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Kann Australiens Zombiebaum überleben?

Kaum entdeckt und schon vom Aussterben bedroht: Eine australische Baumart ist bereits mehr tot als lebendig. Doch noch geben Forscher die Hoffnung nicht auf.

Pilze gehören zu den schlimmsten, rund um den Planeten verschleppten Arten, die einheimische Pflanzen und Tiere bedrohen – von Fröschen und Salamandern über Fledermäuse bis hin zu Bäumen wie der Esche. In Australien stehen mindestens 17 Baumarten vor dem Verschwinden, weil ein invasiver Rostpilz aus Südamerika sie bedroht. Zu diesen Spezies gehört jetzt auch Rhodamnia zombi, eine erst 2020 beschriebene Baumart, die sich wegen der Krankheit nicht mehr erfolgreich fortpflanzen kann. Das berichten Wissenschaftler um Roderick Fensham vom Queensland Herbarium and Biodiversity Science in Toowong.

Weil die Art deswegen gegenwärtig mehr tot als lebendig ist, gaben ihr Wissenschaftler den Artnamen zombi. Dennoch hegen sie Hoffnung, die Spezies doch noch erhalten zu können. Seit ihrer Entdeckung starben bereits mindestens zehn Prozent der damals bekannten Individuen dieser Bäume, die im Regenwald der Region Burnett in Queensland wachsen. Es handelt sich dabei um eine eher kleine bis mittelgrosse Baumart aus der Familie der Myrtengewächse mit dunkelgrünen Blättern und kleinen, weissen Blüten.

Der hellgelbe Rostpilz befällt die jungen Triebe dieser Pflanzen und sorgt dafür, dass sie absterben, bis schliesslich das gesamte Individuum eingeht. Der Baum wächst nicht mehr und kann sich auch nicht mehr über Samen fortpflanzen. Bislang gelang es Botanikern nicht, resistente Individuen oder noch nicht betroffene Bestände zu finden, weshalb die Art direkt als vom Aussterben bedroht eingestuft wurde. Verwandte Arten scheinen dagegen resistent gegenüber dem Pilz zu sein, weshalb Fensham die Hoffnung noch nicht aufgeben will, doch noch resistente Vertreter von Rhodamnia zombi zu finden oder zu züchten.

Die Wissenschaftler suchen daher nach nicht infizierten Pflanzen, von denen sie gesunde Schösslinge schneiden könnten. Diese sollen dann an geschützten Orten zu ausgewachsenen Bäumen gezogen werden. Zudem existieren Exemplare, die aus früher gesammelten Samen gezogen wurden, und die nach Angaben von Fensham von Spezialisten betreut werden. Sie müssen aber konstant überwacht werden, um Pilzinfektionen zu verhindern. Aus diesen Bäumen sollen dann in der nächsten Generation Vertreter von Rhodamnia zombi entstehen, die erste Resistenzen aufweisen könnten. Am Ende werden entsprechend robuste Individuen wieder im Regenwald angepflanzt, so der langfristige Plan.

Ohne diese Intensivmassnahmen wären die Pflanzen jedoch nur mehr lebende Tote, so der Wissenschaftler. Wie 16 andere Arten werden sie auf der australischen Roten Liste in der Kategorie X gelistet: noch existent, aber innerhalb einer Generation zum Aussterben verdammt.

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