

Kein Aufpusten, kein Schleppen: So löse ich das Gästebett-Problem
Ein Nilpferd hat mein Gästebett-Problem gelöst. Kein Witz.
Gäste kündigen sich an und du verfällst innerlich in Panik, weil das «Gästebett» eine alte Luftmatratze mit Loch ist? Kenn ich. Deshalb habe ich lange nach Alternativen gesucht – mit klaren No-Gos im Kopf: kein Aufpusten, kein Kraftakt, kein Bitten um Hilfe. Das «Hippo» (Nilpferd) von Karup Design hat das erfüllt und macht seinem Namen als Matratze alle Ehre: breit und gemütlich.
Erster Eindruck: Das sieht tatsächlich nach Sofa aus
Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele Schlafsofas schreien förmlich «Notfalllösung» – metallene Klappmechanismen, dünne Kunststoffbeine, Bezüge, die nach Bettenlager aussehen. Das «Hippo» nicht. Es hat dieses entspannte, natürliche Flair – wie ein Sofa, das genauso gut in ein Ferienhaus in der Provence passt wie in eine Zürcher Altbauwohnung. Wer noch weniger Platz hat: «Hippo» gibt's auch als Einzelsitzer in 90 Zentimeter Breite.

Umbauen: einfacher als ich dachte
Mit Klettverschlüssen war ich das letzte Mal als Siebenjährige konfrontiert. Dann kam «Hippo». Um aus dem 140 Zentimeter breiten Sofa ein Bett zu machen, muss ich die Klettstreifen an der Rückenlehne sowie an den Armlehnen lösen und hochklappen wie in diesem Video – das war's.



Das dauert weniger als eine Minute und setzt weder Kraft noch eine detaillierte Anleitung voraus. Und vor allem: Ich kann es alleine machen. Als jemand, der alleine lebt, ist das für mich das eigentliche Kaufargument.
Das Liegen: Vorteile eines Futons
Die Futon-Matratze ist erstaunlich dick und bequem für ein Klappsofa. Wann immer mich meine sechsjährige Nichte besucht, teile ich «Hippo» mit ihr und gebe ihren Eltern mein Bett. Nach der ersten Nacht habe ich ernsthaft überlegt, ob ich meine aktuelle Matratze tauschen muss. Gäste geben mir ein ähnliches Feedback. Mit einer Liegefläche von 140 × 200 Zentimeter haben auch gut zwei Erwachsene Platz.
Ein Futon ist kein Plan B mit fancy Name, sondern ein Konzept mit Tradition. Die Idee kommt aus Japan: eine feste, vielseitige Matratze, die genauso gut zum Sitzen wie zum Schlafen taugt. Keine Federn, keine komplizierte Mechanik, keine 15 Einzelteile beim Aufbau.

«Hippo» nimmt das ernst. Die Matratze misst 21 Zentimeter dick – davon circa 12 Zentimeter Schaumstoffkern, ummantelt von recycelten Mischfasern. Das ist deutlich spürbar. Ich sacke nicht ein und spüre auch nicht den Boden, obwohl ich ihm so nah bin.
Der einzige Haken: Die Armlehnen, die im Liegemodus die Seiten der Matratze bilden, sind nicht fixiert. Sie halten durch das Bettlaken zusammen, bleiben aber etwas locker. Das bedeutet in der Praxis: Das Kopfende ist nur auf einer Seite wirklich komfortabel.
Das Sitzen: das bessere Handtuch am Strand
Genauso schnell wie das Schlafsofa ausgeklappt ist, lässt es sich auch wieder einklappen. Dann wird es zum Lowrider. Denn die Sitzhöhe ist tief. Dass das Sofa «Hippo» heisst, ist kein Zufall: Einmal reingesunken, bewegst du dich so wenig wie ein Nilpferd im Schlammbad.
Ich habe schon mal darüber geschrieben, warum ich tiefergelegte Möbel liebe – dieses Gefühl, dem Boden ein Stückchen näher zu sein, fast wie auf einem Handtuch am Strand, nur drinnen und ohne Sand. Für mich ist das der Inbegriff von Gemütlichkeit. Wer das nicht gewohnt ist oder Knieprobleme hat, sollte das aber ernsthaft einkalkulieren.

Die Armlehnen funktionieren gleichzeitig als Kopfstütze – hier liegst oder hängst du am bequemsten, aufrecht sitzen ist eher Nebensache. Das süsse Nilpferd lebt in meinem Gästezimmer, und genau da ist es perfekt: als alternativer Leseplatz oder zum Nichtstun. Als vollwertiges Wohnzimmersofa würde ich persönlich etwas anderes wählen. Zum Sitzen zu zweit wird's eng. Die Armlehnen nehmen reichlich Raum weg, der beim Liegen nicht stört.
Optisch sorgt die niedrige Sitzhöhe dafür, dass das Sofa leicht und luftig wirkt. Was dem etwas entgegenwirkt: Die Rückenlehne biegt sich weniger als gedacht, sodass «Hippo» ganz schön weit in den Raum hinausragt – und sich dahinter eine kleine Staubhöhle bildet.
Pflegeaufwand hält sich in Grenzen
Deshalb sauge ich dort regelmässig und die Oberfläche mit dem Aufsatz für Polster gleich mit. Bei Flecken nehme ich ein feuchtes Tuch mit ein wenig klarem Spülmittel und reinige die betroffene Stelle vorsichtig und ohne den Stoff zu durchnässen.

Leichte Flecken liessen sich bisher gut entfernen – und falls mal etwas Schlimmeres passiert: Der Bezug lässt sich abnehmen. Ringsum verläuft wie beim Koffer ein Reissverschluss auf drei Kanten. Allerdings funktioniert die Matratze rein- und rauszulegen nur zu zweit.
Wer bei der hellen Farbe auf Nummer sicher gehen will: Eine professionelle Textilimprägnierung lohnt sich. Viele Polsterfachbetriebe bieten diesen Service an und die Schutzschicht hält deutlich länger als ein DIY-Spray.
Fazit
Lohnt sich nicht für alle, aber mich
Wer ein Gästebett sucht, das sich tagsüber sehen lassen kann, ist hier richtig. «Hippo» ist ein hübsches, kompaktes Sofa, das sich alleine und ohne grossen Aufwand zur Matratze umbauen lässt. Der Schlafplatz ist bequem, auch zu zweit. Und wenn kein Gast da ist, steht im Zimmer ein vollwertiger Sitzplatz für eine Person statt eines ungenutzten Betts. Für mich war der Preis von circa 650 Franken dafür fair.
Du suchst eher nach einem vollwertigen Wohnzimmersofa für den täglichen Einsatz zu zweit? Dann solltest du lieber zu einem höheren Modell mit mehr Sitzfläche greifen.
Pro
- vom Sofa zu Matratze in unter einer Minute
- problemlos alleine auf- und abbaubar
- überraschend dicker, komfortabler Schlafbereich
- schlichtes Design, das in viele Einrichtungsstile passt
- kein Wuchten
- abnehmbarer Bezug
Contra
- tiefe Sitzhöhe
- Staubfalle hinter Rückenlehne

Wie ein Cheerleader befeuere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratierte ich einfache und doch raffinierte Interior-Entdeckungen, berichte über Trends und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit.
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