Dieser 14-Jährige Schweizer gehört zu den besten «Fortnite»-Spielern der Welt
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Dieser 14-Jährige Schweizer gehört zu den besten «Fortnite»-Spielern der Welt

Philipp Rüegg
Zürich, am 12.08.2019
Mit 30 Millionen Dollar Preisgeld ist der Fortnite World Cup eines der profitabelsten Turniere überhaupt – nicht nur im E-Sport. Die massiven Gewinne teilen Kinder unter sich auf. Auch ein Schweizer gehört zu den Profis – er ist 14 Jahre alt.

Fussballprofis haben meist mit spätestens 30 ihr Karrierehoch erreicht. Bei E-Sport-Profis ist das bereits mitte 20. «Fortnite» drückt den Altersdurchschnitt noch mal deutlich nach unten. Der Gewinner des «Fortnite World Cup», der kürzlich in New York stattgefunden hat, ist gerade mal 16 Jahre alt. Mit drei Millionen US-Dollar durfte er sich über ein Preisgeld freuen, das grösser ist als Roger Federers Siegprämie bei seinem letzten Wimbledon-Sieg 2017. Der Amerikaner Kyle «Bugha» Giersdorf war längst nicht der einzige Teenager, der mit einem vollen Bankkonto nach Hause reiste. Der Altersdurchschnitt lag bei 17 Jahren. Der jüngste Spieler war 13 und der älteste 24 Jahre alt.

Jeder der 200 Finalisten, die an die Weltmeisterschaft reisen durften, kriegten alleine für ihre Teilnahme 50 000 Dollar. Dazu gehören auch fünf Schweizer. Der jüngste unter ihnen ist 14 Jahre alt und heisst Jérémy Dang, in «Fortnite» besser bekannt als «4zr». Zusammen mit dem Belgier Noward landete der Waadtländer in der Kategorie Duo in der Schlusswertung auf Platz 13 von 50. In einer Runde konnte das Duo gar den Victory Royal für sich entscheiden. Jérémy landete den letzten und finalen Treffer.

Zwar hat es nicht fürs Treppchen gereicht, aber Jérémy freut sich trotzdem über seinen verdienten Victory Royal.
Zwar hat es nicht fürs Treppchen gereicht, aber Jérémy freut sich trotzdem über seinen verdienten Victory Royal.

Wie fühlte es sich an, bei der «Fortnite»-Weltmeisterschaft mitzuspielen?
Jérémy Dang: Ich bin zufrieden, einer der besten Spieler in «Fortnite» zu sein. Es war eine aussergewöhnliche Gelegenheit für einen jungen Menschen wie mich und ich bin stolz darauf, dass ich daran teilnehmen konnte.

Bist du mit deiner Leistung zufrieden?
Nicht wirklich. Als Wettkämpfer bin ich enttäuscht. Es fällt mir schwer, zufrieden zu sein, wenn ich nicht auf dem ersten Platz lande. Dennoch ist es im Nachhinein ein grosser Erfolg, mit nur 14 Jahren auf Platz 13 gelandet zu sein.

Was ging dir durch den Kopf, als du kurz vor deinem Victory Royal standest und es nur noch dich und einen anderen Spieler gab?
Als nur noch wir zwei übrig waren, wusste ich, dass es für mich unmöglich war, dieses Spiel zu verlieren. Ich musste es gewinnen. Ich bin froh, dass ich zeigen konnte, wozu ich wirklich fähig bin.

Ab ungefähr 4:38:50 ist Jérémys Sieg mitzuverfolgen.

Was wirst du mit deinen Gewinnen machen?
Ich habe vor, einen neuen PC und einen neuen Bildschirm zu kaufen, damit ich unter besseren Bedingungen streamen und spielen kann.

Wer hat dich an das Turnier in New York begleitet?
Es war mein geliebter Bruder, der mich zu der «Fortnite»-Weltmeisterschaft begleitet hat.

Meine Eltern wollten, dass ich mich auf die Schule konzentriere.

Du bist der jüngste «Fortnite»-Profi der Schweiz. Wie bist du so gut geworden?
Ich habe schon immer gerne gespielt – online oder offline. Darüber hinaus mag ich das Ranking-Prinzip, da ich mich dadurch verbessern und mit den besten Spielern vergleichen kann. Das viele Training hat offensichtlich auch geholfen. Aber Spielen lag mir schon immer und das ist sicher auch eine gute Voraussetzung.

Was halten deine Eltern davon, dass du Profi bist?
Zuerst hielten sie nicht viel davon, dass ich «Fortnite» spiele, weil sie keine Zukunft darin sahen. Meine Eltern wollten, dass ich mich auf die Schule konzentriere. Aber mittlerweile sehen auch sie das Potential im E-Sport und unterstützen mich voll und ganz bei dem, was ich tue.

