Geht Nachhaltigkeit wirklich nicht preiswerter?

Geht Nachhaltigkeit wirklich nicht preiswerter?

Pia Seidel
Zürich, am 09.08.2019
Das Luxuslabel Dior hat gerade eine Reihe exklusiver Mehrwegstrohhalme auf den Markt gebracht, die den Plastikverbrauch reduzieren sollen. Sie sind Gold und kosten ein Vermögen.

Nachhaltige Produkte auf den Markt zu bringen, steht aktuell besonders bei Modemarken weit oben auf der Agenda. Das Problem: Egal, ob Zara, H&M oder Prada – alle führen die Öffentlichkeit mit ihren Nachhaltigkeitsbemühungen in die Irre. Sie formulieren ihre Umweltinitiativen nur vage, denken nicht über die Konsequenzen der Alternativen nach oder machen ihre nachhaltigen Produkte unzugänglich für eine breite Masse.

Der Luxusgüterhersteller Dior hat soeben Mehrwegstrohhalme lanciert, die 120 Pfund kosten (ca. 142 Franken). Sie sind handbemalt, goldfarben und mundgeblasen. Ihr Design ist zwar schön, aber teuer. Der Preis macht skeptisch, ob diese Alternative wirklich dem Zweck dient. Wie kann ein so exklusives Produkt dazu zu beitragen, die Verwendung abfallfreier Trinkhalme zu fördern?

Die Dior-Strohhalme kommen in einer edlen Schachtel und gebrandet daher. Das Set enthält sechs Strohhalme. Bild: Dior
Die Dior-Strohhalme kommen in einer edlen Schachtel und gebrandet daher. Das Set enthält sechs Strohhalme. Bild: Dior

Andere abfallfreie Strohhalme sind bereits unbeliebt

Das Luxus-Accessoire von Dior passt zum Luxusproblem, das sich international in Sachen Trinkhalme zeigt. Anfang dieser Woche gaben Medien wie The Sun bekannt, dass sich die neuen Papierstrohhalme von der Fast Food Kette McDonald’s schlecht recyceln lassen. Sie seien zu dick. Auch werden sie noch während des Gebrauchs in Getränken matschig.

Papiertrinkhalme kommen bei den Konsumenten seit der Einführung 2018 so schlecht an, dass eine Petition ins Leben gerufen wurde. McDonald’s wird darin aufgefordert, ihren alten Strohhalme zurückzubringen. Unter dem Slogan der Kampagne: «Damit ich meinen Milchshake richtig trinken kann», wurden bereits über 50 000 Unterschriften gesammelt. Sicher gibt es Menschen mit Behinderungen, die darauf angewiesen sind, mit Strohhalmen zu trinken. Alle anderen, die wegen eines Milchshakes nicht darauf verzichten können, haben ein Problem, das keines sein muss.

Es könnte so einfach sein

Wie günstig Plastikstrohhalme zu ersetzen wären, beweist einerseits die Tatsache, dass unsere Lippen allein den Job seit Millionen von Jahren machen. Andererseits gibt's für alle, die den Strohhalm-Fetisch haben, auch ganz einfache abfallfreie Alternativen: Die experimentierfreudigen Gastronomen der Bar «Artishow» aus Lausanne, servieren ihre Getränke beispielsweise mit Nudeln als Trinkhalm. Mit ihrer simplen Idee machen sie den grossen Unternehmen wie Dior oder McDonald’s etwas vor. Sie haben eine zugängliche Alternative gefunden und nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig gedacht. Schliesslich lassen sie die Nudeln im Anschluss gekocht geniessen.😉

Die Café-Bar Artishow verwendet Pasta als Strohhalm. Bild von Instagram: Benutzer «artishowlausanne»
Die Café-Bar Artishow verwendet Pasta als Strohhalm. Bild von Instagram: Benutzer «artishowlausanne»

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Pia Seidel
Pia Seidel
Teamleader Editorial Galaxus, Zürich
Als Design Cheerleader gehe ich aufmerksam durch die Welt und konsumiere Kunst, Design und Mode wie Süssigkeiten. Besonders liebe ich es auf Reisen in die Magie neuer Orte einzutauchen sowie Trends auf Messen oder den Strassen aufzuspüren. Im Alltag erfreue ich mich an der Gestaltung meiner eigenen vier Wände und Podcasts.

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