«Far Cry 6»: Der chaotische Vergnügungspark schreit nach einer Renovation

Philipp Rüegg
Zürich, am 06.10.2021

Das neue «Far Cry» ist da. Wieder mit einer riesigen Spielwelt, wieder mit einem verrückten Diktator. Macht das noch Laune oder hat sich die Formel abgenutzt?

Auf Vaas, Pagan Min und Jospeh Seed folgt Antón Castillo. Der ruchlose Diktator gespielt von Giancarlo Esposito («Breaking Bad») ist der neuste überzeichnete Widersacher der «Far Cry»-Reihe. Ihn gilt es unschädlich zu machen und den fiktiven karibischen Inselstaat Yara von seiner brutalen Herrschaft zu befreien.

Dazu schlüpfst du in die Rolle von Dani, die wahlweise ein Mann oder eine Frau sein kann. Das Schicksal hat sie zur Guerilla-Bewegung geführt, die den Diktator stürzen will. Es folgt der bewährte Far Cry'sche Befreiungskampf. Auf einer riesigen Karte musst du zuerst Castillos Handlanger unter den Erdboden bringen, bevor es dem Oberboss an den Kragen geht. Natürlich wollen auch zahlreiche Guerilla-Kämpfer und sonstige Bewohner von Yara etwa von dir. Also stiehlst du Autos, befreist Gefangene oder stürmst Aussenposten. Auch Tiere jagen und Schätze finden für bessere Ausrüstung steht auf der Liste der Freizeitbeschäftigungen. So weit, so Standard. Neu kannst du in deinen Camps mit Ressourcen Gebäude bauen. Die schalten neue Missionen oder Upgrade-Möglichkeiten frei, ist daher auch nur ein zusätzlicher Schritt zu Dingen, die es schon früher gab.

Alles nur Spass?

Auch die tierischen Begleiter sind wieder mit von der Partie. Davon gibt es nun jede Menge, vom Alligator, zum Hund im Rollstuhl bis zum Kampfhahn. Apropos Hahn. In «Far Cry 6» gibt es Hahnenkämpfe. Die spielen sich wie ein abgespecktes «Street Fighter». Die Kämpfe sind eigentlich ganz witzig. Offenbar wird aber kein Gedanken daran verschwendet, ob es nicht vielleicht fragwürdig ist, Tierquälerei als lustige Nebenbeschäftigung zu verkaufen.

Antón Castillo wird von Giancarlo Esposito gespielt.
Antón Castillo wird von Giancarlo Esposito gespielt.

Das ist das eigentliche Problem von «Far Cry 6». Mir fehlt die politische Auseinandersetzung. Das würde keine Rolle spielen, wenn sich das Game und die Story nicht so ernst nehmen würden. Genau dort will Ubisoft aber Dramatik schaffen indem es einen unverblümten Blick auf das Grauen der Diktatur mit Folter und Unterdrückung zeigt. Jegliche Ernsthaftigkeit wird jedoch fernab der Hauptstory wieder zunichte gemacht. Dort lässt dich das Spiel völlig unbeschwert herumalbern, dein Auto mit lustigen Figürchen dekorieren und Witze mit den Guerilla Kumpels reissen. Es passt einfach nicht zusammen und zeigt lediglich wie oberflächlich und konservativ Ubisoft ist.

Die gleiche alte Leier

Das mag jetzt alles sehr negativ klingen. «Far Cry 6» macht zwischendurch auch gut Laune. Die Waffen fetzen, die Superangriffe sind herrlich übertrieben und wenn das nicht reicht, dann walz einfach mit einem Panzer die Gegner platt. Die sind zwar dumm wie eh und je, aber weil es immer irgendwo was Neues zu sehen und zu tun gibt, kannst du dich trotzdem gut beschäftigen. Aber trotz explodierender Fässer und dem sonstigen Klamauk, erwarte ich einfach mehr von Spielen. Ich habe einfach alles schon x-mal gesehen. Das kann eine Kritikerkrankheit sein, aber für mich ist es irgendwann auch gut und die Zeit zu knapp.

«Far Cry 6» ist ein bisschen wie ein Vergnügungspark, den du jedes Jahr besuchst. Ab und zu gibt es eine neue Attraktion, aber insgesamt fährst du immer mit den gleichen Bahnen. Eine heisst riesige Spielwelt, die andere unzählige Nebenbeschäftigungen und die andere nennt sich Action-Simulator. Gewissen gefällt diese Vertrautheit, mich langweilt die Repetition und die mangelnde Innovation.

Genau wie es in einem Vergnügungspark merkwürdig wäre, eine Achterbahn im Stile der kubanischen Revolution zu fahren, wirkt die Wahl des Settings von «Far Cry 6» fragwürdig. Ubisoft verzichtet auf kritische Auseinandersetzung mit dem politischen Thema. Die Geschichte der Unterdrückung durch brutale Diktatoren, wie sie viele Süd– und Mittelamerikanische Staaten erlebt haben oder noch erleben, wird gedankenlos als Spielwiese verwendet. Ob das möglicherweise die wahre Geschichte verwässert, scheint bei Ubisoft niemanden zu interessieren. Dabei ist es nicht so, dass eine solche Mischung nicht funktionieren kann. Die neue «Wolfenstein»-Serie hat die Gratwanderung zwischen Klamauk und Ernsthaftigkeit mit Bravour gemeistert. Ich bin auch noch nicht fertig mit «Far Cry 6». Vielleicht schafft es Ubisoft ja noch die Punktlandung und straft mich Lügen. Es würde mich noch so freuen.

Wer den lockeren Umgang mit der Geschichte ausblenden kann und sich nicht daran stört, dass sich das Gameplay seit dem dritten Teil kaum verändert hat, kann aber auch mit dem sechsten «Far Cry» viel Spass haben. Die Grafik ist Bombe und die Beschäftigungen inklusive Online-Modus werden dich viele Stunden bei Laune halten.

Far Cry 6 (PS5, Multilingual)
56.80
Ubisoft Far Cry 6 (PS5, Multilingual)
28
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Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem privaten Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur. 


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