Gardena Minimo im Test: Wie schlau muss ein Mähroboter sein?

Gardena Minimo im Test: Wie schlau muss ein Mähroboter sein?

Martin Jungfer
Zürich, am 30.04.2021
Den Minimo preist Gardena als «leistungsstark» für kleine Rasenflächen an. Ausserdem soll er per Smartphone besonders einfach zu bedienen sein. Stimmt das? Und braucht es die Funktion überhaupt? Muss ich einen Robomäher mit dem Handy herumkommandieren können?

Mähroboter sind für manche so etwas wie der Inbegriff des Bünzlitums, das Statussymbol des kleinen Mannes mit Haus und Garten. Seit knapp zehn Jahren kennen die Verkaufszahlen der Geräte nur eine Richtung: nach oben. So langsam müsste auf bald jeder Rasenfläche einer herumwuseln. Gegen die drohende Sättigung des Marktes hilft nur Innovation.

Das muss sich auch Gardena gedacht haben, deutscher Hersteller von Gartengeräten, der seit 2007 zur schwedischen Husqvarna-Gruppe gehört. Das neueste Modell heisst Minimo und soll wie gemacht sein für kleine Rasenflächen mit engen Passagen.

Noch dazu besonders leise, mit Sensoren zur Messung der Rasenhöhe ausgestattet und leicht zu reinigen. Ist der Minimo das richtige Modell für alle, die beim Thema Robomäher immer im «Mimimi»-Modus unterwegs sind? Mimimi, zu kompliziert, mimimi, zu technisch, mimimi, aber die armen Igel

In unserem Garten verrichtet bisher bereits ein Gardena-Modell seinen Dienst: der Sileno City 250, die Version ohne Schnickschnack. Keine App-Steuerung, keine Sensoren für die Höhe des Grases, für Regen oder Frost. Beim Kauf vor gut zwei Jahren hat mich die Aussicht auf schlecht gemachte Apps und Verbindungsprobleme abgeschreckt, weshalb ich mich damals für ein «dummes» Modell entschied. Das Verlegen der Begrenzungskabel in unserem Garten erforderte schon genug Cleverness von mir.

Allerdings soll dich das als potenziellen Einsteiger oder Umsteiger nicht abschrecken. Das Verlegen der Kabel im Garten ist meistens eine recht entspannte Angelegenheit, fast schon meditativ, wenn du an die vielen Dutzend Erdnägel aus Plastik denkst, die du mit einigen gezielten Gummihammer-Schlägen versenken darfst.

Das Gelände für einen Test des Minimo ist also bei mir bereits vorhanden. Und so darf der «alte» Mäher – wir nennen ihn liebevoll Günter, wie Günter Grass, Autor der «Blechtrommel» – in diesem Jahr seinen Winterschlaf noch etwas verlängern. Der Minimo übernimmt, allerdings noch namenlos. Vorschläge in der Kommentarspalte willkommen.

Zurechtfinden muss er sich in einem L-förmigen Garten mit einer Rasenfläche von rund 90 Quadratmetern. Das sollte also keine besondere Herausforderung sein, denn der Minimo wurde für bis zu 250 Quadratmeter konzipiert. Böschungen mit Absturzgefahr gibt es dank eines guten Gartenarchitekten nicht, auch keine Steigungen. Eingebaut sind allerdings Engstellen. Zwischen einem überdachten Sitzplatz und einer Gartenmauer muss sich der Minimo durch eine Passage von knapp einem Meter navigieren können. Für den Test reduziere ich die Durchfahrtsbreite hier sogar auf 60 Zentimeter. Gemäss Beschreibung müsste er da auch noch durchfahren können.

Der Garten als Planskizze; in Grün die Rasenfläche, die etwa 90 Quadratmeter gross ist.
Der Garten als Planskizze; in Grün die Rasenfläche, die etwa 90 Quadratmeter gross ist.
Illustration: Thomas Kunz

Der Rasen ist vor einigen Wochen vertikutiert und gedüngt worden und steht eingermassen ordentlich im Saft. Samen von einer Wiese auf dem Grundstück nebenan und aus dem Naturschutzgebiet rund um den Greifensee haben dafür gesorgt, dass nicht nur das gewünschte Gras hier seinen Platz zum Wachsen hat, sondern auch Gemeine Rispen, Quecken, ein wenig Klee und Löwenzahn.

Bei der Installation des Minimo kann ich mich ganz auf das Gerät und seine Software konzentrieren. Das bereits früher verlegte Begrenzungs- sowie das Führungskabel erkennt auch der Minimo. Auch die Ladestation samt Garage bleibt stehen und kann weitergenutzt werden. Gardena ist hier kundenfreundlicher als viele Smartphone-Hersteller, die ihre Stecker- und Ladegeräte-Politik gefühlt jährlich ändern.

Änderung der Schnitthöhe ist aufwändig

Bevor der Minimo losfahren darf, stelle ich die Schnitthöhe ein. Laut Anleitung soll ich sie zwischen 2 und 4,5 Zentimeter einstellen können. Effektiv sind es allerdings nur drei Höhen, aus denen ich wählen kann, wie ich beim Blick auf die Unterseite des Geräts feststelle. Denn nur dort kannst du die Höhe des Klingentellers und damit die Schnitthöhe dreistufig ändern. Zum Ändern brauchst du den am Gerät befestigten Inbusschlüssel, musst damit zwei Schrauben am Klingenteller entfernen, den Klingenteller abheben, auf eine der Positionen neu ausrichten und dann die Schrauben wieder fixieren.

Schnitthöhe einstellen schwer gemacht.
Schnitthöhe einstellen schwer gemacht.

Das ginge auch einfacher, Gardena.

Die Serien «city» und «life» haben ein einfaches Drehrad oben auf dem Mäher, mit dem du die Höhe verstellen kannst, noch dazu in mehr als drei Stufen. Vielleicht ist das dauernde Drehen am Rad der Schnitthöhe aber eh keine gute Idee. Die meisten Experten raten zu einer Schnitthöhe zwischen vier und fünf Zentimetern. Wer sein Grün kürzer mähen lässt, kann vielleicht besser darauf Golf spielen, geht aber das Risiko ein, dass die Halme schneller vertrocknen und Platz für Unkraut entsteht.

Programmierung des Minimo

Ausser der Einstellung der Schnitthöhe bietet die Hardware keine weitere Möglichkeit, an ihr etwas zu ändern. Mal abgesehen davon, dass ich das Teil ab und zu mit dem Gartenschlauch abspritze und von Grasresten befreie. Das funktioniert wirklich gut.

Mit trockenen Händen widme ich mich der App. Sie macht den Minimo erst smart. Zwar ist das Einstellen von Zeitplänen sowie von Haupt- und Nebenbereichen auch am Gerät selbst möglich. Welche der fünf Tasten ich in welcher Reihenfolge für wie viele Sekunden dafür drücken müsste, verrät mir die Anleitung. Aber das macht wirklich keinen Spass – es ist umständlich.

Anders ist’s in der App. Die gefällt mir. Hier kann ich, nach erfolgreicher Verbindung per Bluetooth, die Mäh- und Ruhezeiten programmieren. Zum Beispiel Pause am Samstag, wenn der Rasen benötigt wird, um darauf Fussball zu spielen, dafür Mähen am Montag, Mittwoch und Freitag zu Bürozeiten.

In der App kann ich auch «punktgenaues Mähen» starten. Sollte ich eine Stelle im Rasen entdecken, an der das Gras höher als sonst ist, kann ich den Mimimo dort ein paar Minuten spiralförmige Extrarunden drehen lassen. Nach getaner Arbeit fährt der Mäher dann wieder normal weiter durch den Garten oder zur Ladestation.

Eine für unseren L-förmigen Garten sehr praktische Funktion versteckt sich im App-Menü unter «Gartenabdeckung». Das quer durch den Garten verlegte Leitkabel dient dem Minimo hierbei dazu, den Garten anhand seiner dort zurückgelegten Distanz in drei Bereiche einzuteilen. Mein Bereich 1 beginnt zum Beispiel drei Meter ab der Basis, der Bereich 2 ab zehn Metern und der Bereich 3 bei 17 Metern. Wie viel Zeit der Minimo dann im jeweiligen Bereich verbringt, kann ich mit Schiebereglern definieren. So sieht das dann in der App aus:

Definieren von Bereichen ist kinderleicht.
Definieren von Bereichen ist kinderleicht.

Kein Widerstand, kein Mähen

Ich habe alles ausprobiert: die Betriebszeit berechnet, Mähzeiten genau definiert, die Rasenfläche in Bereiche gegliedert. Aber es bleibt eine grosse unbekannte Grösse: Wie schnell wächst eigentlich so ein Rasen? Wächst er nicht, oder zu langsam, würde der Minimo zwar geschmeidig und erstaunlich leise, letztlich aber doch sinnlos durch den Garten kurven.

Ich kann ihm den Leerlauf zum Glück ersparen, dank «Sensor Control». Dabei misst das Gerät den Widerstand von Grashalmen an seinen Klingen. Gibt es einen, ist der Halm gewachsen, und es wird gemäht. Spüren die scharfen Messerlein nichts, fährt er gleich wieder in die Basisstation und schaut dem Gras beim Wachsen zu. Das spart einerseits Strom und andererseits drückt der Minimo dann mit seinen gut sechs Kilogramm Gewicht nicht unnötig den Rasen platt.

Fazit: ein cleveres Kerlchen

Der Minimo hat den Test in unserem kleinen Garten bestanden, auch die enge Passage fordert ihn nicht. Fast habe ich den Eindruck, er fährt jedes Mal stolz lächelnd dort hindurch. Das Ergebnis des Mähens sind sauber gekürzte Grashalme, die drei rotierenden kleinen Klingen leisten ganze Arbeit. Sie sind übrigens die gleichen wie die in meinem «dummen» Modell.

Die ersten Tage habe ich noch ein wenig in der App herumexperimentiert und Einstellungen verfeinert. Dann aber liess ich den Dingen ihren Lauf: Gras wächst, Mäher mäht. So einfach. Ich mache mir keine Gedanken mehr, ob das Gerät zu oft fährt, sondern verlasse mich darauf, dass er schon das Gras wachsen hört und selbstständig seine nächste Runde beginnt. Auch für frostige Verhältnisse hat der Minimo ein Gespür, respektive einen Sensor und wartet nach einer kalten Nacht ab, bis die Temperatur wieder im positiven Bereich liegt, bevor er sein Werk beginnt.

Eine nette Spielerei ist die Funktion «punktgenaues Mähen». Laut Gardena sollen schwer zugängliche Stellen damit besser gemäht werden können, also zum Beispiel jene unter fast allgegenwärtigen Trampolinen oder unter den romantisch verspielten Gartentisch-Stuhl-Kombinationen mit Mosaik auf der Tischfläche. Das funktioniert nur bedingt, denn Stuhl- und Tischbeine sowie die Metallbeine der Trampolin-Konstruktion sind auch hier im Weg.

Einen abschliessenden Pluspunkt bekommt Gardena von mir für den Eco-Modus und für den wechselbaren Akku. Sollte der eingebaute irgendwann einmal nicht mehr genug Saft liefern, kannst du ihn selbst ersetzen und musst nicht gleich einen komplett neuen Mähroboter kaufen. Auch das ist smart.

Insgesamt überzeugt mich der Minimo von Gardena. Vermutlich hätte ich die Programmierung auch an einem Bedienfeld am Gerät selbst hinbekommen, mit der Smartphone-App aber ist’s einfacher. Einmal zufrieden mit den Einstellungen, werde ich nun ziemlich sicher nichts mehr ändern – never change a running system. Gegen meine satt-träge Zufriedenheit hilft als nächste Stufe auf der Leiter der Evolution der Spezies Robomäher wohl nur ein Modell, das ich ins Smarthome-System einbinden und per Sprachbefehl Kornkreise in den Rasen mähen lassen kann.

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Martin Jungfer
Martin Jungfer
Head of Content, Zürich
Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.

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