Hintergrund

«Gears of War: E-Day» Vorschau: So schön kann Multiplayer sein

Die Online-Partien in «Gears of War: E-Day» überzeugen spielerisch und bestechen durch eine unglaubliche grafische Qualität. Vor allem der neue «Horde Siege»-Modus ist an Spektakel kaum zu überbieten.

«Verdammt, ich will mehr», flüstere ich vor mich hin, während ich den Xbox-Controller widerwillig aus der Hand lege. An insgesamt drei Abenden habe ich mich im Rahmen einer Multiplayer-Preview durch verschiedene Online-Modi von «Gears of War: E-Day» geballert.

Was bleibt, sind zahlreiche epische Momente voller Action, Blut und abgesägter Körperteile. Der brutale Blockbuster von Microsoft-Studio The Coalition ist im Mehrspieler eine audiovisuelle Wucht, die ihresgleichen sucht.

Für die Preview habe ich lediglich Teile des Multiplayer-Modus getestet. Wie sich die Singleplayer-Kampagne spielt und welche Überraschungen in der düsteren Ursprungsgeschichte warten, erfährst du erst zum Launch am 6. Oktober.

Lust auf hammerharte Action? Dann bist du hier richtig.
Lust auf hammerharte Action? Dann bist du hier richtig.
Quelle: Microsoft

Steuerung mit Gewicht

In der Preview teste ich sowohl PvP- als auch Koop-PvE-Modi. Bevor ich mich jedoch ins Getümmel stürze, absolviere ich alleine einige Trainingseinheiten. Das ist bitter nötig, denn ich bin neu in der Welt von «Gears of War». Ich brauche gut eine Stunde, bis ich mich an die Steuerung gewöhne und meine «Call of Duty»-Shooter-Automatismen ablege.

Ich muss das Ballern neu lernen.
Ich muss das Ballern neu lernen.

Die Charaktere in «Gears of War: E-Day» steuern sich bewusst träge. Die muskelbepackten Supersöldner und Locust-Mutanten sind keine grazilen Leichtathleten, die mühelos durch Levels springen. Nein, es sind wuchtige Killermaschinen. Ich spüre ihr Gewicht mit jeder Bewegung. Sprinte ich, bebt der Boden. Schnelle Richtungswechsel sind kaum möglich. Und meine Ausweichrollen sehen aus, als würde ein Weinfass über den Boden kullern.

Das ist nicht negativ gemeint – im Gegenteil. Mir gefällt diese kraftvolle Trägheit. Ich fühle mich gross. Mächtig. Übermenschlich. Besonders, wenn ich einen Gegner mit der ikonischen Kettensägenknarre entlang seiner Wirbelsäule in zwei Hälften schneide. Herrlich.

Das muss wehtun.
Das muss wehtun.

Auch das für die Spielreihe typische Cover-System gefällt mir. Renne ich kopflos ins Getümmel, werde ich über den Haufen geballert. Stattdessen hangle ich mich von Deckung zu Deckung und versuche, Gegner zu flankieren. Dabei kommt es auf das richtige Timing an – klettere ich über eine Mauer oder wechsle seitlich die Deckung, vergehen wertvolle Sekunden, in denen ich verwundbar bin.

In Deckung!
In Deckung!

Um einen Vergleich zu früheren Titeln ziehen zu können, zocke ich das Remake des ersten Teils («Gears of War: Reloaded», 2025) und «Gears 5» (2019) an. Kennst du dich mit den früheren Games aus, wirst du einige Unterschiede in der Steuerung bemerken.

Insgesamt fühlt sich «E-Day» intuitiver, direkter und weniger steif an. In Deckung gehen, ballern, ausweichen – alles flutscht im Vergleich zu den Vorgängern nahtloser ineinander, ohne dabei die Wucht und das Gefühl für das Gewicht der Spielfiguren zu verlieren. Das Zielen funktioniert für mich präziser und zuverlässiger. Sinnvoll ist, dass das Nachlade-Minispiel (im richtigen Moment den Nachlade-Knopf drücken) in die Bildmitte verschoben wurde.

