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Drohne die Zehnte - Jeder Flug ein Sturz

Manuel Wenk
Zürich, am 11.11.2020
Schnitt: Manuel Wenk
Mittlerweile habe ich meine Racing-Drohne ganz gut im Griff - denke zumindest ich. Doch mein Eindruck täuscht, wie ich beim Besuch eines Indoor-Parcours feststelle.

Es ist 18:00 Uhr. Ich fahre mit dem Auto erst durch ein Wohnquartier und dann ein kleines Industriegebiet. Sackgasse. Hier steht eine etwas heruntergekommene Autogarage. Um den alten Stall daneben sind Fahrzeuge wild parkiert. Bin ich hier wirklich richtig bin? Ich suche Mike Husarik, Racing-Drohnenpilot. Ein Anruf später kommt er aus dem Stall gelaufen. Ich habe den (Renn)stall in Suhr gefunden. Gespannt und auch etwas nervös betrete ich die Halle. Was mich dort erwartet? Bin ich schon gut genug, um meine Drohne drinnen zu steuern?

Racing-Pilot durch Zufall

Mein Gastgeber Mike ist Informatiker und fliegt seit dreieinhalb Jahren Racing-Drohnen. Zum Hobby gefunden hat er durch Zufall: «Ich habe ab und zu Architekturaufnahmen von Gebäuden für Kunden gemacht und suchte eine leichte Drohne mit der ich ohne Bewilligung fliegen kann. Auf dem Markt gab es nichts und ich entschied mich, selber eine zu bauen». Heute gehört Mike zu den Top-Athleten in der Schweiz und nimmt immer wieder an Rennen im In- und Ausland teil. Ein teures Hobby, das Mike jeden Monat rund 1000 Franken kostet. Um wenigstens einen Teil davon finanzieren zu können, betreibt er einen kleinen Onlineshop. Darüber verkauft er FPV-Teile, die er selber fliegt und getestet hat.

Vor meinem ersten Indoor-Flug schliessen wir meinen Copter an den Computer, um die Einstellungen zu checken. Auf Empfehlung von Mike, ändern wir die Werte, damit sich die Drohne weniger schnell um die eigene Achse dreht. Es kann losgehen.

Stürze en masse

«Wer sich einen Kurs gut und schnell merken kann, hat bei einem Rennen Vorteile», meint Mike beim Ablaufen des Kurses. Er zeigt mir, wo meine Drohne entlang fliegen soll. Das Einprägen des Kurses ist mein kleinstes Problem. Mehr Sorgen machen mir die komplizierten Manöver auf engem Raum und ich erinnere mich zurück an die Worte meines ersten Mentors Till bei den ersten Flugversuchen: «Übe, langsam zu fliegen und die Drohne durch enge Stellen zu manövrieren. Zum Beispiel auf einem leeren Spielplatz». Hätte ich seine Tipps bloss umgesetzt. Ich wär jetzt zuversichtlicher.

Kein einfacher weg.
Kein einfacher weg.

Mein erster Indoor-Flug steht an. Die Drohne durch die engen Gates zu steuern erweist sich als ziemlich schwierig. Nach einigen Toren ist Schluss. Die Drohne knallt auf den harten Betonboden. Schaden hat sie noch keinen genommen. Der zweite Flug ist nicht viel besser als der erste. Der Sturz ist jedoch heftiger: Einmal etwas zu schnell in die Höhe geschossen, setzt die Decke dem Flug ein abruptes Ende. Sie stürzt aus zehn Metern Höhe auf den Boden. Der Propeller ist kaputt und eine Schraube fehlt ebenfalls. Die Reparatur dauert etwas länger. Schade, aber ich vergesse meinen Frust schnell, als mir Mike seine Künste zeigt.

Mikes flinke Finger lassen die Drohne in einem Höllentempo durch die Halle fliegen.
Mikes flinke Finger lassen die Drohne in einem Höllentempo durch die Halle fliegen.

Mike bewältigt den Parcour in einem Höllentempo. Insgesamt rund zehn Sekunden braucht er für eine Runde. In der Zeit bin ich knapp durchs erste Gate geflogen. Diese Skills kommen nicht von ungefähr. Praktisch täglich übt Mike am Simulator. In regelmässigen Abständen wird draussen geflogen. «Ein Mix zwischen Simulator und Real Life ist wichtig. Wer nur am Simulator fliegt, wird nie ein Rennen gewinnen. Wer nur im echten Leben fliegt, wird zu wenig Praxiserfahrung sammeln, um ein guter Rennpilot zu werden», meint Mike. Eine Stunde am Simulator sei ungefähr wie ein ganzer Tag draussen zu fliegen. Stimmt, am Simulator muss ich nie etwas reparieren, ich muss nicht zur Absturzstelle laufen und der Akku leert sich nicht. Mein Fazit zum Simulator: Effizient und praktisch.

Ich mache einige weitere Flüge. Zum Schluss schaffe ich es gar mit Müh und Not, eine ganze Runde zu drehen. Ich habe noch unzählige Stunden vor mir, um auch nur annähernd so gut, schnell und präzise zu fliegen wie Mike.

Ich hau mich dann mal vor den Simulator.

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Manuel Wenk
Manuel Wenk

Video Producer, Zürich

Als Multimedia Producer ist es für mich selbstverständlich, Content multimedial aufzubereiten und technologisch immer auf dem neusten Stand sein zu wollen. Bei digitec passiert das meist in Videoform. Kommen neue Produkte wie Kameras, Drohnen oder Smartphones auf den Markt, möchte ich diese am liebsten immer gleich sofort ausprobieren. Zum Glück arbeite ich an der Quelle! Privat zieht es mich meist Richtung Berge. Sei es für Ski | Bike oder Hike.

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