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Kennst du noch? «Max Payne»

Meine Erwartungen an das fast 20 Jahre alte «Max Payne» waren damals riesig. Das Spiel hatte sie alle übertroffen – und nicht nur wegen der Bullet Time.

«They were are all dead. The final gunshot was an exclamation mark for everything, that had lead to this point. I released my finger from the trigger and then it was over.»

Max Payne, Witwer und trauernder Vater, ist kein eindimensionaler Actionheld. Max Payne ist ein Poet. Mit seinen blumigen inneren Monologen hat der toughe Cop dafür gesorgt, dass «Max Payne» für immer eines meiner absoluten Lieblingsspiele sein wird. Zusammen mit dem Film-Noir-Setting im verschneiten New York und den ungewöhnlichen Zwischensequenzen in Comic-Form.

2001, das gleiche Jahr, in dem das Spiel veröffentlicht wurde, sah ich den ersten Trailer. Zwei Minuten und 40 Sekunden für die Ewigkeit. Die Zeitlupen-Action, die «Matrix» populär gemacht hat, haute mich und meine Freunde vom Hocker. Es gab sogar eine Bulletcam – eine Kamera, die der Patrone folgte. Wie krass ist das denn?

Düster, tragisch und packend

Die Zwischensequenzen bestanden nur aus Standbildern und waren trotzdem sehr bewegend.

Der Hype für das Spiel ist so gross gewesen, dass es eigentlich nur eine Enttäuschung werden konnte. Aber «Max Payne» lieferte. Mehr sogar als ich mir je erträumt hätte. Das Spiel beginnt unheilvoll mit dem Mord an Max’ Frau und seiner Tochter durch Junkies, die unter Einfluss der Droge Valkyr standen. Als Polizist verbringt Max die nächsten Jahre mit Undercover-Ermittlungen über die geheimnisvolle Droge. Dabei gerät sein Partner ins Kreuzfeuer und Max landet selbst auf der Fahndungsliste. Davon lässt sich Max nicht aufhalten. Im Alleingang taucht er immer tiefer in den Verbrechersumpf aus Gewalt und Drogen ab.

Unzählige Schergen stellen sich ihm in den Weg. Ein Fehler. Dank Bullet Time kann Max in Zeitlupe aus der Schusslinie hechten und gezielt Kopfschüsse verteilen. Mit dem Scharfschützengewehr folgt die Kamera automatisch der Kugel auf ihrem Todesflug. Das war unglaublich abgefahren und wurde nie langweilig. Wird Max doch mal angeschossen, haut er sich ein Döschen Painkiller rein. Das lindert den Max Payne.

Kurze TV-Unterbrechungen

Max verpasst keine Folge von Lords and Ladies.

Eine weitere Besonderheit sind die TV-Shows. Im Spiel tauchen regelmässig eingeschaltete Fernseher auf. Wenn sich die wilden Feuergefechte gelegt haben, sind sie das Einzige, das die Ruhe nach dem Sturm durchdringt. Die Geräusche stammen von den eigens für das Spiel produzierten Miniserien. Es gibt vier Stück: Address Unknown, das ein bisschen an «Twilight Zone» erinnert. Lords and Ladies ist ein Art «Pride and Prejudice»-Verschnitt. The Adventures of Captain BaseBallBat-Boy ist ein Trickfilm über einen Baseballschläger schwingenden Jungen. Dick Justice schliesslich wiederspiegelt Max Paynes’ eigene Leiden. Es waren wie kleine Easter Eggs, auf die ich mich immer gefreut habe.

«Max Payne» lässt sich in etwa sechs Stunden durchspielen. Dank der verhältnismässig kurzen Spielzeit verliert die Geschichte nie an Tempo oder wird repetitiv. Es fühlt sich an wie ein epischer Actionstreifen mit viel Tiefgang. Dafür sorgen auch ikonische Charaktere wie der Waffendealer Vladimir Lem, mit dem sich Max kurzzeitig zusammenschliesst, oder der vorlaute Mafioso Vincent Gognitti. Allen voran steht aber Mona Sax. Eine Auftragsmörderin, die Max den Kopf verdreht und ebenfalls eine poetische Ader besitzt.

«Max Payne» hat auch eine humorvolle Seite.

Der Zuckerguss, der diesen fulminanten Actionkuchen umhüllt, sind Max’ zynische Monologe. Egal ob während des Spiels oder in den comicartigen Zwischensequenzen. Max kommentiert das Geschehen mit poetischen Metaphern und Wortspielen wie «He was trying to buy more sand for his hourglass. I wasn’t selling any» oder «I might have laughed, if I had remembered how». Das sorgt zusammen mit dem Film-Noir-Setting und dem stimmigen Soundtrack für eine einzigartige Atmosphäre.

Max Payne ist keine seelenlose Killermachine. Unter seinem Ledermantel pocht eine poetische Seele, die auch mit tonnenweise Painkiller nicht unterdrückt werden kann.

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Philipp Rüegg, Zürich

  • Senior Editor
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

25 Kommentare

3000 / 3000 Zeichen
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User freezse

...flashback: die psychodelische sequenz mit dem baby-geschrei, bei derman der 'roten' linie folgen muss - der absolute stimmungs-oberhammer... - danke für den bericht über diesen 'evergreen' :)

08.07.2019
User Stefan_Fitze

Am besten morgens um 2, bei Gewitter... :-)

08.07.2019
User Kampfhund

Die Szene mit dem Blutpfad und dem Baby Geschrei war schon ziemlich Psycho. Ich mochte schreiende Babys vorher schon nicht und danach noch weniger xD.

09.07.2019
Antworten
User TheDarkKnightWB

Man weiss, dass man wirklich alt ist, wenn «Max Payne» in einem «Kennst du noch?» erwähnt wird 😅

08.07.2019
User Whiteangel13

Musste mir damals extra noch zusätzlich etwas RAM Kaufen, sonst lief es erst gar nicht bei mir 😅 Ja ich bin auch alt, wahr damals gerade 22ig 🧑=🧓

08.07.2019
User maurooo

Über 40 ind

08.07.2019
User maurooo

Ah.... Handy hat sich selbständig gemacht. Bitte vorherigen Kommentar löschen.

08.07.2019
User Aurel Stevens

covfefe

09.07.2019
Antworten
User NeoDe7even

Gerade gestern mal wieder durchgespielt. Nach wie vor eines meiner Lieblingspiele.

08.07.2019
User UCBarkeeper

definitiv eines der besten singleplayer-spiele aller zeiten.

08.07.2019
User Stefan_Fitze

War schon richtig geil, als die Spiele noch der Spiele wegen produziert wurden. No ingame-purchases...

08.07.2019
User m@Xist

Waas das ist schon so lange her! Nun gut, seit 2007 bin ich Abstinenzler, doch Max Payne und Far Cry sind/waren meine Favoriten.

08.07.2019
User zeixIT1kauf

Mobil-Variante auch schon 2x durchgespielt - unbedingt probieren ;-P

08.07.2019
User s-master

Its Payne

08.07.2019
User sim_999

Ein anderes Spiel, dass mir in dieser Zeit sehr gefallen hat und eine ähnlich dichte Atmosphäre geschafft hat:
Fahrenheit: Indigo Prophecy

10.07.2019
User Anonymous

Wow, was für grossartige Spiele das waren. Ich habe mit dem zweiten Teil begonnen und konnte nicht genug davon kriegen also hab ich gleich noch das Original gespielt. 😁

08.07.2019
User Slackware

Questo articolo è quasi perfetto, hai mancato solo di citare i Poets of the Fall come colonna sonora. Sarabbe stato davvero perfetto.

08.07.2019
User goekhan.engin

Max Payne sowie The Fall of Max Payne sind seiner Zeit weiterhin voraus und suchen als Third-Person-Shooter seinesgleichen. Die goldene Ära der wirklich guten Computerspiele ist längst vorbei. Einziger Konkurrent in diesem Genre waren die ersten zwei Teile von Splinter Cell.

Weitere erwähnenswerte FPS: Far Cry 1, Rest der Serie war Schrott sowie No One Lives Forever 1 & 2!

08.07.2019
User CediMoustache

Da muss ich unbedingt Half Life hinzufügen (insbesondere den 2. Teil).

08.07.2019
User Barolo

Absolut einverstanden. Würde Mafia 1 noch dazu zählen. Half Life habe ich bis jetzt nicht gespielt.

08.07.2019
User slizza1

Es gibt noch Leute die No One Lives Forever kennen?
Dies ist mein absolutes Lieblingsspiel, nur kennt es kaum jemand :)
Die Story, die Waffen, die Charaktere, der Witz im Spiel, die Dialoge, die Missionenvielfalt. Ich habe nie mehr ein Spiel gefunden, dass mich so fasziniert hat.
Das wäre ein Spiel welches man remastern müsste, ich würde es sofort vorbestellen :)

10.07.2019
Antworten
User affelste

Max Payne bringt mich immer wieder zum Schwärmen. Diese Kombination aus düsterer, leicht psychodelischer Story und Komik, gepaart mit den Bullet Sequenzen, habe ich seither bei keinem anderen Spiel so packend empfunden. Ein absolutes Must... ganz im Gegensatz zum Film, der die Erwartungen nicht ansatzweise erfüllen konnte.

Für den nächsten Beitrag: XIII

mit besten Grüssen ;)

08.07.2019
User FOGDOR the Atomizer

Die Treppen waren bei dem Game einer der schlimmsten Gegner. Ich habe duzende Patronen und Schrotladungen in Treppenstufen verschossen. Und die Handgranaten erst ^^ Aber die NPC Mobs hatten dieses Problem kaum. Vielleicht lag es dazumal auch am bescheidenen Skill meinerseits.

08.07.2019
User ramon.ruegg

Beste Spiel ich hoffe remedy macht bald mal ein neues MaxPayne :)

09.07.2019
User manuelluchs

Ist ein Game das ich heute noch ab und zu Spiele. Einfach Hammer Story und selbst die Grafik ist nicht übel für 2019.

15.07.2019