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Je lebendiger der Traum, desto tiefer fühlt sich der Schlaf an

Träume können beeinflussen, als wie erholsam wir unseren Schlaf empfinden. Die Ergebnisse stellen die Ansicht infrage, wonach das Gefühl des tiefen Schlafs ausschliesslich auf eine langsame Gehirnaktivität zurückzuführen ist.

Der Schlüssel zu einer als erholsam empfundenen Nachtruhe liegt nicht nur in ihrer Dauer, sondern auch in dem subjektiven Eindruck, tief geschlafen zu haben. Welche Rolle Träume dabei spielen, hat nun ein Team der IMT School for Advanced Studies im italienischen Lucca untersucht. Es fand heraus: Je lebendiger die Träume sind, umso tiefer fühlt sich rückblickend der Schlaf an, wie die Fachleute in «PLOS Biology» berichten.

Für das Experiment luden Adriana Michalak und ihre Kollegen 44 gesunde Erwachsene jeweils viermal ins Schlaflabor ein und zeichneten deren Hirnströme mittels EEG auf. Mehrmals pro Nacht weckte das Team die Teilnehmenden und befragte sie zu ihren Erfahrungen unmittelbar vor dem Aufwachen sowie zur empfundenen Schlaftiefe und Schläfrigkeit. Dabei weckte es sie nicht wahllos, sondern immer während der sogenannten Nicht-REM-Schlafphase 2 (N2). Dieser stabile Leichtschlaf nimmt mit rund 50 Prozent der Gesamtschlafdauer den grössten Anteil am Schlafzyklus ein.

Je eindringlicher der Traum, desto tiefer fühlt sich der Schlaf an.
Giulio Bernardi, Neurowissenschaftler

Träume treten zwar vornehmlich im REM-Schlaf auf, kommen aber auch in N2 (und im Tiefschlaf) vor und gehen mit schnelleren Hirnwellen einher, die denen im wachen Zustand ähneln. Normalerweise wird langsame Hirnaktivität mit dem Gefühl der Schlaftiefe assoziiert. Das zeigte sich auch in dieser Studie. Was die Fachleute aber überraschenderweise ebenfalls feststellten: Wer sich nach dem Wecken an lebhafte und intensive Träume erinnerte, empfand den eigenen Schlaf als besonders tief. Im Gegensatz dazu waren eher vage Traumsequenzen mit dem Eindruck eines sehr leichten Schlafs assoziiert. «Die Qualität der Erfahrung, vor allem wie eindringlich sie ist, scheint entscheidend zu sein», erklärt Studienleiter Giulio Bernardi in einer Pressemeldung. «Je eindringlicher der Traum, desto tiefer fühlt sich der Schlaf an.»

Nicht nur eine Frage der Hirnaktivität

Die Ergebnisse stellen die landläufige Ansicht infrage, dass das Gefühl des Tiefschlafs ausschliesslich auf eine langsame Hirnaktivität zurückzuführen ist. Stattdessen scheinen intensive Träume dazu beizutragen, das subjektive Erlebnis eines tiefen, erholsamen Schlafs aufrechtzuerhalten – selbst dann, wenn im Lauf der Nacht der Schlafdruck nachlässt. Sie könnten auch erklären, warum manche Menschen das Gefühl haben, schlecht zu schlafen, obwohl die üblichen objektiven Schlafparameter normal erscheinen.

Die Autoren geben allerdings zu bedenken, dass das wiederholte Wecken möglicherweise den Trauminhalt sowie die wahrgenommene Schlaftiefe beeinflussen haben könnte, was einen Vergleich mit normalen Nächten erschwert. Da es zudem noch keine technischen Möglichkeiten gibt, Träume direkt auszulesen, lassen sich Kausalzusammenhänge dazu nur schwer herleiten.

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