Komplett überarbeitet wurde der ikonische «Roadie Run» – der geduckte Sprint. Dieser wird nun mit einem Klick auf den linken Analogstick ausgelöst, so wie in vielen anderen modernen Shootern. Die Kamera zoomt beim Rennen nicht mehr rein und wackelt, sondern fährt zurück und gibt mir eine stabilisierte Übersicht. Im Sprint kann ich zudem sliden, um unter Hindernisse hindurchzurutschen und sogar hüpfen.

Hot Take: Jeder Shooter sollte ein Nachlade-Minispiel (Balken in der Bildschirmmitte) haben.
Hot Take: Jeder Shooter sollte ein Nachlade-Minispiel (Balken in der Bildschirmmitte) haben.
Quelle: Microsoft

Versus: solide Multiplayer-Kost

Im PvP-Modus stehen mir zwei Spielmodi und zwei relativ kleine Maps zur Verfügung. Zum Launch soll es vier Spielmodi und sechs Maps geben.

Die erste Map ist der Kalona Public Market – ein schicker Einkaufsort mit frischen Lebensmitteln, der von der Locust-Invasion in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das nächtliche Setting erzeugt trotz Zerstörung eine merkwürdig gemütliche Atmosphäre – zumindest wenn gerade nicht geballert wird.

Schön.
Schön.

Mir gefällt die Dynamik zwischen dem offenen Platz in der Map-Mitte und den kleineren, geschlossenen Gebäuden in der Peripherie. Chaotische, offene Konfrontationen wechseln sich mit taktischen Versteckspielen ab.

Zwischendurch ein paar Melonen wegballern. So viel Zeit muss sein.
Zwischendurch ein paar Melonen wegballern. So viel Zeit muss sein.

Noch besser finde ich die zweite Map: ein Aussenposten der Coalition-Armee. Dieses Level ist verwinkelter und vertikaler gestaltet als der Kalona Public Market. Wer sich gut mit der Architektur des Aussenpostens auskennt, verfügt über grosse Vorteile im Kampf. Die neuen Slide- und Sprung-Mechaniken kommen in diesem Level oft zum Einsatz.

Der Aussenposten erinnert visuell an frühere «Gears of War»-Ruinen.
Der Aussenposten erinnert visuell an frühere «Gears of War»-Ruinen.

Die zwei teambasierten PvP-Modi (je vier Spieler pro Team) sind solide, aber nichts Besonderes. Team Deathmatch ist... nun ja, Team Deathmatch. Ballern, töten, getötet werden, respawnen, wiederholen.

Spannender ist die «King of the Hill»-Variante «Conquest». Meine Teammitglieder und ich müssen eine wandernde Zone erobern und möglichst lange halten. Ohne Teamwork geht nichts. Der Modus zwingt mich zudem, die Cover-Mechaniken des Games sinnvoll zu nutzen – nur mit cleverem Ducken, Schiessen und Verschieben ist es möglich, eine Zone zu halten oder eine gegnerische Zone einzunehmen.

Das ist mein Revier, hörst du?
Das ist mein Revier, hörst du?

Auch wenn die zwei Multiplayer-Modi sehr basic sind, habe ich meinen Spass mit ihnen. Nicht zuletzt, weil sich die wuchtigen Charaktere, die Steuerung und die gewinnbringenden Cover-Strategien für mich als Neuling noch so ungewöhnlich und frisch anfühlen.

Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, unzählige Stunden damit zu verbringen. Aber das ist okay. Denn wie sich später herausstellt, sind die PvP-Modi nur kleine Appetizer vor dem grossen PvE-Hauptgang, dessen spektakuläre Inszenierung mich zum «Gears of War»-Fan konventiert.

«Horde Siege»: Oh mein Gott, ist das episch!

Der «Horde Siege»-Modus ist eine Weiterentwicklung klassischer Horde-PvE-Modi aus vergangenen «Gears»-Ablegern. In der Preview teste ich eine Map – den Kalona-Stadteil «Golden Quarter». Zum Launch soll es insgesamt drei Maps geben.

