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Ein Lebenszeichen nach rund 150 Jahren

Dank aufmerksamer Beobachter und einer App wurde ein smaragdgrünes Insekt wiederentdeckt. Es hatte sich seit 1870 den Nachstellungen entzogen.

Irgendwann vor dem Jahr 1875 sammelte ein Schmetterlingsjäger einen smaragdgrünen Nachtfalter in der Nähe von Swellendam in der westlichen Kapprovinz Südafrikas, gefolgt von einem zweiten Individuum kurze Zeit später. Sie fanden ihren Weg in das Natural History Museum in London, wo sie unter dem Namen Drepanogynis insciata beschrieben und schliesslich eingelagert wurden. Und während die beiden Exemplare in den Archiven langsam verblassten, geriet die Art in Vergessenheit und wurde über lange Zeit nicht mehr nachgewiesen – bis der aufmerksame Beobachter Scott Cameron im September 2020 einen grünen Nachtfalter im Gondwana Private Game Reserve entdeckte, fotografierte und die Bilder auf der Citizen-Science-Plattform iNaturalist zur Bestimmung hochlud. Wissenschaftler um Pasi Sihvonen von der Universität Helsinki bestätigten schliesslich, dass es sich um die lange gesuchte Baumspannerart handelt.

Insgesamt 13 Individuen konnten der Recherche von Sihvonen und Co. zwischen 2020 und 2023 (dem Untersuchungszeitraum) an vier Orten in näherer und weiterer Entfernung des Erstfundortes ausgemacht werden. Ein 14. Nachweis stammte sogar von 2016, wurde aber erst nachträglich hochgeladen, als ein weiterer Naturfreund ältere Bilder seiner Funde veröffentlichte – die Diskussion um die Bestimmung von Drepanogynis insciata hatte ihn aufmerksam gemacht. Es handelt sich um die ersten Aufnahmen lebender Männchen, die intensiv grün gefärbt sind

Scotts erste Bilder hatten dabei das Interesse des südafrikanischen Schmetterlingsforschers Hermann Staude geweckt, der Scott bat, bei Gelegenheit ein Exemplar der Falter zu fangen: Damit sollte die Art exakt bestimmt werden. Scott lockte einen der Baumspanner mithilfe einer Lichtfalle an, sammelte ihn und bewahrte ihn tiefgekühlt auf, bevor Sihvonen und Staude den Falter übernahmen und identifizierten. Gegenüber der Umweltnachrichtenseite «Mongabay» beschrieb Sihvonen, der die Original-Museumsstücke untersucht hatte, der Fund sei vergleichbar mit einem Lebenszeichen des nordamerikanischen Elfenbeinspechts (Campephilus principalis), der seit 1944 nicht mehr zuverlässig in freier Wildbahn gesichtet wurde.

Bei allen fotografierten und gesammelten Exemplaren von Drepanogynis insciata handelt es sich um Männchen. Die Entomologen vermuten, dass diese mobiler seien und fliegen, weswegen sie in Lichtfallen gelockt werden können. Viele Nachtfalterweibchen bewegen sich daher kaum und warten auf die sie befruchtenden Männchen, bevor sie Eier legen. Entsprechend gehen sie kaum in Fallen. Staude sucht deswegen nun nach potenziellen Nahrungspflanzen der Raupen. Dazu klopft er auf Büsche, Gräser und Kräuter und sammelt herabfallende Raupen auf, die er in Terrarien bis zum Schlupf grosszieht – eine mühsame und langwierige Arbeit. Die Nachtfalter fliegen zudem nur kurze Zeit im Jahr, weswegen viel Glück beim Nachweis dazugehört.

Da alle Individuen des Baumspanners aus einem relativ kleinen Gebiet an der Küste um Swellendam stammen, gehen die Forscher davon aus, dass die Art bedroht und womöglich ein Lebensraumspezialist ist. Die ursprüngliche Fynbos-Vegetation – eine artenreiche, mediterrane Heidelandschaft – wurde vielerorts durch Siedlungen, Infrastruktur und Landwirtschaft zurückgedrängt und besteht nur mehr als Flickenteppich, was den Austausch zwischen einzelnen Beständen der Schmetterlinge erschwert.

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