Epic, das Unternehmen hinter «Fortnite» hat 100 Millionen in das eigene E-Sport-Projekt gesteckt.
Epic, das Unternehmen hinter «Fortnite» hat 100 Millionen in das eigene E-Sport-Projekt gesteckt.
Bild: The Verge

Unterstützen sie dein Training und deine Ziele?
Ja, sie stehen voll hinter mir und den Projekten, die ich in der Welt des E-Sports durchführe.

Wie haben deine Freunde auf deine Teilnahme am Turnier reagiert?
Die meisten von ihnen waren sehr überrascht, dass ich an einem so grossen Turnier mit so viel Geld teilnehme. Die meisten von ihnen wussten gar nicht, dass ich das Spiel spiele, weil ich meine Karriere nicht gerne mit meinem Privatleben vermische.

Wie wird man zum Profi?
Das Wort Profi hat viele Bedeutungen. Für mich hängt es mit den Ergebnissen und einem selbst zusammen.

Auf was musst du verzichten?
Natürlich muss man im E-Sport Opfer bringen. In meinem Fall habe ich ein wenig von meinem sozialen Leben für sehr wichtige Ereignisse «geopfert», wie zum Beispiel Ausflüge mit Freunden oder manchmal ein paar Familienfeiern.

Glaubst du, dass du mit E-Sport Karriere machen kannst?
Die Welt des E-Sports wächst ständig, also denke ich: Ja, es ist möglich, eine Karriere im E-Sport zu machen. Aber man sollte es nicht überstürzen und erwarten, dass es zu 100 Prozent funktionieren wird. Nur eine Minderheit von Menschen kriegt die Chance auf eine Karriere.

Kyle «Bugha» Giersdorf hat den Hauptgewinn abgestaubt.
Kyle «Bugha» Giersdorf hat den Hauptgewinn abgestaubt.

Wie viel Zeit investierst du in «Fortnite»? Beschreib mir dein tägliches Training.
Ich habe keinen definierten täglichen Trainingsplan. Es hängt wirklich davon ab, ob ich Lust darauf habe. Da sich das Spiel aber laufend verändert, muss ich aktiv dranbleiben.

Macht das Spiel überhaupt noch Spass?
Meine Motivation besteht darin, dass ich mich laufend verbessern und übertreffen will, wenn ich sehe, wie sich andere Spieler entwickeln. Dann will ich auch besser werden, und das treibt mich an.

Warum ist «Fortnite» deiner Meinung nach bei den Jungen so beliebt?
Das Spiel hat es einfacher, junge Menschen zu erreichen, weil es nicht brutal ist. Es gibt keine echte Gewalt oder Blut, das einige Menschen traumatisieren könnte. Das Spiel besitzt eine Bau-Mechanik, die die Phantasie steigern kann. Genau wie auch die Insel, auf der wir spielen. Es unterscheidet sich sehr von der Realität.

Nur eine Minderheit kriegt die Chance auf eine Karriere.

Wie hast du mit dem Spiel angefangen?
Manchmal spielte ich mit meinem Cousin und seinen Freunden. Als dann langsam der «Fortnite»-Hype begann, boten sie mir an, es auch mal zu versuchen. Ich war sofort begeistert von der Tatsache, dass ich bauen und mich somit schützen konnte.

Das Durchschnittsalter in anderen E-Sports wie «CS:GO» oder «PUBG» ist deutlich höher als in «Fortnite». Findest du es seltsam, dass ein Turnier der weltbesten Spieler von mehrheitlich Jugendlichen ausgetragen wird?
Nein, ich denke, das ist normal – gut sogar. «Fortnite» gibt jungen Menschen die Möglichkeit, ihr Talent zu zeigen und zu beweisen, dass wir auch in jungen Jahren gut sein können.

Viele Profis wie der 28-jährige Ninja haben nicht die Weltmeisterschaft erreicht. Glaubst du, es liegt am Alter? Nein, ich denke, jeder hat eine Chance, auch wenn junge Menschen die besseren Reflexe haben.

Was sagst du zu denen, die E-Sport nicht als echten Sport betrachten?
Das ist ihr Standpunkt. Wenn sie E-Sport nicht als echten Sport betrachten, ist das ihre Meinung und ich kann es ihnen nicht verübeln.

Was würdest du spielen, wenn es «Fortnite» nicht gäbe?
Ich würde verschiedene Spiele mit Freunden spielen, um Spass zu haben oder um mich abzulenken. Vielleicht würde ich auch gar nichts spielen, weil ich mich dann besser auf die Schule konzentrieren könnte.


Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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