EMS – Fitness aus der Steckdose
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EMS – Fitness aus der Steckdose

Patrick Bardelli
Zürich, am 05.03.2020
Bilder: Thomas Kunz
Elektrische Muskelstimulation ist seit Kurzem der grosse Fitnesstrend. Was ist dran am Training mit Strom? Ich teste den neuen Muskelstimulator von Fortis. Stimulator, nicht Simulator.

Was doch so ein einzelner Buchstabe ausmacht. Hat sich auch unser User Patric1975 gedacht und folgenden Kommentar hinterlassen: «Ich habe zuerst Muskelsimulator gelesen ... Ein Erfahrungsbericht hätte mir besser gefallen :)» Worum geht es? Um elektrische Muskelstimulation, kurz EMS. Wir haben da ein neues Produkt im Sortiment:

Erfahrungsbericht? Bitte sehr

Patric1975 wünscht sich weniger Simulation und mehr Stimulation mittels Erfahrungsbericht. Diesem Wunsch komme ich gerne nach und teste in den nächsten Monaten den EMS-Suit von Fortis. Bevor ich loslege, lasse ich mir das Teil von Fortis-Geschäftsführer Branislav Jovic im Rahmen eines Probetrainings erklären.

So funktioniert der Anzug.
So funktioniert der Anzug.

Über die Nervenfasern leitet unser Gehirn bioelektrische Impulse direkt zu den Muskeln weiter, die in der Folge kontrahieren und Bewegung ermöglichen. Bei der elektrischen Muskelstimulation wird die Muskulatur durch leichte elektrische Impulse stimuliert und der natürliche Vorgang nachgeahmt. Der Muskel unterscheidet dabei nicht zwischen dem Befehl aus dem Gehirn oder der Steckdose.

Rund vier Jahre Entwicklungsarbeit stecken gemäss Jovic in Anzug und App, die diesen steuert. Vorerst ist die App jedoch nur für Android verfügbar. Programmiert wird in Belgrad, der Anzug kommt aus China. Work-outs mit EMS-Anzügen werden bei uns in spezialisierten Gyms oder durch Physiotherapeuten schon seit längerer Zeit angeboten. Jedoch in der Regel verkabelt, was die Bewegungsfreiheit stark einschränkt. Beim Fortis-Produkt fehlen diese Kabel gänzlich. Das Ganze funktioniert über eine Box, die Strombahnen sind im Anzug verbaut.

Die App bietet vorprogrammierte Work-outs wie Warm Up, Aerobic, Kraft und Erholung. Du wählst dein Training aus und legst los. Die Stromstärke kannst du für den ganzen Anzug zwischen niedrig, mittel und hoch variieren. Ausserdem lassen sich einzelne Muskelgruppen wie zum Beispiel die Oberschenkel auch separat ansteuern. Das macht Sinn, wenn du joggen gehst und dabei deine Beine spezifisch trainieren willst.

Soweit so gut. Und wie fühlt sich nun ein Work-out unter Strom an? Ich probiere es aus. Nach 20 Minuten ist Schluss. Kurz aber heftig. Branislav Jovic hat einen kleinen Crossfit-Parcours mit einigen Übungen für mich zusammengestellt, die ich jeweils während einer Minute ausführe. Dazwischen gibt's eine Minute Pause. Das Ganze mache ich zweimal.

Ich mache den Farmers Walk, Branislav steuert den Anzug über die App. Die kleine Box an der rechten Hüfte ist das Herzstück des Anzugs.
Ich mache den Farmers Walk, Branislav steuert den Anzug über die App. Die kleine Box an der rechten Hüfte ist das Herzstück des Anzugs.

Mein erster Eindruck

Das Work-out ist anstrengend. Das liegt allerdings nicht am Anzug, sondern an mir. Ich bin den Mix aus Kraft und Ausdauer nicht mehr gewohnt. Entweder trainiere ich Kraft oder Ausdauer. Gemixt wird nicht. Während den Übungen spüre ich den Strom nicht. Da bin ich im Tunnel. In den kurzen Pausen nehme ich immer mal wieder ein sanftes Kribbeln und manchmal ein leichtes Stechen wahr. Der Strom fliesst in der ersten Runde leicht, in der zweiten medium, und zwar in Intervallen von zehn Sekunden, unterbrochen von zwei Sekunden Pause. Mehr ist da nicht. Ich habe es unangenehmer erwartet. Das ist positiv. Ebenso wie die Tatsache, dass der Anzug angenehm zu tragen ist. Er lässt mir volle Bewegungsfreiheit. Einzig mit dem Reissverschluss am Rücken habe ich so meine Probleme. Und es bleibt abzuwarten, wie er riecht, wenn ich drei Monate reingeschwitzt habe.

Hilfe!
Hilfe!

Der Selbstversuch

Ein guter Start in meinen EMS-Test. Was ist dran am Training mit Strom? Das will ich in den nächsten drei Monaten herausfinden. Ein Problem habe ich jedoch: Wie kann ich die Resultate aussagekräftig beurteilen? Dazu müsste ich theoretisch einen Klon von mir erstellen und diesen parallel ohne Anzug trainieren lassen. Hmm ... dafür muss ich noch eine Lösung ausknobeln. Ausserdem interessiert es mich, was dich interessiert. In welche Richtung soll ich gehen? Soll der Fokus auf einem medizinischen Training für den Rücken liegen oder doch auf der sportlichen «Bauchspeckweg»-Variante? Hinterlasse deinen Wunsch in den Kommentaren.

Du willst mehr über das Training mit dem EMS-Suit von Fortis erfahren? Dann folge hier meinem Autorenprofil.

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Patrick Bardelli
Patrick Bardelli
Senior Editor, Zürich
Es zählt nicht, wie gut du bist, wenn du gut bist. Sondern wie gut du bist, wenn du schlecht bist.

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