Galaxy Tab S7 vs iPad Air: Sind Android-Tablets wirklich so schlecht?

Galaxy Tab S7 vs iPad Air: Sind Android-Tablets wirklich so schlecht?

Philipp Rüegg
Zürich, am 10.03.2021
Selbst Android-Blogs schreiben Lobeshymnen auf das iPad. Sind Android-Tablets so schlecht? Zeit, für einen ausführlichen Direktvergleich.

Das iPad ist eines dieser Produkte, nach denen niemand gefragt hat, und dann doch jeder wollte. Zwar verliert Apples Tablet im Vergleich zu Android Tablets weltweit an Marktanteilen, noch ist es aber am populärsten. Das bestätigt auch mein subjektiver Eindruck. Selbst Freunde mit Android-Smartphones besitzen oft ein iPad. Techblogs sind sich sowieso einig, dass das iPad mit Abstand das beste Tablet ist und Android-Alternativen aus der Hölle kommen. Ich habe bis vor einem Jahr ausschliesslich solche Höllengeräte verwendet und ausser an der Performance hatte ich wenig auszusetzen.

Ob es mit Vorurteilen zu tun hat, Apples Marketing oder ob Android-Tablets tatsächlich schlechter sind als iPads will ich selber herausfinden. Ich richte mich beim Test auch nach den Inputs aus der digitec Community, die auf unseren Instagram-Post geantwortet haben. Besonders Multitasking, Stifteingabe und Videobearbeitung standen dort im Fokus. Für den Vergleich nutze ich ein iPad Air (2020) und ein Galaxy Tab S7. Letzteres gilt als eines der besten Android-Tablets und kommt bezüglich Preis, Leistung und Grösse dem iPad Air am nächsten. Die Frage, welches sich besser als Schneidebrett eignet, kann ich aus Kostengründen nicht beantworten – so viel schon mal vorneweg. Sorry Instagram-User kanibanani ;).

iPad Air 2020 (4. Gen) (10.90", 256GB, Sky Blue, 4G)
929.–
Apple iPad Air 2020 (4. Gen) (10.90", 256GB, Sky Blue, 4G)
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Galaxy Tab S7 (11", 256GB, Mystic Black, 4G)
744.–
Samsung Galaxy Tab S7 (11", 256GB, Mystic Black, 4G)

App-Angebot und Direktvergleich

Was bei Android-Smartphones früher der Fall war, trifft bei Tablets noch immer ab und zu auf. Nämlich Apps, von denen es nur eine iOS-Version gibt. GarageBand, iMovie, Clubhouse, Procreate oder die ganzen Spiele, die exklusiv Teil von Apple Arcade sind. Weil Tablets nicht so populär sind wie Smartphones, bemüht sich nicht jeder Entwickler den entsprechenden Port zu programmieren. Ich persönlich vermisse ausser ein paar Spielen keine App auf dem Tablet. Unterschiede in der Qualität gibt es allerdings durchaus – und zwar auf beiden Seiten.

Twitter: Die Twitter-App hat auf dem iPad ein leichtes Feature-Plus. Du hast links das Menü mit Nachrichten, Benachrichtigungen, Bookmarks etc. Auf Android musst du das Menü ausklappen und hast am unteren Rand noch vier Icons. Kein riesiger Unterschied. Im Querformat nutzt das iPad die rechte Seite für Suche und Trends, während Android Tweets einfach auf der ganzen Grösse anzeigt, was keine sonderlich sinnvolle Platznutzung ist.

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Instagram: Hier ist es umgekehrt. Es gibt keine dedizierte iPad-App, nur eine aufgeblasene iPhone-App und die sieht absolut schrecklich aus. Die Tablet-Version für Android nutzt zwar den grösseren Platz auch nicht clever, aber sie sieht um Welten besser aus als auf dem iPad.

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Google Playbooks: Ich lese und kaufe meine Comics primär über Playbooks. Kaufen ist über die App auf dem iPad nicht möglich, vermutlich weil Google Apple keine Prozente abdrücken will. Auf Android hast du oben und unten schwarze Balken beim Comiclesen. Beim iPad stattdessen links und rechts. Das Comic bleibt so etwa gleich gross. Auf dem iPad hast du überraschenderweise noch die etwas aufwendigeren Animationen beim Blättern.

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Comixology: Auf dem iPad fehlt mir bei Amazons Comicapp aus unerfindlichen Gründen meine Bibliothek. Weil ich die App aber sowieso schon länger nicht mehr nutze, habe ich mir nicht die Mühe gemacht, den Grund dafür zu suchen. Das Galaxy Tab nutzt den Platzbedarf etwas besser und Comics sind grösser als auf dem iPad.

Google Maps: Google Maps bietet auf Android mehr Möglichkeiten wie Explore Nearby, zeigt Menüs direkt am unteren Bildrand und Filtermöglichkeiten unterhalb der Suchleiste. Auf dem iPad Pro eines Kumpels sind diese Optionen allerdings auch vorhanden. Es liegt somit nicht unbedingt am Betriebssystem.

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Outlook: Microsofts App sieht auf Android im Querformat besser aus. Neben der Inbox und geöffneten Mails hat auch die Ordnerstruktur noch Platz. Auf dem iPad musst du sie ausklappen und sie verdeckt dann die Inbox.

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Netflix: Wie alle anderen Videoapps sieht Netflix auf dem Galaxy Tab besser aus, weil du durch das 16:10-Bildformat mehr siehst und weniger schwarze Balken hast.

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Twitch: Die Twitch-App wechselt auf dem Galaxy Tab vom Querformat automatisch ins Hochformat (passiert auch auf meinem Pixel 5), wenn ich auf «Browsen» klicke. Bei den drei anderen Menüpunkten funktioniert die App korrekt. Abgesehen von dieser Eigenheit sind die Apps identisch.

Signal: Die aufstrebende Chat-App besitzt auf dem iPad eine dedizierte App, die parallel zur Smartphone-Version genutzt werden kann. Bei Android ist es die gleiche wie auf dem Smartphone, weshalb nur immer eine Version aktiv sein kann. Weil ich aber keine Lust habe, ständig das entsprechende Gerät zu aktivieren, ist die Version für mich praktisch nutzlos.

Microsoft Word: Das iPad übernimmt automatisch meinen bestehende Account von der Outlook-App und ich kann sofort loslegen. Auf dem Galaxy Tab kommunizieren die beiden Apps nicht, weshalb ich mich separat einloggen muss bevor ich auch nur ein Dokument öffnen kann. Ansonsten ist der Formfaktor des iPads auch hier von Vorteil, weil du mehr Menüpunkte direkt zur Auswahl hast. Wenn du allerdings mit angeschlossener Tastatur im Querformat arbeitest, ist dieser Vorteil zunichte.

Google Docs: Hier verhält es sich umgekehrt zu Word. Das Galaxy Tab loggt dich direkt ein, weil das ganze System Google-basierend ist. Apple kennt zwar meinen Google-Account, fragt aber erst, ob ich mich damit einloggen will. Sonst unterschieden sich die App-Versionen nicht voneinander.

Discord: Wenn du auf Android einen Chat anklickst, wird der Chat im Vollbild geöffnet. Auf dem iPad siehst du weiterhin die drei Menü-Reiter Server, Serverinhalt sowie das angeklickte Chatfenster. Im Hochformat verhalten sich beide Apps gleich.

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Ich habe noch diverse andere Apps getestet wie Notion, Republik, Pocketcasts, Youtube Music oder Spotify, konnte dort aber keinerlei Unterschiede feststellen.

Video- und Bildbearbeitung

Eine vorinstallierte Gratis-Alternative zum beliebten Videoschnittprogramm iMovie bietet Googles System leider nicht. Apples App ist intuitiv und bietet zahlreiche Möglichkeiten, um kurze oder auch längere Filme zu schneiden. Bei Android hast du die Qual der Wahl. Adobe Premiere Rush wäre ein vielversprechender Kandidat gewesen. Leider gibt es die App zwar für iPads und Android-Smartphones, aber nicht für Tablets. Ich habe mich daher für ActionDirector entschieden.

Hier entsteht einer der spannendsten Filme aller Zeiten: Die Papierablage.
Hier entsteht einer der spannendsten Filme aller Zeiten: Die Papierablage.

ActionDirector: Im Gegensatz zu iMovie kostet der ActionDirector monatlich je nach Abo ein paar Franken, liefert dafür mehr Editier- und Export-Möglichkeiten. Die Bedienung ist nicht ganz so elegant und auf dem Tablet funktioniert’s nur Hochformat, was für grössere Projekte quatsch ist. Alles in allem schneidest du deine Filmchen aber auf beiden Geräten schnell und unkompliziert. Das Rendern eines sechs minütigen Videos mit ein paar Effekten in 1080p-Auflösung dauert auf beiden Geräten etwa gleich lang. ActionDirector bietet auch die Option für UHD, was iMovie nicht beherrscht. Beide Programme gibt es auch für PC, respektive Mac. Somit kannst du auch dort daran weiterarbeiten.

Lightroom: Beim iPad habe ich zuerst die falsche App runtergeladen, die mir dann sagte, lad doch bitte die iPad-Version runter. Das gab mir ein übles Flashback an das PS5/PS4-Versionen-Chaos. Danach sind Android- und iPad-Version aber identisch, mit dem üblichen Unterschied, dass du auf dem iPad im Querformat deutlich mehr Platz zum Arbeiten hast. Die Navigation ist auf Android auch etwas umständlicher. Zum einen sind die Menüs verschachtelter, zum anderen kannst du nicht frei durch die Menüs navigieren, sondern musst jede Auswahl zuerst abbrechen, bevor du zur nächsten wechseln kann.

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Photoshop: Während Android-User nur Zugriff auf die abgespeckte Express-Version haben, gibt es fürs iPad das vollwertige Photoshop. Auf dem iPad loggt sich die App direkt ein, wenn du vorher schon eine Adobe-App benutzt hast. Bei Android darfst du zuerst wieder alles eintippen. Photoshop für das iPad ist klar besser, kostet im Gegensatz zu Express aber auch. Was wiederum für alle, ausser Profs völlig ausreichend ist.

Multitasking

Für alle, die ihr Tablet für mehr als ein gelegentliches Spielchen oder Youtube-Video brauchen, ist Multitasking entscheidend. Ein zentrales Werkzeug dabei ist die App-Übersicht. Die ist auf dem iPad übersichtlicher und liefert mehr Infos dank breiterem Display. Das Galaxy Tab schafft es nicht mal, dass alle Apps in dieser Ansicht korrekt ausgerichtet sind. Wenn du die App-Übersicht erst im Quer- und anschliessend im Hochformat verwendest, drehen einige Apps nicht mit.

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Beide Geräte bieten Splitscreen an, etwas, worin Samsung ein Vorreiter ist. Auf dem iPad musst du dafür zwei Apps aus der App-Leiste an den jeweiligen Bildschirmrand ziehen. Auf Android klickst du für den gleichen Effekt in der App-Übersicht lange auf das App-Icon und wählst dann Splitscreen. Ich finde beide Varianten nicht sonderlich intuitiv. Während du jedoch auf dem iPad durch den gleichen Prozess eine Splitscreen-App durch eine andere ersetzen kannst, ist mir das auf dem Galaxy Tab nicht gelungen (auf meinem Pixel geht es problemlos). Zwei gebündelte Apps lassen sich nur schliessen und erst wenn du den Splitscreen-Prozess wieder von vorne startest, kannst du zwei neue Apps kombinieren.

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Wenn du oft zwischen Apps wechselst oder mehrere gleichzeitig benutzt, ist es von Vorteil, wenn du dort weitermachen kannst, wo du aufgehört hast. Leider killt das Galaxy Tab Hintergrund-Apps sehr schnell. Auf dem iPad kann ich eine App meist sogar am nächsten Tag öffnen und bin noch am genau gleichen Ort.

Stift

Als erstes fällt auf, dass der Stift für das Galaxy Tab kürzer, dünner und leichter ist als der Apple Pencil. Er liegt auch einiges schlechter in der Hand und fühlt sich etwas billig an. Dafür kostet er aber auch keinen Rappen extra, denn er ist im Lieferumfang enthalten. Für den Apple Pencil blätterst du rund 130 Franken hin, dafür bekommst du aber auch einen hochwertigen Stift, der sich hervorragend anfühlt. Beide Stifte werden kontaktlos geladen, indem du sie ans Tablet heftest. Die Dinger sind magnetisiert.

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Der Galaxy Pen besitzt eine kleine Taste, die du mit diversen Befehlen wie dem Start der Kamera-App belegen kannst. Ausserdem beherrscht er Gesten durch Drücken der Taste und gleichzeitiges Wedeln wie mit einem Zauberstab. Auch hier kannst du Gesten unterschiedlichen Apps zuweisen. Ausser Microsoft Office und Chrome unterstützt aber keine von mir installierte Third Party App diese Funktion. Ausserdem ist die Taste so klein, dass ich immer erst den Stift ausrichten muss, um sie drücken zu können. Beim Apple Pencil hast du durch Antippen der flachen Seite die Möglichkeit, zwischen drei Optionen zu wählen. Beispielsweise dem Wechsel zwischen Werkzeug und Löschgummi.

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Samsung hat den Stift dank frei platzierbarem Schnellwahlmenü weitreichend in das System implementiert. Was allerdings fehlt, ist eine Alternative zu «Kritzeln». Auf dem iPad kannst du dank dieser Funktion in praktisch jeder App, die ein Textfeld besitzt, mit dem Stift schreiben. Die Notizen werden anschliessend automatisch in Text umgewandelt. Ungemein praktisch, wenn auch nicht 100 Prozent akkurat und offiziell wird auch nur Englisch unterstützt. Deutsch funktioniert aber relativ zuverlässig. Auf dem Galaxy Tab funktioniert der Stift nur in kompatiblen Anwendungen, wovon es zum Glück sehr viele gibt.

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Um die Genauigkeit der Stifte zu Vergleichen, habe ich mit meinen Picasso’schen Malfähigkeiten ein paar Skizzen in Autodesk Sketchbook gezeichnet. Für Nicht-Designer wie mich ist kein Unterschied zu erkennen. Auf beiden Geräten reagieren die Stifte äusserst direkt, präzise und sensibel auf unterschiedlichen Druck.

Games und Leistung

Das chinesische Openworld-RPG «Genshin Impact» ist idealer Testkandidat, um die Geräte richtig auszureizen. Mit allen Grafikdetails auf Maximum und 60 fps kommt es auf dem Galaxy Tab regelmässig zu Rucklern bei schnellen Bewegungen oder beim Kämpfen. Das iPad meistert hingegen auch grössere Gefechte ohne Probleme.

In den meisten anderen Spielen wie «Fortnite» oder «Call of Duty Mobile» ist es hingegen einerlei auf welchem Gerät du zockst. Nur die wenigsten Mobile-Spiele reizen die Tablets wirklich aus. Ein Vorteil des Galaxy Tabs ist wiederum das 120-Hz-Display. Dank diesem zockst du Spiele, die 120 fps unterstützen, massiv flüssiger. Für Viel-Gamer ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Hardware

Das Galaxy Tab ist wegen des 16:10-Bildformats länger und schmaler als das iPad.
Das Galaxy Tab ist wegen des 16:10-Bildformats länger und schmaler als das iPad.

Das Galaxy Tab S7 dient nur als Repräsentant für Android Tablets. Dennoch gehe ich kurz auf die Hardware ein. Der Hauptunterschied betrifft den Formfaktor. Die meisten Android-Tablets sind im 16:10-Format, während das iPad auf 4:3 setzt. 4:3 wurde bei alten Röhrenbildfernsehern und den ersten Flachbildfernsehern verwendet. Jedes moderne TV-Gerät hat 16:9. Apples Entscheid wurde anfangs belächelt, aber einmal mehr hat man in Cupertino ein gutes Händchen bewiesen. Für alles ausser Videos schauen, ist 4:3 zweifellos die besser Wahl. Das Gerät liegt besser in den Händen und Apps können den Bildbereich besser ausnutzen.

Samsung hat die Nase beim Display vorne. Nicht nur sehen die Farben lebendiger aus, das Highlight sind die 120 Hz Bildwiederholfrequenz. Damit fühlt sich jeder Swipe und jedes Scrollen viel flüssiger an als auf dem iPad. Sobald du den Direktvergleich gesehen hast, kannst du die ruckeligen 60 Hz nicht mehr ungesehen machen. Apple hat zwar auch 120-Hz-Displays im Angebot, allerdings nur im teureren iPad Pro.

Trotz schlechterem Display wirken die Animationen auf dem iPad häufig flüssiger. Einerseits haben da die Designer wohl die geschmeidigereren Animationen kreiert, zum anderen stockt es auf dem S7 regelmässig.

Beide Male USB-C. Da lacht das Herz.
Beide Male USB-C. Da lacht das Herz.

Noch ein paar Worte zum Akku. Hier bestätigt sich ein Vorurteil nicht ganz. Das iPad ist zweifellos ausdauernd. Ich kann es tagelang, sogar Wochen, rumliegen lassen und es hat immer noch Saft. Das Galaxy Tab kommt nicht ganz an die Standby-Zeit des iPads heran. Wenn ich die Geräte hingegen intensiv am Stück nutze, hat das Galaxy Tab den längeren Schnauf.

Ansonsten sind beides metallene Rechtecke mit abgerundeten Kanten und wenig designtechnischen Differenzierungsmerkmalen.

Inkonsistente Tastatur und Popup-Werbung

Während meiner mehrwöchigen Testzeit sind mir noch einige weitere kleine und grosse Dinge aufgefallen, die in keine Kategorie passen. Da wär zum Beispiel die Möglichkeit auf dem iPad eine alternative Tastatur-App wie Gboard zu verwenden. Dumm nur, dass immer wenn du dich irgendwo einloggen musst, doch wieder die Apple-Tastatur aufpoppt. Das nervt tierisch, weil sie sich ganz anders bedient. Diese Bevormundung tritt auch an anderen Stellen auf. So kannst du selbst Gratis-Apps nicht installieren, ohne einen Sicherheitscheck. Der Fingerabdruckscanner auf dem Power-Button reagiert zwar schnell, dafür passiert es immer mal wieder, dass ich zu fest drücke und das iPad gleich wieder ausschalte. Und Face Unlock gibt’s nicht für das iPad Air. Gesichtserkennung unterstützt dafür das Galaxy Tab nur ist es dort so unzuverlässig, dass ich es so gut wie nie benutzt habe.

Apple lässt dich zwar die Tastatur-App ändern, drückt dir aber trotzdem regelmässig die eigene auf die Augen.
Apple lässt dich zwar die Tastatur-App ändern, drückt dir aber trotzdem regelmässig die eigene auf die Augen.

Samsungs-Tablet bringt ausserdem die Samsung-typischen Probleme mit sich. Auch wenn das One UI, das über Googles Android gestülpt wird, deutlich entschlackt wurde und auch einigermassen ansehnlich ist, fühlt es sich immer noch überladen an. Es ist mir zu verschachtelt. Ausserdem drückt dir Samsung überall seine Apps und Dienste auf. Einige Anwendungen müssen zudem über den eigenen Galaxy Store bezogen, respektive aktualisiert werden. Das ist jenseits von benutzerfreundlich. Es erinnert mich an billige China-Handys – inklusive Pop-up-Werbung! Damit wirkt das System nicht wie aus einem Guss und das ist es eben auch nicht.

Ich meine, geht’s eigentlich noch?
Ich meine, geht’s eigentlich noch?

Als Android-User ist das iPad nicht sonderlich intuitiv und ich fühle mich an vielen Ecken in meinen Möglichkeiten eingeschränkt. Und dass ich bereits in meiner Testphase die läppischen 5 GB iCloud-Speicher für das Backup so gut wie ausgeschöpft habe, ist einfach nur lächerlich. Dass Apple mir dann gleich ein Abo für mehr Speicher aufdrängen will, ist nur noch Salz in die Wunde. Genauso wie die AppleCare-Werbung, die prominent in den Einstellungen platziert ist. Einfach nur dreist bei einem Gerät für diesen Preis.

Fazit: Knapper Sieg für iPad aus Mangel an Alternativen

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Ich muss zugeben, dass ich ein klareres Urteil erwartet hätte. Selbst bei mir als Android-Nutzer wuchs nämlich über die Jahre der Verdacht, dass iPads insgeheim tatsächlich besser sind als Android-Tablets. In meinem mehrwöchigen Direktvergleich hat sich nun aber gezeigt, dass die Sache etwas komplizierter ist.

Ein paar Vorurteile haben sich bestätigt. Das iPad fühlt sich insgesamt schneller und geschmeidiger an. Das, obwohl das Galaxy Tab dank 120-Hz-Technik ohne Zweifel das flüssigere Display besitzt. Beim Scrollen oder Blättern duscht Samsung Apple damit kalt ab. Weil auf dem iPad aber insgesamt kaum Ruckler auftreten und die Animationen weicher aussehen, wirkt es dennoch flüssiger. Noch störender ist, dass das Galaxy Tab schlechter mit dem RAM haushaltet. Ständig muss eine zuvor geöffnete App neu gestartet werden, nur weil ich kurzzeitig eine andere App genutzt habe. Das passiert auf dem iPad so gut wie nie.

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Und die Apps? Bei den von mir getesteten Anwendungen sind die Unterschiede relativ gering. Auf dem iPad wird der Platz zwar oft besser genutzt und du hast etwas mehr Informationen auf dem Display, einen entscheidenden Unterschied macht das nicht. Da stört es mich mehr, dass Instagram auf dem iPad nur als aufgeblasene iPhone-App läuft, die absolut unansehnlich ist. Android hat zwar einige Lücken was bestimmte Apps anbelangt, gleichwertige Alternativen gibt es aber praktisch immer. Und wer viel Videos schaut, ist mit 16:10-Android-Geräten besser bedient. Ansonsten gewinnt Apples 4:3-Format aber allemal. Es liegt viel besser in der Hand. Das Galaxy Tab fühlt sich im Hochformat zu hoch und im Querformat zu breit an.

Bei der Stiftnutzung geben sich beide Hersteller keine Blösse. Der Galaxy Pen ist etwas vielseitiger dank unzähligen Gesten, Funktionen und Shortcuts. Der Apple Pencil wiederum hat mit «Kritzeln» ein potentielles Killerfeature im Petto, das aber noch etwas Feinschliff benötigt.

Alles in allem gebe ich dem iPad leicht den Vorzug. Das liegt an der Hardware, die trotz 60-Hz-Display, überzeugender wirkt. Oder den Apps, die auf dem iPad oft etwas besser oder einzigartiger sind. Primär aber liegt es daran, dass das iPad aus einem Guss kommt. Ich weiss, das ist eine alte Leier, aber ich brauche keinen zweiten App Store auf meinem Tablet und für jeden Quatsch eine zusätzliche Samsung-App. Da spricht mich das iPad tatsächlich mehr an. Umstimmen könnte mich höchstens Google. Da muss ich mich wieder als Pixel-Fan outen. Aber würde Google einen Nachfolger zum erstklassigen Pixel C liefern, das schickes Design, 3:2-Formfaktor mit dem unangetastet Android kombiniert, würde ich keine Sekunden zögern. Stand jetzt heisst für mich das beste Tablet jedoch iPad.

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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