Duel of the Fates: Das «Star Wars: Episode 9», das wir gewollt hätten

Duel of the Fates: Das «Star Wars: Episode 9», das wir gewollt hätten

Luca Fontana
Zürich, am 11.03.2020
Eigentlich hätte Colin Trevorrow «Star Wars: Episode 9» inszenieren sollen. 2017 wurde er wegen kreativer Differenzen mit Lucasfilm gefeuert. Das Drehbuch, das er damals selbst geschrieben hatte, soll an die Öffentlichkeit gelangt sein.

Der finanziell erfolgreichste Film aller Zeiten? «Avengers: Endgame». Ausser, du berücksichtigst die Inflation – die jährliche Teuerung. Dann ergibt sich ein neues Bild. Denn wo ein Kinoticket im Jahr 1967 in den USA im Schnitt gerade mal 1.20 Dollar gekostet hat, wäre es heute 8.76 Dollar wert.

Welcher Film wäre also am erfolgreichsten, wenn wir die jährliche Teuerung bei den Einspielergebnissen berücksichtigten?

Gehen wir die Top 10 durch.

Platz 10 bis 6: Im Schnelldurchlauf

Erlaube mir, die untere Hälfte der Top 10 im Schnelldurchlauf zu machen. Alles andere würde den Rahmen des Trailer Tuesdays sprengen.

Apropos: Das Index-Jahr ist 2019. Sprich: Für Filme, die in jenem Jahr ins Kino gekommen sind, gibt es keine Inflationsbereinigung gemäss Guiness Buch der Weltrekorde, auf dessen Grundlage die Rangliste erstellt wurde.

Platz 10: Star Wars – The Force Awakens

Einspielergebnis: 2 068 223 624 Dollar
Inflationsbereinigt: 2 206 000 000 Dollar

Kinostart: 16. Dezember 2015

Platz 9: Doctor Zhivago

Einspielergebnis: 111 918 564 Dollar
Inflationsbereinigt: 2 238 000 000 Dollar

Kinostart: 22. Dezember 1965

Platz 8: The Ten Commandments

Einspielergebnis: 65 500 000 Dollar
Inflationsbereinigt: 2 361 000 000 Dollar

Kinostart: 9. Oktober 1956

Platz 7: E.T. the Extra-Terrestrial

Einspielergebnis: 793 482 178 Dollar
Inflationsbereinigt: 2 493 000 000 Dollar

Kinostart: 11. Juni 1982

Platz 6: The Sound of Music

Einspielergebnis: 159 413 574 Dollar
Inflationsbereinigt: 2 554 000 000 Dollar

Kinostart: 2. März 1965

Platz 10 bis 6: Zum Eingemachten

Und jetzt: die fünf erfolgreichsten Filme aller Zeiten – unter Berücksichtigung der jährlichen Teuerung.

Platz 5: Avengers: Endgame

Einspielergebnis: 2 797 800 564 Dollar
Inflationsbereinigt: 2 797 800 564 Dollar

Zu «Endgame» habe ich so eine gemischte Beziehung. Den Film selbst mag ich. Sehr sogar. Er ist die Kulmination all dessen, was Marvel zehn Jahre lang mit seinen MCU-Filmen aufgebaut hat. Dabei hat «Endgame» kein bisschen enttäuscht; die haushohen Erwartungen der Millionen von Fans da draussen wurden mehrheitlich erfüllt.

Was stört mich also? Nicht der Film. Das Marketing. Der künstlich generierte Hype, der bewusst Fans instrumentalisierte, um den finanziellen Erfolg des Films zum Problem der Zuschauer zu machen. Denn vor «Avengers: Endgame» galt «Avatar» als finanziell erfolgreichster Film aller Zeiten. Das sollte sich nun ändern. Hashtags wie #BeatAvatar oder #WatchEndgame sollten uns ermutigen, den Film möglichst mehrmals oder zumindest auf Kosten eines anderen Films im Kino schauen zu gehen. Ist sowas noch normal? Ich finde nicht...

Kinostart: 24. April 2019

Platz 4: Star Wars – A New Hope

Einspielergebnis: 775 512 064 Dollar
Inflationsbereinigt: 3 049 000 000 Dollar

Ah, «Star Wars». Der Film, der mich zum Filmnerd gemacht hat. Und Liebhaber von Filmmusik: Meine Spotify-Playlist-Sammlung besteht mehrheitlich aus Alben von John Williams, James Horner, Michael Giacchino und Hans Zimmer. Kollege Dominik über mich: «Es gibt nichts im Leben, das Luca nicht anhand eines Star-Wars-Beispiels erklären könnte». Bezeichnend, oder?

Ich bin mir sogar sicher, dass ich dir etwas über den Krieg der Sterne erzählen kann, das du noch nicht gewusst hast. Versuchen wir’s. George Lucas hatte bis zum Kino-Release nie an «Star Wars»’ Erfolg geglaubt. Als er eines Tages das Set von Regie-Legende und Freund Steven Spielberg besuchte, der gerade «Close Encounters of the Third Kind» drehte, war er überzeugt davon, dass Spielbergs Film viel erfolgreicher werde als «Star Wars». Spielberg hielt dagegen. Die beiden vereinbarten, jeweils 2.5 Prozent des Profits dem jeweils anderen zu überlassen.

Spielberg kriegt bis heute noch seine 2.5 Prozent.

