Huawei Flip Phone: Patent zeigt Old-School Klapp-Phone
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Huawei Flip Phone: Patent zeigt Old-School Klapp-Phone

Dominik Bärlocher
Zürich, am 26.10.2020
Ein Patent zeigt ein Huawei Flip Phone. Noch ist wenig über das Klapp-Natel bekannt ausser dem Formfaktor und der Tatsache, dass das kleine Ding in Zeiten grosser Sorge angekündigt wird.

Trotz dem Google-Verbot und trotz der Tatsache, dass das faltbare Huawei Mate XS nicht den grossen Erfolg gebracht hat, glaubt Huawei weiter an das Konzept der faltbaren Phones. Ein Patent zeigt ein Phone im Stile eines Motorola Razr oder eines Communicators aus Star Trek. Also ein Flip Phone, das sich über die schmale Kante oben auffaltet.

Mate Xs (512GB, Blau, 6.60", Hybrid Dual SIM, 40Mpx, 5G)
Neuwertig + Geprüft
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Huawei Mate Xs (512GB, Blau, 6.60", Hybrid Dual SIM, 40Mpx, 5G)

Nur wenig bekannt

Über die Specs des Phones ist nur wenig bekannt. Das Branchenmagazin LetsGoDigital hat aber basierend auf dem vierseitigen Patentantrag Zeichnungen angefertigt. Diese zeigen ein Phone, das dem Samsung Z Flip stark gleicht. Ausser dass der Bildschirm aussen auf dem Phone dramatisch vergrössert werden soll.

Aussen ist ein grösserer Bildschirm verbaut
Aussen ist ein grösserer Bildschirm verbaut
letsgodigital.org

Danebst sind da zwei Kameras verbaut, angeordnet wie das Camera Array des Huawei P30 Pro, also vertikal.

Ansonsten ist die Aussenseite unspektakulär
Ansonsten ist die Aussenseite unspektakulär
letsgodigital.org

Innen ist das Phone ein Bildschirm mit etwas Ränder.

Aufgeklappt erhältst du ein Rechteck mit abgerundeten Ecken
Aufgeklappt erhältst du ein Rechteck mit abgerundeten Ecken
letsgodigital.org

Aber: Ein Patent bedeutet nicht, dass das Phone in absehbarer Zeit auf den Markt kommen wird. Also kann die Frage «Wann wird das Phone bei digitec erhältlich sein?» mit «das weiss noch kein Mensch auf diesem Planeten» beantwortet werden. Ein Patent ist nichts anderes als eine Deklaration einer Absicht. Im Wesentlichen ist es «Wir reservieren uns dieses Design, damit es uns kein anderer vor der Nase wegschnappt». In diesem Fall dürfte das Samsung sein, dessen Z Flip zwar nicht der Gassenhauer war, den sich die Welt versprochen hat, aber trotzdem genug Einheiten verkauft hat, damit ein Folge-Phone Realität wird.

Was ist unter der Haube?

Spannend wird die Sache mit dem Samsung Communicator – ich nenne das jetzt als Star-Trek-Fan mal so – wenn die aktuelle Situation mit den USA in Betracht gezogen wird. Seit Mai vergangenen Jahres dürfen US-amerikanische Unternehmen keine Geschäfte mehr mit Huawei machen. Das betrifft Hardware sowie Software, mit Ausnahme Android. Da Android ein per Definition offenes Betriebssystem ist, darf jede Programmiererin auf der Welt ihre eigene Android-Distro erstellen. Aber die Google Services, die proprietär der US-amerikanischen Firma Google – Tochterfirma von Alphabet – gehören, dürfen nicht verwendet werden.

Wenn du dir den stark vereinfachten Aufbau einer Android-Architektur ansiehst, dann fehlt die Ebene unter der App Layer.

Die Google Mobile Services dürfen nicht verwendet werden
Die Google Mobile Services dürfen nicht verwendet werden

Damit fehlen nicht nur Apps, sondern auch wichtige Programmschnittstellen, die Huawei mit dem eigenen Services ersetzt.

Huawei Mobile Services ersetzen Google Mobile Services
Huawei Mobile Services ersetzen Google Mobile Services
Mate 40 Pro (256GB, Mystic Silver, 6.76", Hybrid Dual SIM + eSIM, 50Mpx, 5G)
1199.–
Huawei Mate 40 Pro (256GB, Mystic Silver, 6.76", Hybrid Dual SIM + eSIM, 50Mpx, 5G)

Da Google mit seinen Mobile Services zehn Jahre Vorsprung hat, muss Huawei hier rasant Aufholarbeit leisten, bietet aber zumindest funktionale Software, selbst wenn sie zum aktuellen Zeitpunkt noch recht chinesisch wirken.

Daher arbeitet Huawei an einem eigenen Betriebssystem mit dem Namen HarmonyOS. Auf der jüngst vorgestellten Huawei-Mate-40-Serie läuft noch Android, aber HarmonyOS soll laut Gerüchten in den Smartphones des Jahres 2021 verbaut sein. Das dürfte mit ziemlicher Sicherheit auch den Huawei Communicator betreffen.

Die zweite Sorge: Huawei hat derzeit laut unbestätigten Berichten Mühe, ihre Systems-on-a-Chip herzustellen. Die Kirin-Plattformen verwenden US-amerikanische Software und/oder Services in der Herstellung. Das ist nicht mehr erlaubt und so sei der Kirin 9000 des Mate 40 der letzte seiner Art. Huawei hat sich öffentlich noch nicht zur Situation geäussert.

Kleine, letzte Randnotiz: Wenn etwas auf deinem Phone installiert ist, sei es Android oder die Google Mobile Services, dann können diese nicht einfach über Nacht verschwinden. Du wirst also nicht, wenn du ein Huawei mit Google Services hast, eines Morgens ohne App Store aufwachen. Oder mit HarmonyOS.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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