Essential: One-Plus-Gründer kauft gescheiterten Smartphone-Hersteller
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Essential: One-Plus-Gründer kauft gescheiterten Smartphone-Hersteller

Dominik Bärlocher
Zürich, am 16.02.2021
Die Tech-Firma Nothing hat sich die Namensrechte an Essential gekauft. Nothing ist von One-Plus-Gründer Carl Pei ins Leben gerufen, hat unter anderem Google als Investor und will ein neues digitales Ökosystem schaffen. Erste Produkte sollen ein Paar Headphones sein.

Die Smartphone-Marke Essential gibt es wieder. Sie gehört zu 100% zu Nothing Technologies Limited. Damit könnte klar sein, in welche Richtung Nothing geht, denn die neueste Firma des One-Plus-Gründers Carl Pei hat sich bisher bedeckt gehalten. Nun aber zeichnet der schwedisch-chinesische Unternehmer ein Bild eines Unternehmens, das ohne Produkte auf dem Markt mit den ganz Grossen mitkämpft.

Aktuell sind folgende Personen, natürlich wie juristisch, mit Nothing verbandelt:

  • Carl Pei: Gründer One Plus
  • Andy Rubin: Mitentwickler Android der ersten Stunde, Gründer Essential
  • Alphabet: Mutterkonzern Googles

Was ist Nothing?

Nothing Technologies Ltd. oder kurz einfach nur Nothing, also Nichts, ist das jüngste Unternehmen des One-Plus-Gründers Carl Pei. Er hat die Firma nach seinem Ausscheiden aus dem One-Plus-Konzern im vergangenen Oktober gegründet. Es wurde eingangs gemunkelt, dass Nothing seinen Markteintritt mit Wireless Earbuds «mit einem breiteren Fokus auf Smart-Home-Technologie und Integration» feiern würde.

Das ginge mit den nie veröffentlichten Geräten aus dem Hause Essential einher. Denn der Hersteller hat anno dazumals Smart Speaker und etwas wie ein Google Home Hub angekündigt. Die schleppenden Verkäufe des Essential PH-1 und das nie veröffentlichte aber zumindest in Kleinstmengen produzierte Essential Gem haben dem einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dazu kommen noch die von Google bestätigten Vorwürfe der sexuellen Belästigung, die Essential-Gründer Andy Rubin betreffen.

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Carl Pei übernimmt jetzt die Marke, gemäss Eintrag im Englischen Register der Trademarks. Der Unternehmer hat chinesische Wurzeln, ist aber in den USA und Schweden aufgewachsen. Er hat für Meizu, Oppo und One Plus gearbeitet und sich nach sieben Jahren One Plus von der Firma losgesagt, um etwas völlig Neues, basierend auf Nichts zu machen.

“ But like all good things, this one starts from scratch. No notes. No blueprints. No map to find our way back. We’re rethinking everything. From what we make and how we make it. To what goes in and what goes out. A giant reset button for all things innovation. ”
nothing.tech, 16. Februar 2021

Davon hat sich GV beeindrucken lassen, einstmals als Google Ventures bekannt. Das ist die Abteilung Googles und dessen Mutterkonzerns Alphabet Inc., der Risikokapital verwaltet und investiert. Bloomberg berichtet, dass GV 15 Millionen investiert hat. Weitere Investoren:

  • Kevin Lin, Mitbegründer der Streaming-Plattform Twitch
  • Steve Huffman, Mitbegründer und CEO des Social Content Aggregators Reddit
  • Tony Fadell, iPod-Erfinder und Gründer des Smart-Hardware-Herstellers Nest, das jetzt im Besitz Googles ist.

Nothing denkt laut Company Message nicht nur in einzelnen Geräten, die sich dann in ein Ökosystem einfügen, sondern andersrum: Zuerst ein Ökosystem, dann die Geräte dazu.

Namen sind Schall und Rauch, Technologie zählt

Was genau der Kauf Essentials bedeutet, ist nicht ganz klar. Fakt ist, Carl Peis Firma besitzt die Namensrechte Essentials, inklusive Logo. Es ist unbekannt, ob Nothing auch die Rechte an der Technologie Essentials hat. Denn da hat Essential mit dem PH-1 vorgelegt und wollte mit dem Rest des nie veröffentlichten Portfolios nachdoppeln. Das PH-1 hat hinten am Phone zwei Konnektoren, über die Accessoires und Module mit dem Phone verbunden werden können. Ein Kamera-Addon hat zumindest an Messen existiert.

UPDATE: Leser Jeridian mit dem besten Profilbild aller Zeiten (diese Woche) hat in der Kommentarspalte gesagt, dass er das Kameramodul für sein Essential PH-1 besitzt. Es war also tatsächlich auf dem Markt. Jeridian sagt, dass er damit «super 360-Grad-Fotos» machen kann.

Aktuell geht Apple zögerlich in die Richtung der Modularität. Das MagSafe-System des neuen iPhones gleicht zumindest in der Theorie dem Modulsystem Essentials. Das Ökosystem Apples ist zudem das wohl engste und am besten verknüpfte, das derzeit auf dem Markt ist. Auch Huawei versucht ziemlich erfolgreich, ein nahtloses Ökosystem zu schaffen, Google dagegen hinkt etwas hinterher da Android zu fragmentiert scheint.

Kurz: Der Markt ist in Aufruhr und im Wandel. Nicht nur wegen der Unsummen Geld, die hin- und herfliessen, sondern auch wegen dem Technologiewandel. 5G und die technologische Weiterentwicklung aller Geräte eröffnen völlig neue Möglichkeiten. Das bedeutet, dass auch die Technologie von Unternehmen, die ihrer Zeit voraus waren, auf einmal wieder interessant wird.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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