Intel F-Prozessoren: Haben integrierte Grafiklösungen ausgedient?
MeinungGaming

Intel F-Prozessoren: Haben integrierte Grafiklösungen ausgedient?

Kevin Hofer
Zürich, am 25.04.2019
Bei den F-Prozessoren von Intel ist die On-Chip-Grafikeinheit deaktiviert. Dabei sind die F-Prozessoren nicht wirklich günstiger als ihre Nicht-F-Pendants. Will Intel künftig bei der Desktop Core-i-Serie ganz auf die integrierte GPU verzichten?

Seit dem Launch der ersten Core-i-Serie 2010 hat Intel selten CPUs ohne integrierte GPU herausgegeben. An der CES kündigte der Chiphersteller Prozessoren mit dem Zusatz «F» an. Bei diesen ist die Grafikeinheit zwar vorhanden, aber deaktiviert oder defekt.

Core i5-9400F (LGA 1151, 2.90GHz, 6-Core)
Prozessor
169.–
Intel Core i5-9400F (LGA 1151, 2.90GHz, 6-Core)
Core i9-9900KF (LGA 1151, 3.60GHz, 8-Core)
Prozessor
532.–
Intel Core i9-9900KF (LGA 1151, 3.60GHz, 8-Core)

Gleicher Preis, weniger drin

Bei den F-Prozessoren handelt es sich physisch somit um eine ganz normale CPU der neunten Core-i-Serie. Falls du dich nervst, dass Intel die F-Prozessoren nur unwesentlich günstiger oder gar zum gleichen Preis verkauft wie ihre Nicht-F-Pendants, bist du nicht allein. Mir geht es genauso. Die Preispolitik von Intel ist aber nicht Inhalt dieses Artikels. Ich frage mich, wieso der Halbleiterhersteller aus Santa Clara die GPU lediglich deaktiviert.

Einerseits rechtfertigt sich wohl der Aufwand nicht, eine ganze Produktionsreihe auf GPU-freie Prozessoren umzustellen. Andererseits hat der Hardware-Riese so die Möglichkeit, jene CPUs, die zwar funktionsfähig sind, bei denen aber die GPU defekt ist, zu verkaufen. Diese könnten sonst nicht verkauft werden. Intel hat immer noch mit Engpässen bei der Fertigung seiner 14-nm++-Chips zu kämpfen. Diese Kapazitätssteigerung in der Produktion durch das Hinzufügen eines neuen Prozessoren-Suffix kommt dem Unternehmen aus Santa Clara sicher nicht ungelegen.

Das liebe Geld spielt bestimmt eine zentrale Rolle hinter den neuen F-Prozessoren. Dieser Faktor wird durch einen weiteren verstärkt: Intel plant den Einstieg ins Grafikkartengeschäft. Wann genau, ist noch nicht klar, 2020 scheint aber realistisch. Klar, Gamen kannst du mit den On-Chip-Grafikeinheiten sowieso nicht. Aber ohne diese bist du auch als Office-User dazu gezwungen, bei deinem PC eine dedizierte Grafikkarte zu verbauen. Ein neuer Absatzmarkt für Intel, denn das CPU-Geschäft ist hart umkämpft und Intel wird künftig Anteile verlieren, vor allem im mobilen Sektor.

ARM wird Intel bei Notebooks den Rang ablaufen

Man kann von Apple halten, was man will. Aber Trends setzt das Unternehmen aus Cupertino auf jeden Fall. Einen weiteren plant der Tech-Konzern nächstes Jahr: Apple setzt künftig auf ARM-Chips statt Intel. Intel verliert bereits in wenigen Monaten einen wichtigen Abnehmer ihrer mobilen CPUs. Auch Microsoft arbeitet daran, Windows ARM-freundlicher zu gestalten. So könnten künftig auch Windows-Notebooks mit ARM-Prozessoren laufen. Intel muss sich also schleunigst überlegen, wie sie diese schwindenden Marktanteile wiedergutmachen wollen.

Tech-Youtuber Coreteks hat Intels-Problem mit ARM in einem Video zusammengefasst, das du dir unbedingt anschauen solltest.

Auch wenn ich mit Coreteks nicht in jedem Punkt einverstanden bin, legt er dennoch plausibel dar, dass ARM zumindest bei Notebooks und günstigen PCs die Zukunft ist. Mit den Fortschritten in den letzten Jahren sind ARM-Chips schnell genug, um es mit mobilen Prozessoren von Intel aufzunehmen – und sie sind dabei um einiges sparsamer und günstiger.

Gemäss dem Personal Computing Device Forecast 2019-2023 von IDC machen 2019 Notebooks und Mobile Workstations 42.4 Prozent des Personal Computing Device Market Shares aus. Desktop PCs nur 22.6 Prozent. Intel hält aktuell zwischen 75 und 80 Prozent der Marktanteile. Fallen die Notebooks und Mobile Workstations weg, hat Intel ein grosses finanzielles Loch.

Hinzu kommt, dass Intel auch Marktanteile an AMD abgibt und das nicht nur im Desktop-Bereich. Intel muss sich also dringend nach neuen Absatzmärkten umsehen. Das lukrative Geschäft mit den Grafikkarten bietet sich da an. Wieso künftig nicht Otto-Normalverbraucher dazu nötigen, eine dedizierte Grafikkarte – am besten von Intel – für den PC zu kaufen? Bundleangebote würden sich hier geradezu anbieten.

Integrierte Grafiklösungen haben ausgedient

Die F-Prozessoren sind erst der Anfang. Ich behaupte, dass Intel künftig keine On-Chip-Grafikeinheit mehr auf den Desktopprozessoren verbauen wird. Intel als grosses böses Unternehmen hinzustellen, ist aber vermessen. Bei AMD sind Prozessoren ohne Grafikeinheit Standard. Und das Red Team verkauft bereits seit Jahren Grafikkarten.

Was meinst du? Bin ich verblendet und unterstelle Intel mit meiner Vermutung gar viel? Oder siehst du’s ähnlich? Schreib’s in die Kommentarspalte.

24 Personen gefällt dieser Artikel


Kevin Hofer
Kevin Hofer
Editor, Zürich
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten ist meine Leidenschaft.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren