Kann ein Laufschuh zu schnell sein?
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Kann ein Laufschuh zu schnell sein?

Patrick Bardelli
Zürich, am 21.01.2020
Nike hat den schnellsten Laufschuh der Welt. Und Nike hat ein Problem. Denn Nike hat den schnellsten Laufschuh der Welt.

Der Kenianer Eliud Kipchoge blieb letztes Jahr als erster Mensch in einem Marathon unter zwei Stunden. Am 12. Oktober 2019 legte der Wunderläufer in Wien die 42.195 Kilometer in 1:59:40 zurück und wir rieben uns verwundert die Augen. Wie war so was möglich?

Kipchoge lief unter klinischen Bedingungen und wurde bei seinem Versuch von 35 Pacemakern unterstützt. Fast die gesamte Strecke durch die österreichische Hauptstadt lief er zudem hinter einem Auto, welches ihm das benötigte Tempo vorgab. Und Kipchoge hatte den neuen Wunderschuh von Nike, den Alpha Fly, an den Füssen. Ein Prototyp, der noch nicht auf dem Markt ist.

Eliud Kipchoge nach seinem Fabellauf letzten Oktober in Wien.
Eliud Kipchoge nach seinem Fabellauf letzten Oktober in Wien.

Bald verboten?

Seine Pacemaker liefen mit dem Nike Vaporfly Next%. Dieser nutzt eine Kombination aus Schaum und einer Kohlefaserplatte, um mehr Energie von einem Laufschritt zum nächsten zu übertragen. Und er ist das Folgemodell des Vaporfly 4%. In einem von der New York Times durchgeführten Test lief ein Läufer, der eine öffentlich zugängliche Version des Vaporfly 4% trug, um eben diese vier Prozent schneller als ein Läufer, der einen typischen Laufschuh an den Füssen hatte.

Nach Angaben der London Times werden diese Modelle noch in diesem Jahr von World Athletics, dem Dachverband aller nationalen Sportverbände für Leichtathletik, verboten. Ein Bericht des Guardian widerspricht dieser Aussage jedoch und zitiert Quellen, die bestreiten, dass es ein vollständiges Verbot geben wird. Stattdessen werden dem Bericht des Guardian zufolge bestimmte Grenzen für die Carbon-Plate-Technologien festgesetzt. Zur Erinnerung: Im Sommer finden in Tokio die Olympischen Spiele statt. Der Sieg im Marathon gehört in Japan zu den prestigeträchtigen Titeln.

Vaporfly wie LZR

Neu wäre das Vorgehen von World Athletics jedoch nicht. Im Jahr 2008 präsentierte Speedo mit dem LZR ein Ganzkörperteil, das als Haifischanzug in die Geschichte einging. Dieser verringerte den Widerstand eines Schwimmers im Wasser und erhöhte gleichzeitig den Auftrieb. Die Anzüge dominierten die Olympischen Spiele in Peking. 98 Prozent aller in diesem Jahr gewonnenen olympischen Schwimmmedaillen gingen auf das Konto von Athleten in LZR-Anzügen. Superstars wie Michael Phelps liessen ausserdem die Weltrekorde nur so purzeln. Und dann wurde die Technologie 2009 von allen internationalen Schwimmwettkämpfen ausgeschlossen. Sogar Phelps selbst stimmte zu. Das Verbot sei die richtige Entscheidung.

Verbietet World Athletics die Vaporfly-Linie, könnten diese Schuhe bei allen zukünftigen Wettbewerben nicht mehr getragen werden. Daher ist diese Entscheidung für Leichtathleten und Sportfans gleichermassen von Bedeutung. Und was sagt Nike zu einem möglichen Verbot ihres Wunderschuhs? Bisher nichts.

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Patrick Bardelli
Patrick Bardelli
Senior Editor, Zürich
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