Google Pay in der Schweiz, aber wahrscheinlich nicht für dich

Google Pay in der Schweiz, aber wahrscheinlich nicht für dich

Dominik Bärlocher
Zürich, am 30.04.2019
Mitarbeit: Manuel Wenk
Google will im Kampf um den Standard der mobilen Bezahllösungen mitmischen. Damit ist der Suchgigant nicht der erste, der sich auf dem Schweizer Markt beweisen will, legt aber einen flauen Start hin.

Seit heute ist Google Pay in der Schweiz erhältlich. Aber das nützt dir wahrscheinlich nichts, denn nur die folgenden Finanzinstitute der Schweiz arbeiten bisher mit Google Pay zusammen.

  • Cornercard
  • Bonuscard, eine Schwestergesellschaft Cornercards
  • Swiss Bankers, eine Kreditkartengesellschaft, zu den Shareholdern gehören die Kantonalbanken, Credit Suisse, Entris, Raiffeisen und Postfinance
  • Revolut, eine 2015 gegründete Firma, die sich als Revolution des Geldtransfers bezeichnet
  • Boon, eine mobile Bezahllösung

Doch nur weil in obiger Liste die Namen grosser Banken fallen, heisst das nicht, dass deine Kreditkarte zwingend mit Google Pay funktioniert.

Die App im Detail

Google Pay ist die mobile Bezahllösung des Suchgiganten aus den USA. Wenn du Twint kennst, dann kennst du auch die Kernfunktionalität Google Pays. Du kannst via NFC an Bezahlterminals der Schweiz mit Google Pay deine Einkäufe bezahlen. Die Beträge werden über deine Kreditkarte abgebucht und am Ende kannst du dein Portemonnaie zu Hause lassen. Google Pay unterscheidet sich im Wesentlichen von Twint und anderen Lösungen, abgesehen von Apple Pay, dadurch, dass die App aus dem Hause des Erfinders deiner Phone Software stammt. Und dadurch, dass der Support in der Schweiz noch recht limitiert ist.

Der Hauptbildschirm Google Pays
Der Hauptbildschirm Google Pays

Die App selbst kommt im generalüberholten Material Design Googles daher. Viel weiss, viel Leerraum. Das gefällt. Sowohl Einstellungen wie auch Interaktionsmöglichkeiten mit der App werden kurz gehalten. Da kannst du deine Karten einsehen, was du gekauft hast und das war es eigentlich schon.

Bisher werden bei den Tickets nur die Las Vegas Monorail und der Myki in Melbourne unterstützt
Bisher werden bei den Tickets nur die Las Vegas Monorail und der Myki in Melbourne unterstützt

Einziges interessantes Detail: Da ist ein Tab, der es dir erlaubt, Billete von öffentlichen Verkehrsbetreibern zu hinterlegen. Bisher aber geht das nur mit der Las Vegas Monorail und dem Myki in Melbourne. Beide arbeiten nach dem «Pay as you go»-Verfahren. Sprich, du lädst dein Ticket auf, sagen wir mal mit 20 Dollar. Dann scannst du dein Ticket jedes mal, wenn du den Zug betrittst und wirst so lange durch das Drehkreuz gelassen, bis die 20 Dollar aufgebraucht sind. Für die Schweiz ist das weniger relevant, da sowohl Bahnhöfe wie auch das Ticketsystem anders aufgebaut sind, aber für Vielreisende kann das durchaus etwas bringen. London hat die Oyster Card, die nach demselben Prinzip funktioniert. Andere europäische Städte auch. Diese an Google Pay anzubinden, ist sicher möglich und durch die direkte Leitung zur im Google-Konto hinterlegten Kreditkarte auch praktisch für den End User.

Google Pay funktioniert nicht nur mit dem Handy. Smartwatches setzen zusehends auf mobile Bezahllösungen, denn wenn du einfach dein Handgelenk ans Terminal halten kannst, dann musst du nicht das Handy oder das Portemonnaie hervorkramen. Swatch hat vor wenigen Tagen die Bellamy-Serie vorgestellt, mit der du per Handgelenk bezahlen kannst. Samsungs Smartwatches setzen auf Samsung Pay, Garmin hat Garmin Pay, alle Smartwatches, die auf WearOS laufen, sind an Google Pay angebunden, sofern sie NFC unterstützen. Google Pay hat auch ein Web End, das Verwaltungsoptionen bietet.

Das Google Pay Web End
Das Google Pay Web End

Der Kampf um den Standard

Mobile Bezahllösungen führen in der Schweiz im öffentlichen Bewusstsein noch ein Nischendasein. Gerade setzt sich V Pay, die kontaktlose Bezahlmöglichkeit Visas durch. Damit kannst du per Karte kontaktlos bis zu einem Betrag von 40 Franken bezahlen. Aber die Diskussion und der Kampf, welcher mobile Bezahlservice zum Standard wird, müssen erst noch geführt werden.

Smartwatches sollen mit dem Smartphone dereinst das Portemonnaie ersetzen
Smartwatches sollen mit dem Smartphone dereinst das Portemonnaie ersetzen

Die Schweizer Banken arbeiten aber dran. Credit Suisse unterstützt seit heute Samsung Pay und Apple Pay als Bezahlmöglichkeiten. Andere Services seien in Abklärung.

Die Rettung in Form von Paypal?

In Deutschland ist die Unterstützung seitens der Banken ebenfalls nicht zwingend gegeben. Dort werden die folgenden Finanzinstitute und deren Kreditkarten unterstützt:

  • Boon
  • Comdirect
  • Commerzbank
  • N26
  • BW-Bank
  • Revolut
  • Bunq
  • Openbank

Doch auch wenn der Support seitens der grossen Banken nicht gegeben ist, so hat Google Pay in Deutschland einen Service angebunden, der die Grossen überflüssig macht: Paypal. Es ist ennet der Grenze möglich, mit Google Pay via Paypal zu bezahlen. Wenn du in Paypal deine Kreditkarte als «Pay as you go»-Karte hinterlegst, dann ist jede Bank unterstützt. So per Proxy halt.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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