Kinostart: 25. Mai 1977

Platz 3: Titanic

Einspielergebnis: 2 194 439 542 Dollar
Inflationsbereinigt: 3 087 000 000 Dollar

Räumen wir mal mit den Vorurteilen auf: «Titanic» ist weder ein schnulziges, viel zu lang geratenes Celine-Dion-Musik-Video, noch eine aufs weibliche DiCaprio-schmachtende Publikum zugeschnittene Romanze. «Titanic» ist ganz grosses Kino. Inhaltlich, schauspielerisch und besonders handwerklich. Zehn Oscars gab’s dafür – zurecht.

Auf dessen durchschlägigen Erfolg hätte anno 1997 niemand gesetzt. Im Gegenteil. Dem Film wurde ein Schiffsunglück biblischen Ausmasses prognostiziert. Zum einen, weil «Titanic» sein 100-Millionen-Dollar-Budget geradezu pulverisierte: 200 Millionen Dollar würde der Film kosten. Selbst heute noch eine Unsumme – erst recht vor 20 Jahren. Zum anderen wegen schlechter Presse: Da soll’s Streits unter den Produktionsfirmen gegeben haben. Unfälle am Set. Verschiebungen. Einsparungen. Und, und, und.

Aber heute, wenn die Motoren im Maschinenraum stampfen, das eisige Atlantikwasser durch die Kabinengänge rauscht und sich das Schiffsheck in den Nachthimmel hebt, da stockt uns der Atem – vor Ehrfurcht.

Kinostart: 18. Dezember 1997

Platz 2: Avatar

Einspielergebnis: 2 790 439 000 Dollar
Inflationsbereinigt: 3 263 000 000 Dollar

Was Regisseur James Cameron da im Jahr 2009 zelebriert hat, ist weniger die Kunst des Geschichtenerzählens. Es ist mehr das Ausloten und Erforschen visueller Möglichkeiten, wie sie es im Kino nie zuvor gegeben hat. Dabei meine ich nicht einmal unbedingt den 3D-Boom, den «Avatar» anno dazumals ausgelöst hat. Es ist mehr diese komplett am Computer entstandene Welt, die sich trotzdem so real anfühlt.

Wie Cameron das tat? Er nutzte die aus «Lord of the Rings» bekannte Motion-Capture-Technik. Damit wurden anno dazumals Andy Serkis’ Bewegungen aufgezeichnet, um Gollum zu erschaffen. Dann setzte Cameron eins drauf: Die Schauspieler trugen ihre Marker nicht mehr bloss am Körper, sondern auch im Gesicht. Dazu Helme mit montierten GoPro-Kameras, die eigens die Bewegungen der Augen aufzeichneten. So, dass die gesamte schauspielerische Leistung aufs Computermodell der Avatare im Film angewendet werden konnte, nicht nur die Bewegungen. Verrückt, oder?

Das ganze Verfahren nennt sich «Motion- and Performance-Capturing». Was damals revolutionär war, ist heute normal. Oder was denkst du, wie der Hulk aus «Avengers: Endgame» entstanden ist?

Kinostart: 16. Dezember 2009

Platz 1: Gone with the Wind

Einspielergebnis: 402 352 579 Dollar
Inflationsbereinigt: 3 713 000 000 Dollar

Du kennst «Gone with the Wind». Oder hast zumindest davon gehört. Da bin ich mir sicher. Kein Wunder: «Gone with the Wind» – eigentlich eine Adaption von Margaret Mitchells gleichnamigen 1936er-Romans – ist Hollywoods Aushängeschild für sein Goldenes Zeitalter.

Worum geht’s? «Gone with the Wind» erzählt die Geschichte der unwiderstehlichen Scarlett O’Hara, die vor dem Hintergrund des Amerikanischen Bürgerkriegs während der 1860er Jahren skrupellos um die wahre Liebe kämpft. Der Film selbst ist dabei keine einfache Familienunterhaltung oder schnulzige Romanze. BBC-Filmkritiker Nicholas Barber drückte das – aus heutiger Sicht – so aus:

“ Der Film ist eine Ode für den Sklaven besitzenden Süden und ein giftiger Brief an den Anti-Sklaverei-Norden. Eine tonale Achterbahnfahrt, die von Komödie zu Tragödie und wieder zurück stürzt. Eine Romanze, in der sich Heldin und Held gegenseitig an die Gurgel gehen. Und es ist eine episodische Coming-of-Age-Geschichte, die nach fast vier Stunden ihr abruptes, ungelöstes Ende findet. Kurz gesagt: Eine absurde, fast nicht klassifizierbare Mischung höchst fragwürdiger Elemente. Das Wunder ist nicht, dass es Amerikas beliebtester Film ist, sondern, dass es nicht Amerikas am meisten gehasster Film ist. ”
Nicholas Barber, Dezember 2014, BBC

Kinostart: 15. Dezember 1939


Jetzt seid ihr gefragt: Nächste Woche machen wir den Trailer Tuesday mit den Lieblingsfilmen unserer Leser und Leserinnen. Welche das sind? Keine Ahnung. Mach mit bei der Umfrage oder schreib’s in die Kommentare.

INSERT SURVEY

Die fünf meistgenannten Vorschläge nehme ich in die Liste – zusammen mit meinem eigenen persönlichen Lieblingsfilm. Den errät bestimmt niemand. Tipp: Es ist nicht «Star Wars – A New Hope».

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Luca Fontana
Luca Fontana
Editor, Zürich
Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

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