First World Problem: Mich überfordern Speicherkarten mit 1 TB

First World Problem: Mich überfordern Speicherkarten mit 1 TB

David Lee
Zürich, am 04.06.2019
Auf einem fingernagelgrossen Plättchen haben 1 Terabyte Daten Platz. Das ist faszinierend – aber beim Fotografieren eher ein Problem als eine Hilfe. Jedenfalls für mich. Zum ersten Mal kommt mir der Gedanke, dass ich nicht nur zu wenig, sondern auch zu viel Speicherplatz haben kann.

Mittlerweile gibt es MicroSD-Karten mit 1 Terabyte Speicher. Also 1000 GB. Bislang war ich immer der Ansicht, dass mehr Speicher besser ist und ich gar nie genug haben kann. Doch jetzt sehe ich das anders.

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Die 1-TB-Karten sind im Verhältnis zu den 500-GB-Karten sehr teuer. Das bedeutet auch, dass ein Defekt oder Verlust entsprechend schwer wiegt. Für ein Backup müsstest du eine zweite 1-TB-Karte kaufen, denn sonst ist das Klumpenrisiko bei einem Datenverlust viel zu hoch.

Dieses Problem wird sich irgendwann von selbst lösen. Die momentan höchste Speicherkapazität wird früher oder später deutlich günstiger werden. Es gibt aber andere Probleme, die bleiben.

Die Organisation wird immer schwieriger

Im Smartphone oder zum Filmen von 4K-Material ist 1 TB möglicherweise praktisch. Zum Fotografieren nicht. Dafür verwende ich im Moment Karten mit 64 GB. Das reicht so ganz grob für 1500 Fotos, wenn ich RAW und JPEG gleichzeitig speichere. Bei einer 1-TB-Karte wären das 24 000 Fotos.

Schon wenn ich 200 Fotos in Lightroom importiere, dauert das ewig. Die Vorstellung, mich im Importdialog mit 24 000 Bildern zurechtfinden zu müssen, bereitet mir Alpträume. Ich habe schon Probleme mit 240 Fotos, wenn diese aus vielen unterschiedlichen Sessions stammen.

Wahrscheinlich könnte ich diese Fotos alle von der Karte löschen. Aber ganz sicher bin ich nicht.
Wahrscheinlich könnte ich diese Fotos alle von der Karte löschen. Aber ganz sicher bin ich nicht.

Ich neige wie wohl jeder User dazu, Speicher einfach irgendwie zu füllen. In diesem Fall heisst das: Ich mache unnötig viele Fotos; mehr schlechte Fotos und mehr vom Gleichen, das ich schon habe. Weil aber der Speicherplatz nichts kostet, kopiere ich dann einfach mal alles auf die Festplatte – für alle Fälle.

Das nützt nicht nur nichts, das schadet.

Früher konnte ich mir noch einreden, dass ich den Müll später aussortiere. Mittlerweile weiss ich: Das werde ich nie im Leben tun. Alleine die unscharfen Bilder auszumisten, würde ewig dauern – und damit ist es ja noch nicht getan.

Nehmen wir zum Beispiel die Sternebewertungen – angeblich ein Mittel, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Kein Mensch ist in der Lage, Zigtausende Fotos miteinander zu vergleichen, um zu beurteilen, ob ein Foto nun drei oder vier Sterne bekommen soll. Es ist ein Teufelskreis: Um die Fotos zu bewerten, müsste ich erst mal den Überblick haben. Aber den Überblick erhalte ich erst, nachdem ich die Fotos bewertet habe.

Die Aufmerksamkeit wächst nicht mit

Nun kannst du einwenden: Die vielen Fotos stören ja nicht, solange die Bildverwaltung schnell genug läuft und solange du die guten Bilder trotzdem findest.

Bei mir ist allerdings weder das eine noch das andere der Fall. Die Software arbeitet schwerfällig, ich habe ein kleines Puff auf der Speicherkarte und ein mittleres auf dem PC. Unbegrenzt Speicher macht alles nur schlimmer. Es wäre sicher möglich, auch mit einer Million Fotos klar zu kommen, aber es erfordert eine über Jahre perfektionierte Organisation. Die zu erarbeiten, macht mir etwa so viel Spass wie das Ausfüllen der Steuererklärung.

64 GB scheint mir nach wie vor eine praktische Grösse zum Fotografieren.
64 GB scheint mir nach wie vor eine praktische Grösse zum Fotografieren.

Ich kann heute wohl hundert Mal mehr Fotos speichern als vor zehn Jahren; aber Zeit und Aufmerksamkeit wachsen nicht mit, die sind immer noch gleich. Der Unterschied zwischen dem, was ich speichere, und dem, was ich im Kopf verarbeiten kann, wird immer grösser. Für mich ist darum klar: Ich bleib bei meinen 64-GB-Karten.

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David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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