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Hisense setzt auf RGB-Mini-LED und Dolby Vision 2 – ein Versprechen mit Fragezeichen

Luca Fontana
6.1.2026

Hisense zeigt an der CES 2026 neue TV-Flaggschiffe mit RGB-Mini-LED und Dolby Vision 2. Die Ankündigung klingt nach Aufbruch. Doch was davon ist echte Innovation – und was vorerst nur ein Versprechen?

An der CES 2026 in Las Vegas stellt Hisense seine neuen TV-Flaggschiffe vor. Die Modelle UR9S und UR8S setzen bei der Hintergrundbeleuchtung auf RGB-Mini-LED und gehören zu den ersten Fernsehern, die bereits 2026 Dolby Vision 2 unterstützen sollen.

Auf dem Papier ist das eine Kampfansage an OLED und klassische Mini-LED-TVs. In der Praxis wirft die Ankündigung allerdings mehr Fragen auf, als sie beantwortet.

RGB-Mini-LED: grosse Idee, viele offene Fragen

RGB-Mini-LED ist eine Weiterentwicklung klassischer Mini-LED-Hintergrundbeleuchtungen. Statt weisses Licht zu erzeugen, das später durch Farbfilter oder Quantum Dots eingefärbt wird, nutzen RGB-Systeme direkt rote, grüne und blaue LEDs im Backlight. Das verspricht weniger Lichtverluste, ein höheres Farbvolumen und theoretisch präzisere Kontrolle über Helligkeit und Farben.

Hisense spricht von deutlich verbesserter Farbdarstellung, sehr hohen Spitzenhelligkeiten und weniger Blooming in dunklen Bildbereichen. Konkrete Zahlen bleibt der Hersteller allerdings schuldig. Weder zur Anzahl der Dimming-Zonen noch zur tatsächlichen Ansteuerung der RGB-Dioden macht Hisense bislang Angaben.

Dabei ist gerade das entscheidend, denn mehr und kleinere LEDs allein garantieren noch keine bessere Bildqualität. Wie sauber ein LCD-TV dunkle Szenen darstellt, hängt massgeblich davon ab, wie fein das Local Dimming arbeitet und wie gut der Bildprozessor tausende Lichtzonen gleichzeitig steuern kann. Ohne diese Informationen bleibt offen, wie gross der praktische Vorteil gegenüber aktuellen Mini-LED-Topmodellen wirklich ist.

Ins selbe Horn bläst auch Sony: Bei ihnen durfte ich auf der vergangenen IFA in Berlin so einen RGB-Mini-LED-Fernseher bereots mit eigenen Augen sehen.

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180 und 300 Hertz – beeindruckend, aber für viele egal

Auch bei den restlichen Eckdaten setzt Hisense auf Superlative. Die neuen TVs sollen bis zu zehntausend (!) Nits schaffen sowie Bildwiederholraten von bis zu 180 Hertz in 4K erreichen, bei reduzierter Auflösung sogar bis zu 300 Hertz.

Für PC-Gaming ist das technisch beeindruckend, für Konsolen-Spielerinnen und -Spieler hingegen weitgehend irrelevant. PlayStation 5 und Xbox Series X sind auf 120 Hertz limitiert, und auch im Alltag dürfte diese Zahl für die meisten Nutzenden kaum eine Rolle spielen.

Dolby Vision 2 verspricht mehr Kontrolle

Viel spannender ist hingegen die angekündigte Unterstützung von Dolby Vision 2. Der neue HDR-Standard von Dolby verspricht intelligentere Bildanpassungen, eine feinere Schwarzdarstellung, bessere Bewegungssteuerung und stärkere Einbindung der kreativen Intentionen von Filmschaffenden. Ein «Gamechanger» für die Branche, neu auch beim Upscaling, wie mir auf der vergangenen IFA erklärt wurde.

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Möglich macht das unter anderem der MediaTek Pentonic 800, ein äussert leistungsstarker Prozessor, der in den neuen Hisense-TVs zum Einsatz kommt. Allerdings weist Hisense selbst darauf hin, dass Dolby Vision 2 möglicherweise erst per Firmware-Update nachgereicht wird. Zudem gibt es aktuell praktisch keine Inhalte, die den neuen Standard überhaupt nutzen.

Für Endkonsumentinnen und Endkonsumenten bedeutet das: Die Technik ist angekündigt, aber noch nicht angekommen. Weder ist klar, wann Dolby-Vision-2-Inhalte in relevantem Umfang verfügbar sein werden, noch welche Funktionen auf welchen Modellen tatsächlich freigeschaltet sind.

Dolby selbst unterscheidet nämlich zwischen einer vollumfänglichen «Max»-Version und einer abgespeckten Variante für leistungsschwächere Geräte. Das macht das ohnehin dichte HDR-Ökosystem nicht übersichtlicher. Entsprechend passen die grossen Hersteller wie Samsung, LG oder Sony noch bei dieser grossen Weiterentwicklung: Ihre 2026er-Modelle werden «nur» Dolby Vision 1.0 haben.

Ein weiteres Detail ist die Software-Strategie von Hisense: Während die neuen Modelle in den USA mit Google TV erscheinen sollen, setzt der chinesische Hersteller in Europa weiterhin auf seine eigene Plattform Vidaa. Für Streaming-Apps ist das heute zwar kein KO-Kriterium mehr, doch Unterschiede bei Update-Geschwindigkeit, App-Auswahl und langfristiger Unterstützung bleiben ein Thema.

Viel Ambition, wenig Gewissheit

Unterm Strich zeigt Hisense an der CES 2026 vor allem eines: Ambitionen. Der Hersteller will im Premium-Segment nicht mehr nur über den Preis wahrgenommen werden, sondern als technologischer Vorreiter. RGB-Mini-LED und Dolby Vision 2 sind dafür die richtigen Schlagworte. Ob daraus auch ein echter Vorteil im Wohnzimmer entsteht, wird sich jedoch erst zeigen, wenn unabhängige Tests klären, wie gut das Local Dimming funktioniert, wie stabil die Bildverarbeitung ist und ob Dolby Vision 2 mehr ist als ein Logo auf dem Karton.

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Bis dahin bleibt die Ankündigung genau das: ein starkes Versprechen – und eine Einladung, genau hinzuschauen, bevor man sich davon blenden lässt.

Titelbild: Hisense Newsroom

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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