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Diese Designprojekte setzen auf Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist an der Mailänder Möbelmesse angekommen. Es wurde auch Zeit. Denn Designer sollten sich ihrer sozialen Verantwortung und Vorbildfunktion bewusst sein.

Auf den diesjährigen Ausstellungen des «Fuorisalone» habe ich zahlreiche Designprojekte gesehen, die Umweltprobleme angehen. Durch ihr Handwerk und moderne Technologien beeinflussen Designer Nachhaltigkeit direkt. Ihre Projekte zeigen, wie aus Abfällen, Nebenprodukte anderer Industrien und natürliche wachsende Materialien umweltfreundliche Produkte gemacht werden können. Ich habe sieben neue Materialien kennengelernt, die sich neben PET und Glas auch noch in schöne Objekte verwandeln lassen.

Muscheln

Die Nahrungsmittelindustrie entsorgt jährlich tonnenweise Muscheln. Die Schalen lassen sich biologisch nicht abbauen. Dazu gehören unter anderem die hübschen Jakobsmuscheln. Nach dem Verzehr, werden sie weggeworfen. Sie kommen in schillernden Farben daher – von Hellgelb bis zu Lila.

In Zusammenarbeit mit dem Interior Studio Nature Squared hat die Designerin Bethan Gray deswegen jetzt eine Möbelkollektion entwickelt, in der sie solche Meeresfrucht-Abfälle wiederverwertet. Sie verwendet zum Beispiel pinke Jakobsmuschelschalen und verarbeitet sie in einem Schreibtisch.

Das Designprojekt «Sea Stone» von den Studenten des Royal College of Art, Hyein Choi und Jihee Moon zeigt ein zementähnliches Material, das aus verbrauchten Muscheln und natürlichen Bindemitteln besteht. Der neue Werkstoff findet seinen Einsatz in der Architektur und der Möbelherstellung.

Diese Schmuckstücke sollten nicht verschwendet werden: «Exploring Eden»
Die Oberfläche eines Schreibtischs aus der Kollektion von Bethan Gray und Nature Squared.
Wie Zement: «Sea Stone» von Hyein Choi und Jihee Moon.

Kartoffelschalen

Ein weiteres Abfallmaterial, das in der Nahrungsmittelindustrie entsteht, ist die Kartoffelschale. Sie entsteht vor allem bei der Herstellung von Pommes frites. Die drei Studenten Simone Caronni, Pietro Gaeli und Paolo Stefano Gentile haben einen Weg gefunden, um aus der organischen Schale ein zu hundert Prozent biologisch abbaubares Verpackungsmaterial herzustellen. In Form einer Eiswaffel sollen Imbissbuden in Zukunft Pommes in der Kartoffelschale servieren.

«Peel Saver» ist eine ökologische Pommes-Verpackung.
Die Idee stammt von Simone Caronni, Pietro Gaeli and Paolo Stefano Gentile.

Tierblut

Aus Resten tierbasierter Industrien lässt sich was machen: Shahar Livne recycelt Blut, das in vielen Schlachthöfen im Abwasserkanal landet, wenn es nicht als Farbstoff für Fleisch genutzt wird. Die Designerin verwendet es stattdessen, um damit ein lederähnliches Material einzufärben und weich zu machen. Um das Leder selbst herzustellen, dienen Tierfett als Texturgeber sowie Haut und Knochen, die sonst ebenfalls im Abfall landen, als Verstärkungsmittel. Zusammen mit Sebastian Thies hat Livne daraus den weltweit ersten Sneaker aus echtem Blut gestaltet.

«The Meat Factory»: Der erste Sneaker, der von Tierblut eingefärbt wurde.
Bio-Leder von Shahar Livine

Hühnerfüsse

Schweizer Schlachthöfe verbrennen täglich Hunderttausende von Hühnerfüssen, wenn sie nicht zu Tierfutter verarbeitet werden. Die Basler Studentinnen Meret Wacker und Géraldine Heller stellen aus der Haut der Füsse Leder her. Damit machen sie Hühnerhaut zum neuen Rohstoff fürs Produktdesign. Anhand unterschiedlicher Muster zeigen sie, was alles möglich ist.

«Chicken Leather Samples» von Meret Wacker und Géraldine Heller.

Algen

Das Labor Algae Lab kultiviert lebende Algen, trocknet diese anschliessend und verarbeitet sie zu einem Material, das sich für 3-D-Drucke von Objekten eignet. So ist unter anderem eine Geschirrkollektion entstanden. Diese stellt eine Reproduktion historischer Glaswaren aus der Sammlung des Musée Departemental in Arles.

Geschirr aus Algen von Atelier Luma.

Designerin Anya Muangkote hat einen beleuchtbaren Raumteiler entworfen, der teils aus biologisch abbaubaren Bestandteilen besteht. Die Biokunststofffolie der Trennwand wird aus Agar und Glycerin produziert. Agar ist eine Substanz, die aus Rotalgen gewonnen wird und Glycerin stammt von Pflanzen.

«Bio Screen» von Anya Muangkote ist Lampe und Raumtrenner in einem.

Industrielle Metallabfälle

Für eine Serie von Keramikfliesen hat Agne Kucerenkaite mit niederländischen Bodensanierungs- und Wasseraufbereitungsanlagen zusammengearbeitet. Der Metallabfall dieser Unternehmen ist ein Schatz in den Augen der Designerin. Sie verwendet ihn um ihre Keramik einzufärben. Das Rohmaterial, das sie geliefert bekommt, enthält viele Metalle, die im Brennverfahren der Keramikglasur eine Farbe verleihen.

Mit industriellen Metallabfällen glasiert: «Ceramic Tiles Collection» von Agne Kucerenkaite

Abfall aus der Londoner Themse

Max Hornaecker verwandelt Müll, der an der Themse in London liegt, zu einzigartigen Objekten. Je nachdem, welches Stück ihm in die Hand fällt, entscheidet er, was daraus werden könnte. Egal, ob Kleberollenhalter oder Kabelbeschwerer, eines haben alle Produkte aus der Kollektion gemeinsam: Sie besitzen Bestandteile aus Messing, die sie veredeln.

Moderne Artefakte: «Sedimentary Matter».
Entworfen von Max Hornaecker.

Die meisten Produkte dieser neun Designprojekte stecken noch in den Kinderschuhen. Meine Hoffnung ist gross, dass die Prototypen bald in die Serienproduktion gehen und bei Galaxus landen.

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Pia Seidel, Zürich

  • Teamleader Editorial Galaxus
Als Design Cheerleader gehe ich aufmerksam durch die Welt und konsumiere Kunst, Design und Mode wie Süssigkeiten. Besonders liebe ich es auf Reisen in die Magie neuer Orte einzutauchen sowie Trends auf Messen oder den Strassen aufzuspüren. Im Alltag erfreue ich mich an der Gestaltung meiner eigenen vier Wände und Podcasts.

2 Kommentare

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User xazax

Super toller Artikel, gibt einem wieder ein paar Ideen, auf was man schauen kann um der Umwelt nicht noch mehr zu schaden. #nomoreplastic

04.05.2019
User timo

Veganer der sich empört in 3... 2... 1... !

03.05.2019