buildings - hier gibt es übrigens eine schöne Übersicht - und allen anderen alten Sets auf Grundplatten kompatibel sind. Die stehen nämlich auf den gewohnten Grundplatten, die flacher sind als die neuen Strassen. Wer also eine Sammlung von Gebäuden hat und diese mit den neuen Strassen verbinden will, kann das erst einmal nicht. Natürlich gibt es für das Problem auch eine Lösung, die Lego-Fans im Internet auch schon veröffentlicht haben. Kurz gesagt: Du musst einfach alle bestehenden Modular Buildings mit einer weiteren Grundplatte soweit erhöhen, dass sie das Niveau der neuen Strassen erreichen.

Oder du versuchst Dir, so viele alte Strassenplatten wie möglich zu sichern. Das hat auch der «Held der Steine» so empfohlen. Und weil es die alten Platten bald nicht mehr geben wird, sind auch bei uns im Shop die Preise für die bisherigen Grundplatten in den letzten Tagen in die Höhe geschossen. Hier hat unser automatisiertes System die extrem erhöhte Nachfrage und Preiserhöhungen bei anderen Shops bemerkt und reagiert. Hier offenbart die Marktwirtschaft, wie aus den Faktoren Angebot und Nachfrage das Marktgleichgewicht entsteht.

So hat sich der Preis für die alten Lego-Strassenplatten in den letzten Wochen und Tagen entwickelt.
So hat sich der Preis für die alten Lego-Strassenplatten in den letzten Wochen und Tagen entwickelt.

Die Traditionalisten und Nostalgiker sichern sich jetzt also noch die alten Strassenplatten. Wenn du schon bereit bist für die neue Strassenwelt, die Lego definiert hat, bist du sicher empfänglich für die Argumentation von Lego. Weil über das neue System derzeit viel diskutiert wird, gibt es eine offizielle Stellungnahme aus Billund dazu. Darin heisst es:

“ Die neuen Strassenplatten spielen eine wesentliche Rolle in den LEGO City Produkten, wo sie, aufgrund der modularen Natur der Bauten, es Ihnen ermöglichen, kreativ zu sein und die LEGO City nach Ihren Wünschen zu gestalten. Das ist der Grund, warum wir glauben, dass die neue Strassenplatte ein authentisches Bauerlebnis bietet und auch, weil sie auf viele Arten neu konfiguriert werden kann und es Ihnen ermöglicht, Ihre LEGO City Gebäude auf eine bessere Art und Weise zu verbinden. In Zukunft werden wir auch in der Lage sein, eine oder mehrere Strassenplatten in relevante Produkte des gesamten LEGO City Portfolios zu integrieren. Das war etwas, was uns mit der alten Version nicht möglich war. Wir glauben, dass dies ein grosser Vorteil für die Kinder sein wird, da sie kein separates Strassenplattenprodukt kaufen müssen, um mit dem Bau ihrer LEGO City zu beginnen. Wir sind uns auch bewusst, dass dies eine grosse Veränderung für die AFOL-Community ist, aber wir glauben, dass die neue Strassenplatte langfristig noch mehr Fan-Bauten und Anpassungen ermöglichen wird. ”
Lego-Stellungnahme, automatisch übersetzt

Es gibt also keinen Weg zurück mehr (sorry für die letzte Strassen-Metapher) in die gute alte Strassen-Zeit bei Lego. Die Zukunft ist da. Und die neuen City-Sets enthalten tatsächlich bereits neue Strassenstücke.

Modernes Familienhaus (60291)
51.90
LEGO Modernes Familienhaus (60291)

Und für die bisherigen Gebäude gibt es sicher in den Weiten der Lego-Community da draussen bald Lösungen, wie man diese aufs neue Niveau bringt. Und es soll sogar Grundplatten geben, die man aufeinander bauen kann und somit womöglich das Lego-Strasseniveau erreichen. Nur sind diese Platten dann nicht von Lego, sondern von anderen Herstellern.

42 Personen gefällt dieser Artikel


Martin Jungfer
Martin Jungfer
Head of Content, Zürich
Meine Laufbahn als Journalist begann bei den Kleintierzüchtern und im gedruckten Zeitalter. Nach ein paar Jahren an der Front rief die Zentrale. Bei Regionalzeitungen und bei der NZZ war ich für diverse Digitalisierungsprojekte zuständig und etablierte Audience Management. Seit 2020 bei Digitec Galaxus. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, schreibe ich auch. Weil ich in vielen Dingen über Halbdreiviertelwissen verfüge, ist das Spektrum an Themen ziemlich breit.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren