Journey to China: Mystery of Iron Mask Review: Wenn Jackie Chan Arnold Schwarzenegger trifft

Journey to China: Mystery of Iron Mask Review: Wenn Jackie Chan Arnold Schwarzenegger trifft

Dominik Bärlocher
Zürich, am 15.07.2020
Der Trailer lässt hoffen: Arnold Schwarzenegger und Jackie Chan kämpfen gegeneinander. Der Film zerschlägt die Hoffnung: Was habe ich mir da gerade angesehen? «Journey to China: Mystery of Iron Mask» ist Schwachsinn.

Arnold Schwarzenegger kämpft gegen Jackie Chan. Das ist es, was «Journey to China: Mystery of Iron Mask» – ohne «the» vor «Iron» – verspricht.

Der russische Film ist die Fortsetzung des 2014er Action-Blockbusters «Viy» und im heimischen Russland unter «Viy 2: Тайна печати дракон», in etwa «Geheimnis des Drachensiegels», bekannt. Da im Film Jackie Chan gegen Arnold Schwarzenegger kämpft, hat sich der Filmverleih Universal gedacht, dass westliches Publikum eventuell auch Freude am Film haben könnte, war doch «Viy» der erfolgreichste Film des Jahres in Russland. Da kann ein Sequel so schlecht nicht sein, oder?

Doch. Der Film kann schlecht sein. Der Film ist sogar sehr schlecht. Der Film ist so schlecht, dass ich mir die zwei Stunden zurückwünsche, die ich mit ihm verschwendet habe.

Worum geht es eigentlich?

Das Hauptproblem des Films ist das Script. Denn die Drehbuchschreiber Dmitry Paltsev, Alexey A. Petrukhin und Oleg Stepchenko laufen komplett Amok mit ihrem Werk. Alles, was noch fehlt, sind Aliens. Nach etwa 90 Minuten des 120-minütigen filmischen Flickwerks wäre ich nicht überrascht gewesen, wenn da noch Ausserirdische vorbeigekommen wären, sich einer Toga-Party angeschlossen und dann das Wimbledon Tennisturnier gewonnen hätten, indem sie auf Robben reitend Vampire bekämpft hätten.

Der Plot, so weit nachvollziehbar, geht in etwa so: Ein englischer Kartograph (Jason Flemyng) reist von Russland nach China. Warum, wird nie wirklich erklärt, aber es ist davon auszugehen, dass er die Gegend kartographieren will. Das können Zuschauer im zweiten Vorspann bei etwa der 10-Minuten-Marke ableiten. Weil Filme ja gerne mal einen zweiten Vorspann mit eingeblendeten Credits und alles haben. Dem Kartographen zur Seite ist ein chinesischer Bub ( 姚星彤 – Yao Xingtong, auch bekannt als Helen Yao), der offensichtlich von einer Frau gespielt wird. Wieso die beiden miteinander unterwegs sind, ist nicht ganz klar. Und warum die zwei ein semi-flauschiges Drachenmaskottchen dabeihaben erst recht nicht. Wahrscheinlich aus Merchandise-Gründen. Denn wenn es in «Star Wars» mit den unheimlich niedlichen Porgs schon funktioniert, dann kann das mit dem namenlosen Drachen-Flausch auch gehen. Nur, dass Kollege Plüschdrachenaffe mehr unheimlich als niedlich ist.

CGI war auch schon besser, Design auch
CGI war auch schon besser, Design auch

Wie dem auch sei, der Kartograph ist nicht wichtig. Oder doch? Ist bis zum Ende nicht klar. Denn im Tower of London, einem Gefängnis, hockt ein Mann in einer eisernen Maske neben Jackie Chan. Wärter ist Arnold Schwarzenegger als Brite. Der Mann, der kein englisches Wort so ausspricht, wie es klingen sollte, soll Brite sein. Ja, ne, is klar. Da kaufe ich ihm den uramerikanischen Kleinstadt-Sheriff Ray Owens aus «The Last Stand» von anno 2013 noch eher ab.

Der Mann in der eisernen Maske ist dann Zar Peter I, der in der echten Welt zwischen 1682 und 1725 über das russische Reich geherrscht hat. Warum der eine eiserne Maske trägt, ist nicht klar. Denn von Beginn an weiss jeder, wer er ist. Darum legt er die Maske dann irgendwann im Nebensatz ab. Das titelgebende «Mystery of Iron Mask» ist daher nicht «Wer steckt hinter der Maske?» sondern «Warum hast du 'ne Maske auf?»

Das China im Film scheint dann aber mehr so das China von vor etwa 1000 Jahren zu sein. Voller Mystik und Magie. Aktuell plagen sich die braven Bauern mit dem Terror-Regime der Drachenhexe (Li Ma) herum. Sie könnte eventuell etwas mit dem angedeuteten Plot aus dem ersten Vorspann zu tun haben, denn da geht es um die Augenbrauen eines Drachen, der Heilkräfte hat.

Wenn das noch nicht genug war, im Film kommt noch viel mehr zusammen. Bei etwa anderthalb Stunden sind da Piraten, Roboter, Wissenschaftler, Verhandlungen über den Teehandel zwischen Russland und China, Aale, Alchemie, Dreiecksbeziehungen, Unterwasserstädte, eine Musicalnummer, Bauchpinselei der Chinesen für die Russen, Bauchpinselei der Russen für die Chinesen und irgendwie haben Väter auch noch einen Part in dieser Geschichte. Das alles nicht zwingend in dieser Reihenfolge, aber das spielt keine Rolle. Zu keinem Zeitpunkt ist der Film auch nur ansatzweise kohärent. Es scheint so, als ob die Schreiber des Filmes einfach eine Serie von schönen Set Pieces zusammenzustellen und möglichst viel des Budgets von 49.1 Millionen US-Dollar zu verbraten.

Ja, aber Jackie Chan gegen Arnold Schwarzenegger

Wenn der Film nicht gerade mit einer Stimme aus dem Off über die Schönheit des Baikalsees schwadroniert, hockt der Zar mit Jackie Chan in Arnold Schwarzeneggers Gefängnis. Als der 66-jährige Jackie Chan beschliesst, dass er jetzt fliehen muss – warum wird nicht genau erklärt und ist glaubs auch egal – muss der chinesische Zappelphilipp gegen den amerikanisch-österreichischen Berg von Mann antreten.

So kurz die Szene auch sein mag, so gut ist sie.

Sowohl Schwarzenegger wie auch Chan wissen, was sie können. Jackie Chan zeigt, dass er im hohen Alter nach wie vor Stunts wagt, die sich manch ein 20-Jähriger Hollywood-Recke nicht trauen würde.

Jackie Chan kann es immer noch
Jackie Chan kann es immer noch
Die Perücke und der angeklebte Bart müssten nicht sein
Die Perücke und der angeklebte Bart müssten nicht sein

Arnold Schwarzenegger sieht zwar mit Schnauz und Perücke extrem behämmert aus, obwohl er mit 72 Jahren besser aussehen würde denn je. Aber auch er weiss, dass er sich nicht als Kung-Fu-Kämpfer beweisen muss. Von ihm wird erwartet, dass er Menschen und schwere Dinge durch die Gegend schleudert. Das Resultat: Jackie Chan donnert hart in Wände, Arnold Schwarzenegger kassiert schnelle Schläge ins Gesicht und die Szenerie leidet mit. Dazu kommen die einzigen witzigen Dialoge und die beste Situationskomik des Films.

Arnold Schwarzenegger mit Perücke und Schnauz
Arnold Schwarzenegger mit Perücke und Schnauz
Besser: Arnold Schwarzenegger in «Terminator: Dark Fate»
Besser: Arnold Schwarzenegger in «Terminator: Dark Fate»

Schade, dass das nur wenige Minuten dauert, bevor der Film vergisst, dass Schwarzenegger und Chan da sind. «Viy 2» holpert dann wieder nach Russlandchina und macht viel Unverständliches. Wenn du nur am Kampf der beiden Action-Legenden interessiert bist, dann warte doch, bis der Clip der Kampfszene auf Youtube auftaucht.

Wie der Film gerettet werden könnte

Der Film ist abgesehen des Kampfes der Legenden nicht jenseits der Rettung. Daher versuche ich mich mal daran, den Film von inkohärent schlecht zu kohärent passabel zu bringen mit dem, was der Film vorgibt.

In meiner Version des Films geht es um einen russischen Kartographen. Die Engländer braucht der Film nicht.

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Dieser trifft auf einen mysteriösen chinesischen Buben, der einen Job braucht. Der Kartograph braucht einen Helfer, der so allerlei Dinge für ihn erledigt. Trifft sich gut, denn der Kartograph will nach China um eine Karte des Landes zu zeichnen, kann aber kein Chinesisch. Ein Gehilfe, der muttersprachlich Chinesisch spricht, ist da perfekt.

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Die beiden durchqueren den eisigen Baikal und die heisse Wüste.

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In China angekommen, treffen sie auf ein Dorf, das ein Problem hat: Die Drachenhexe. Sie hat die alten Heilkräfte der Drachen an sich gerissen, die Dorfbewohner sind gesundheitstechnischn von ihr abhängig. Darum vergiftet die Hexe das Wasser. So sind die Dörfler immer irgendwie ungesund. Wer nicht das tut, was die Drachenhexe will, der stirbt.

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Das finden der Kartograph und der Bub nicht gut. Aber es stellt sich raus, dass der Bub gar kein Bub ist sondern die rechtmässige Prinzessin des Landes, in dem das Drachenhexendorf liegt. Sie kann nicht zusehen, wie ihr Volk ausgebeutet und unterdrückt wird. Ihre Rückkehr wird von den Dörflern gefeiert, und sie selbst ist begnadete Kung-Fu-Kämpferin mit etwas Magie dabei.

Die Rebellion beginnt.

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Die Drachenhexe schickt ihre magischen Soldaten ins Feld. Die Prinzessin hat keine Chance. Viele Dörfler lassen ihr Leben. Der Kartograph will eigentlich nichts mit dem Konflikt zu tun haben, aber er kann dem Leid nicht länger zusehen. Er bietet an, mit westlicher Steampunk-Technologie zu helfen.

Sie zweifelt an der Technologie, aber will ihren Meister, gespielt von Jackie Chan, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus dem Kerker der Drachenhexe befreien.

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Die Rettungsaktion droht zu scheitern. Aber in letzter Sekunde greift der russische Kartograph, der Steampunk-Zeug kann, ein. Der Meister kommt frei und mahnt die Prinzessin, seine Schülerin, dass wenn die Rebellion etwas werden soll, dann braucht sie jede Hilfe, die sie kriegen kann.

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Der Kartograph braucht nun roten Stoff, um Gleiter für die Dörfler herzustellen. Diese sollen die Festung der Drachenhexe aus der Luft angreifen, von innen die Tore öffnen. Roter Stoff? Einer der Bauern vom Dorfrand kennt einen mysteriösen Westler, der immer rot gekleidet herumläuft. Da der Mann mehr Berg als Mann ist, könnte er roten Stoff haben? Der Mann nennt sich James Hook, aber spricht mit fremdem Akzent. Keiner weiss so genau, wer er eigentlich ist, woher er seine Waren hat und warum er da ist. Er ist etwas zwielichtig, aber kaum zu übersehen. Und warum trägt er eine massgeschneiderte Uniform eines britischen Soldaten? Vorbild für Arnold Schwarzeneggers Part in diesem Film ist Hannibal Chau (Ron Perlman) aus «Pacific Rim».

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Meister und Hook vertragen sich eingangs gar nicht. Kampfszene. Sie lernen, sich zu respektieren. Die Kabbeleien der beiden geraten in den Hintergrund

Die Rasselbande rüstet sich zusammen mit den Dörflern zum Kampf gegen die Drachenhexe.

Voilà, ein kohärenter Film. Klar, einen Oscar gewinnt auch meine Version von «Journey to China: Mystery of Iron Mask» nicht, aber ich will auch keinen Oscar. Ich will einen Film schaffen, der in sich selbst konsistent ist, Sinn ergibt und unterhält.

Denn im Film, den du dir ansehen kannst, steckt gute Unterhaltung. Irgendwo. Die Ideen sind einzeln nicht übel. Die Computereffekte sind okay, die Sets schön gemacht, die Kostüme interessant und die Kampfchoreographie einigermassen passabel. Apropos Kampfszenen, in meiner Version würde die Prinzessin stets im Stile des chinesischen Wuxia kämpfen. Also weite Kameraeinstellungen, viel Gewirbel in der Luft, die Schwerkraft wird mehr als Vorschlag denn als Regel wahrgenommen. Die Westler hingegen kämpfen mit Shaky Cam, Close Ups und schnellen Schnitten.

Im Finale tritt dann die Prinzessin gegen den Windkrieger an, Arnie knöpft sich den Steinkrieger vor und der Kartograph muss sich widerwillig gegen den Blitzkrieger verteidigen. Wuxia, harte Kämpfe und Tricksereien. Jackie Chan? Der ist überall dabei, hält im Alleingang grossartig unterhaltend die Soldaten der Drachenhexe in Schach, denn Jackie Chan braucht viele Elemente in seinen Kampfszenen, mit denen er spielen kann. Menschen, Möbel, Waffen, egal. Und den Schallkrieger kann er sich auch noch vorknöpfen, denn dieser wird von einem Gadget besiegt.

Am Ende steht unsere Heldenbande der Drachenhexe persönlich gegenüber. Und sie spielt ihren letzten Trumpf aus: den Drachen.

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Die Prinzessin tritt vor die starken Männer und sagt: «Ich mach das».

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So. Fertig. «Journey to China: Mystery of Iron Mask» hat in seiner aktuellen Form relativ wenig Reise. Und kein Iron-Mask'sches Mystery und sehr wenig eiserne Maske. Aber «To China: of» wäre wohl ein etwas blöder Titel.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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