HarmonyOS ist da: Goodbye, Android

HarmonyOS ist da: Goodbye, Android

Dominik Bärlocher
Zürich, am 02.06.2021
Huawei hat sein eigenes, mobiles Betriebssystem gezeigt. HarmonyOS soll schneller, leichter und zukunftssicherer sein als es Android je war.

Huaweis neues Betriebssystem HarmonyOS soll auf allem laufen, von Smartphones über Smartwatches bis hin zu Autos und – wenn denn ein Hersteller so will – auch auf smarten Toastern. Dazu soll der komplett neu entwickelte Kernel des Operating Systems (OS) schneller sein, als es Android je war. Denn, so ist sich Huawei sicher, Android ist etwas in die Jahre gekommen.

«Huawei hat getan, was es konnte um die Verlangsamung der Hardware durch Android zu verhindern», sagt Richard Yu, CEO der Huawei'schen Mobile Divison zu Beginn der Vorstellung des Betriebssystems.

Das klingt alles gut. Und bitter notwendig. Bis vor wenigen Jahren war Huawei ein Gigant in der Szene der Smart Devices. Dann kam der ehemalige US-Präsident Donald Trump und hat es US-amerikanischen Unternehmen verboten, Güter, Waren, Wissen und Services mit Huawei zu tauschen. Die Verkäufe sind eingebrochen, der Ruhm vergangen.

Huawei hat Aufholarbeit zu leisten. HarmonyOS soll das richten.

Eins vorneweg. Das Huawei P50, längst überfällig, ist zwar kurz gezeigt worden, aber mit Launch-Termin «unbekannt». Das Design ist aber offiziell:

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Ein OS für alles

HarmonyOS soll auf jedem Smart Device laufen, nicht nur auf Smartphones. So will Huawei verhindern, dass da ein separates Betriebssystem für Uhren, eins für Autos, eins für Phones und so weiter geschaffen werden muss. Vor allem aber auch soll HarmonyOS sicherstellen, dass es auch auf Geräten läuft, an die bis dato noch keiner gedacht hat.

Die Entwicklung des OS hat vor fünf Jahren begonnen, und wurde von Grund aufs neu entwickelt. Es läuft auf mindestens 128 kb RAM. Einhundertachtundzwanzig. Das ist kein Tippfehler. Das ist wenig, das ist leicht. Das erlaubt Geschwindigkeiten auf High-End Hardware, die bisher noch nicht da gewesen sind.

Das Betriebssystem soll über die Gerätegrenzen mit der echten Welt interagieren können. Die Bezahlfunktion via NFC gehört zum Standard. Doch Huawei denkt da weiter. In der echten Welt sollen Service Points, ähnlich einem Batch-System bei der Arbeit, schnelle Eintrittskontrollen und Bezahlvorgänge ermöglichen. Ein Beispiel: Du rennst aufs Tram, hältst dein Phone an einen Sensor und dein Ticket ist gelöst.

Dies schlägt sich auf die Sicherheitsmechanismen nieder. Ein Beispiel: Du kannst dein Ökosystem so einstellen, dass dein Phone sich nur entsperrt, wenn deine Smartwatch gleichzeitig deinen Puls misst.

Ein bisschen Android, ein bisschen iOS

Visuell gleicht HarmonyOS bekanntem. Da ist ein Control Panel, das dem von Apples iOS gleicht. Es soll der Dreh- und Angelpunkt eines smarten Ökosystems sein. Mit Widgets kannst du dein Control Center selbst konfigurieren, Services und Geräte logisch anordnen. Du kannst Spotify über all deine Bluetooth Headphones und deine WLAN Speaker stellen.

Huawei nennt das Konzept «Super Device». Ein Gerät, das eigentlich mehrere Geräte ist, aber nahtlos zusammenarbeitet. Diese Nahtlosigkeit hat Huawei schon in der Vergangenheit mit seiner Benutzeroberfläche Emui gesucht und erstaunlich gut gefunden. Aber HarmonyOS soll da noch einen Schritt weitergehen.

Die Auswahl der Geräte im Super Device, die du gerade bedienst, kann unter anderem via Drag and Drop gemacht werden. Es soll sogar möglich sein, einen Video Call vom Smartphone auf den Fernseher zu übertragen, dann das Gespräch dort weiterführen. Das soll so nahtlos gehen wie der Datentransfer zwischen den Geräten. Windows soll wie gehabt voll kompatibel bleiben. Andere app-getriebene Smart Devices sollen ebenfalls nahtlos eingebunden werden können. Sogar die Daten aus der Health App sollen eingebunden werden und so kann – zum Beispiel – eine Smoothie-Maschine den Smoothie vorschlagen, den du dir aufgrund deiner Ernährungsvorlieben und Aktivität am ehesten gönnen solltest.

Damit stellt Huawei das erste dezentral konzipierte Betriebssystem vor. Also ein OS, das nicht spezifisch für einen Hardware-Typ entwickelt wurde.

Spannend.

Die ersten Geräte mit HarmonyOS:

  • Huawei Watch 3
  • Huawei MatePad Pro mit neuem Huawei M-Pencil

Genau darum bleibe ich dran. Wenn alles gut läuft, kann ich dir morgen mehr sagen. Und vor allem mehr zeigen.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher

Senior Editor, Zürich

Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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