Gemäss Entwicklerstudio ist «Horde Siege» der bisher grösste «Gears»-Multiplayer-Modus. Zwölf Spieler (aufgeteilt in drei Teams) erledigen auf einer riesigen Map Missionen, während sie von immer grösseren Locust-Horden angegriffen werden. The Coalition fügt dem Modus noch eine Prise Extraction Shooter hinzu: Um den Einsatz erfolgreich abzuschliessen, muss mein Team mit einem Helikopter aus der Gefahrenzone extrahiert werden.

Mindestens ein Teammitglied muss es auf den Heli schaffen. Zum Abschluss können wir mit einer Minigun noch ein paar Locust-Gegner niederballern.
Mindestens ein Teammitglied muss es auf den Heli schaffen. Zum Abschluss können wir mit einer Minigun noch ein paar Locust-Gegner niederballern.

Bevor ich einen «Horde Siege»-Einsatz starte, lässt mich das Game den Umfang der verfügbaren Missionen auf dem Schlachtfeld wählen. Drei Optionen stehen mir zur Verfügung: «Blitz» sind kurze Missionen, die in wenigen Minuten erledigt sind, «Siege» sind komplexere Aufgaben, die mehr Koordination benötigen und in «Horde» erwarten mich die längsten Missionen.

Toll, dass ich mit dieser Auswahl die Länge meiner Ausflüge je nach verfügbarer Zeit flexibel anpassen kann.

Die «Blitz» Option ist ein kompakter 20-Minuten-Snack.
Die «Blitz» Option ist ein kompakter 20-Minuten-Snack.

Das Schlachtfeld im Golden Quarter ist absolutes Chaos. Ich renne mit meinem Team durch die Ruinen der Stadt und erledige Hauptmissionen. Wir nehmen Stützpunkte ein, transportieren Kriegsware oder verschanzen uns in strategisch wichtigen Knotenpunkten, bevor wir uns den Weg zum rettenden Helikopter freiballern.

Dazwischen präsentiert uns das Game immer wieder optionale Nebenmissionen. In diesen killen wir besonders mächtige Feinde, schliessen E-Holes (Löcher, aus denen die Locust gekrabbelt kommen) oder verteidigen Zonen wie im PvP-Modus «Conquest».

Wie viele Nebenmissionen wir absolvieren, steht uns offen. Es ist ein positiver Teufelskreis: Je mehr Aufträge wir erledigen, desto mehr temporäre Upgrades, Perks und Waffen schalten wir für die aktuelle Runde frei. Und je stärker wir dadurch werden, desto anspruchsvollere Missionen können wir absolvieren – und wir erhöhen unsere Chancen für eine erfolgreiche Extraktion.

Wie viele Nebenmissionen wir absolvieren, steht uns offen.
Wie viele Nebenmissionen wir absolvieren, steht uns offen.

Besonders cool: Auf unserem Ausflug im Golden Quarter kreuzen wir immer wieder andere Teams, die gerade ihre eigenen Missionen absolvieren. Via Proximity Chat können wir mit ihnen reden und sie unterstützen – oder sie ignorieren und sie ihrem Schicksal überlassen. In einigen Partien erlebe ich, wie sich Missionen überschneiden. Während unser Team E-Holes für eine Nebenmission schliesst, versucht ein anderes Team verzweifelt, in ihren Helikopter zu gelangen.

Überschneidungen zwischen Teams gibt es auch bei sogenannten «Boss Invasions». Bei diesen Events betreten meterhohe Gegner das Schlachtfeld. Um diese ekligen Monster zu killen, müssen alle drei Teams zusammenarbeiten. Gerade in diesen epischen Schlachten fühlt sich der Multiplayer weniger wie ein Online-Modus und mehr wie eine sorgfältig orchestrierte Sequenz aus einer Singleplayer-Kampagne an. Das ist spielbares Popcorn-Actionkino auf höchstem Niveau.

Ein Action-Spekatkel, wie ich es in einem Multiplayer-Shooter noch nicht erlebt habe.
Ein Action-Spekatkel, wie ich es in einem Multiplayer-Shooter noch nicht erlebt habe.
Quelle: Microsoft

Auch abseits solcher Spektakel-Momente überzeugt «Gears of War: E-Day» mit der Unreal Engine 5 optisch auf ganzer Linie. Die aufwendig gestalteten Charaktermodelle glänzen mit hervorragenden Animationen, fein ausgearbeiteten Rüstungen – und im Falle der Locust mit ekelhaften, echsenähnlichen Hauttexturen. Die Umgebungen verblüffen mit komplexer Geometrie, zerstörbaren Objekten und wunderschöner Raytracing-Beleuchtung. Egal, wohin ich die Kamera schwenke, die visuelle Dichte ist atemberaubend.

Beeindruckend sind auch die zahlreichen Partikel- und Raucheffekte sowie Kleinigkeiten, wie eingetrocknete Blutspritzer auf meiner Rüstung. Es ist der wahrscheinlich schönste Online-Multiplayer, den ich je gespielt habe.

Einfach nur geil.
Einfach nur geil.

Neben der wuchtigen Präsentation und dem Chaos auf dem Schlachtfeld sollte das Fortschrittssystem ebenfalls für Langzeitmotivation sorgen. Vor jedem Einsatz wähle ich eine von vier Klassen: «Assault» (die Allrounder-Klasse), «Breacher» (auf Nahkampf spezialisiert), «Marksman» (Sniper aus der Entfernung) oder «Medic» (heilt Teammitglieder am schnellsten).

Jede Klasse verfügt über ihre eigenen Waffen, taktische Ausrüstung und weiteres klassenspezifisches Equipment. Die ausrüstbaren Gegenstände lassen sich zudem hochleveln und mit Mods versehen – je mehr Nebenmissionen ich pro «Horde Siege»-Ausflug absolviere, desto mehr Ressourcen schalte ich für Upgrades frei.

Welche Klasse wählst du?
Welche Klasse wählst du?

Für die Preview entscheide ich mich für den brachialen Breacher mit Shotgun, Kettensägenknarre, Frag-Granaten und Adrenalin-Pack (gibt mir kurzzeitig einen Gesundheits-Boost in aussichtslosen Situationen).

Ich bin gespannt, wie sich der Nahkämpfer mit weiteren Levelaufstiegen und Upgrades optimieren lässt und freue mich, im fertigen Release auch mit den weiteren Klassen herumzuexperimentieren.

Vorfreude auf die Kampagne

Drei Abende in Kalona haben gereicht, um mich zum «Gears of War»-Fan zu machen. Ich kann es kaum erwarten, zum Launch online weiterzuballern und bin gespannt, welche weiteren Modi und Maps mich in dieser spektakulär schönen und brutalen Welt erwarten.

Das Highlight wird zweifelsohne der «Horde Siege»-Modus sein – ich hoffe aber, dass The Coalition auch im PvP-Bereich einige spannendere Modi und grössere Maps auf die Beine stellen wird.

Ich will weiter horden und siegen.
Ich will weiter horden und siegen.

Der Multiplayer-Vorgeschmack hat auch meinen Appetit auf die Singleplayer-Kampagne geweckt. Wenn schon der «Horde Siege»-Modus so fucking spektakulär inszeniert ist, was erwartet mich dann erst im Story-Modus?

Bis zum Launch im Oktober muss ich mich noch eine Weile gedulden. Bis dahin hole ich die alten Ableger nach und träume von vielen weiteren gory Kettensägenexekutionen und zerstampften Locust-Köpfen.

«Gears of War: E-Day» erscheint am 6. Oktober für die Xbox Series X/S und PC. Microsoft hat mir für die Vorschau Zugang zu einem Preview-Build auf der Xbox Series X gegeben.

Microsoft Gears of War E-Day (Xbox Series X, DE)
Game
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CHF63.90 statt CHF69.90

Microsoft Gears of War E-Day

Xbox Series X, DE

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Meine Liebe zu Videospielen wurde im zarten Alter von fünf Jahren mit dem ersten Gameboy geweckt und ist im Laufe der Jahre sprunghaft gewachsen.


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